Katharina die Große


Katharina die Große


Die steilste Karriere hat wohl die 1729 in der pommerschen Landeshauptstadt Stettin geborene Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg geschafft. Mit 16 Jahren heiratete sie den späteren Zaren Peter III. Die Ehe gestaltete sich nicht harmonisch. Unterstützt von der Garde, die mit Peters Politik unzufrieden war, stürzte sie ihren glücklosen Gatten und bestieg 1762 als Katharina II. selbst den Zarenthron, um das Land 34 Jahre lang zu regieren. Sie setzte Reformen von großer Tragweite durch und erweiterte die Grenzen des Russischen Reiches erheblich. Katharina war eine außerordentlich gebildete Herrscherin, die Korrespondenz mit den Vorreitern der Aufklärung Voltaire und Diderot pflegte. Für ihre umfangreichen Kunstsammlungen ließ sie in St. Petersburg die Kleine und die Große Eremitagebauen. Auf Erlass Katharinas II. entstand 1795 die erste öffentlich zugängliche Bibliothek des Russischen Reiches.

Laurentius Blumentrost


Laurentius Blumentrost


Der Mediziner Laurentius Blumentrost traf im Mai 1668 in Russland ein, um Zar Alexej I., dem zweiten Herrscher aus dem Geschlecht der Romanows, als Leibarzt zu dienen. Blumentrost hatte an den Universitäten Leipzig und Jena Medizin studiert. Mit einer Dissertation über die Vitaminmangelkrankheit Skorbut erwarb er 1648 den Doktortitel. Laurentius Blumentrost ist zu verdanken, dass in Russland der „Aptekarski prikas" entstand. Im 17. und 18.Jahrhundert fungierte diese „Apothekerbehörde" im Russischen Reich als höchste Verwaltungsstelle für sämtliche Fragen der Heilkunde. Auch zu Beginn eines eigenen akademischen Lebens in Russland spielten die Blumentrosts eine maßgebliche Rolle. Laurentius' jüngster Sohn Lorenz Blumentrost wurde 1725 zum ersten Präsidenten der Russischen Akademie der Künste und Wissenschaften in St.Petersburg ernannt. Er setzte sich dafür ein, dass zahlreiche ausländische Gelehrte nach Russland eingeladen wurden.

Ferdinand Freiherr von Wintzingerode


Ferdinand Freiherr von Wintzingerode

Interessanterweise stammte der erste russische Partisan ebenfalls aus Deutschland. Im Krieg gegen Napoleon im Jahre 1812 befehligte der deutsche Adlige Ferdinand von Wintzingerode als General in russischen Diensten ein eigenes Kavallerie-Korps. Er wagte einen tollkühnen Überraschungsangriff auf Witebsk, bei dem 800 gegnerische Soldaten gefangen genommen wurden. Als sich das französische Heer aus Moskau zurückzog, erteilte Napoleon seinem Marschall Mortier Befehl, den Kreml zu sprengen. Wintzingerode, der davon Kenntnis erhielt, wollte die Sprengung durch Verhandlungen verhindern, geriet jedoch in Gefangenschaft und wäre beinahe erschossen worden. Zwischen Minsk und Wilna, heute Vilnius, wurde er von einem Freischärler-Korps General Tschernyschew befreit. Zu Beginn des Jahres 1813 kommandierte Wintzingerode ein Korps der russischen Hauptarmee und in der Schlacht bei Lützen die gesamte Kavallerie der Verbündeten.

Carl von Siemens


Carl von Siemens

Deutsche spielten auch bei der industriellen Entwicklung Russlands eine herausragende Rolle. Die erste Glühlampe in Moskau war ein deutsches Fabrikat, sie wurde mit Strom aus dem Kraftwerk der Siemens & Halske AG gespeist. Insbesondere Carl von Siemens, der jüngere Bruder des Firmengründers Werner von Siemens, war in Russland unternehmerisch aktiv. 1853 reiste er erstmals nach St. Petersburg. Er heiratete die Tochter eines deutschstämmigen russischen Kaufmanns und pflegte persönliche Kontakte zu Mitgliedern der zaristischen Regierung. Ingenieure der Siemens & Halske AG bauten das Kraftwerk, das bei der Krönung des vorletzten russischen Zaren Alexander III. für die festliche Illumination des Moskauer Kremls sorgte.

1883 nahm Carl von Siemens die russische Staatsbürgerschaft an, die Zweigniederlassung der Siemens & Halske AG erhielt den offiziellen Status eines kaiserlichen Hoflieferanten. Für seine unternehmerischen Verdienste erhob Zar Nikolaus II. Carl von Siemens 1895 in den Adelsstand. Nachdem die Firma Siemens 1912 in Petersburg eine Fabrik für Dynamos und Elektromotoren – das heutige Werk „Elektrosila" – errichtet hatte, wurden die Gaslaternen der Stadt durch eine elektrische Straßenbeleuchtung ersetzt.

Heinrich Gambs


Gambs-Möbel. Bild: www.alexanderpalace.org


Der 1765 in Durlach bei Karlsruhe geborene Möbeltischler und Kunstschreiner Heinrich Gambs kam 1795 nach St. Petersburg und eröffnete im Zentrum der Stadt ein Möbelgeschäft. Das russische Herrscherhaus fand größten Gefallen an den von Heinrich Gambs gefertigten Möbelstücken. Ab Ende 1796 stattete die Gambs'sche Firma über 40 Jahre hinweg die Peterburger Paläste mit repräsentativem Mobiliar aus. Den Adel Russlands beeindruckte die Qualität der deutschen Handwerksarbeit so sehr, dass Klassiker der russischen Literatur wie Alexander Puschkin oder Iwan Turgenjew den Gambs-Möbeln sogar ein literarisches Denkmal setzten. Als wahre Ode an die Wohnwelt des Heinrich Gambsaber kann die Gaunerkomödie „Zwölf Stühle" von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow gelten. Die Juwelen, denen die Romanhelden nachjagen, sollen in einem der zwölf „Gambsomowski-Stühle" eines herrschaftlichen Esszimmers versteckt sein.

Franz Krüger


Franz Krüger

Der 1797 im anhaltinischen Großbadegast geborene Franz Krüger zählt zu den deutschen Malern, die in Russland besonders bekannt sind. Seinen Ruf begründeten vor allem lebensechte Porträts und Tierbilder, daher sein Spitzname „Pferde-Krüger". Krüger arbeitete auch für das russische Herrscherhaus. So gab Zar Nikolaus I. bei ihm das Gemälde „Parade auf dem Berliner Opernplatz" in Auftrag, das 1830 mit überwältigendem Erfolg in Berlin ausgestellt wurde. Für das Honorar erwarb der Maler ein Haus in der preußischen Hauptstadt. Franz Krüger erhielt eine der höchsten Auszeichnung des Russischen Reichs, den Orden des Heiligen Wladimir 4. Klasse, und war freies Mitglied der Petersburger Kaiserlich Russischen Akademie der Künste. 1832 reiste er nach St. Petersburg, um an einem repräsentativen Gemälde des 1825 verstorbenen Zaren Alexander I. zu arbeiten. Daneben schuf er mehrere Porträts von Mitgliedern der Herrscherfamilie sowie Vertretern des Petersburger Hochadels.

Sergej Witte


Sergej Witte


Der Eisenbahnpolitiker, Wirtschaftsreformer und Diplomat wurde 1849 in einer baltendeutschen Familie in Tiflis geboren. Sein Vater Julius Witte gehörte zur deutschbaltischen Ritterschaft von Pleskau, dem heutigen Pskow. Die Mutter stammte aus dem alten russischen Fürstengeschlecht Dolgoruki. Die Dolgorukis führen ihre Abstammung auf Rurik, den legendären Gründer des ersten ostslawischen Reiches zurück. 1889 wurde Sergej Witte in die zaristische Regierung berufen, 1892 zum Finanzminister ernannt und 1899 zum Geheimrat befördert. Das Amt des Finanzministers übte Graf Witte elf Jahre lang aus. Unter seiner aktiven Mitwirkung entstand eine Arbeitsgesetzgebung, die insbesondere die Begrenzung der Arbeitszeit in den Fabriken festschrieb. Ebenso setzte er die Aufhebung von Beschränkungen für ausländische Investitionen in die Wirtschaft Russlands durch. Nach dem verlorenen Russisch-Japanischen Krieg schickte ihn Nikolaus II. 1905 als Chefunterhändler nach Amerika, um die Bedingungen für den Friedensvertrag mit Japan auszuhandeln.

Sergej Witte war maßgeblich beteiligt an der politischen und ökonomischen Modernisierung des russischen Staates, beispielsweise durch die Einführung eines Parlaments, der Duma. Zar Nikolaus II beauftragte ihn 1905 als ersten Regierungschef Russlands mit der Kabinettsbildung. Er forcierte den Bau der Transsibirischen Eisenbahn und verantwortete eine Währungsreform, bei der 1897 der Silberstandard des Rubels abgeschafft und offiziell durch den Goldstandard ersetzt wurde. Weite Teile des von Sergej Witte ausgearbeiteten Reformprogramms konnte erst ein anderer russischer Staatsmann, nämlich Premierminister Pjotr Stolypin, in die Tat umsetzen.

Gustav Albers und Gustav Kunst


Ehemaliges Kunst & Albers Handelshaus

Zu Ausgang des 19. Jahrhunderts gab es in Wladiwostok an der russischen Pazifik-Küste wohl niemanden, der „Kunst & Albers" nicht gekannt hätte. Dieses 1864 von den beiden Hamburgern Gustav Albers und Gustav Kunst gegründete Handelshaus, in dem es praktisch alles zu kaufen gab, genoss einen erstklassigen Ruf im gesamten Fernen Osten. Begonnen hatten die tatkräftigen Deutschen mit der Anmietung einer Stube in einem winzigen Holzhaus, wo sie einen Gemischtwarenhandel eröffneten. Zu Beginn des 2.Weltkriegs gehörten zu ihrem Handelsimperium mehr als 30 Geschäfte und Filialen sowie Niederlassungen in Europa, Japan und den USA. Neben dem berühmten Kaufhaus besaßen Kunst und Albers ein Bankkontor, das wegweisend war für seine Zeit. Ein mehr als hundert Jahre alter Reiseführer gibt Russlandreisenden beispielsweise den guten Rat, kein Bargeld mitzunehmen, da es leicht wegkommen könne. Vielmehr sollten sie ein Konto bei der Firma Kunst & Albers eröffnen, denn das böte ihnen die Möglichkeit, sich in jeder russischen Stadt mit den erforderlichen Finanzen auszustatten.

Maria Stratz

Maria Stratz war eine bekannte Modistin. Die findige, geschickte Schneiderin und Putzmacherin zog bereits zu Alexander Puschkins Zeiten modebewusste Damen im gesamten Nördlichen Schwarzmeergebiet an. In den Salonsder Stratz verkehrten weibliche Vertreterinnen berühmter Adelsgeschlechter und Fabrikantenfamilien wie der Woronzows, der Naryschkins oder der Sontags. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts war der Stratz'sche „Europäische Basar" einesder besten Geschäfte in Odessa. Hier fanden sich Adel und Geldaristokratie ein, wenn es galt, die Roben für wichtige Bälle auszusuchen oder die Mitgift einer reichen Braut zusammenzustellen.

Ludwig Stieglitz


Ludwigs Sohn, Alexander Baron Stieglitz, Chef der russischen Reichs-Staatsbank.


Ludwig Stieglitz kam 1803 mit seiner Frau Amalia als Vertreter des Familienunternehmens aus Preußen nach St. Petersburg. 1807 nahmer die russische Staatsbürgerschaft an und gründete das Petersburger Bankhaus Stieglitz & Co., das eine grundlegende Rolle bei der Herausbildung des Finanzsystems in Russland spielte. Ludwig Stieglitz war nicht nur einerfolgreicher Bankier, sondern gestaltete auch die Industrialisierung Russlands aktiv mit. Der Unternehmer investierte sein Kapital in den Bau der ersten russischen Eisenbahnstrecken, mit einer Anleihe in Höhe von 50 Millionen Silberrubeln finanzierte er die Eisenbahnverbindung St. Petersburg – Moskau. Ebenso zählte Stieglitz zu den Investoren, die die ab 1829 betriebene Dampfschifffahrtslinie zwischen Petersburg und Lübeck ermöglichten. Ludwig Stieglitz besaß in Russland neben Zuckerfabriken auch zwei Baumwollspinnereien in St. Petersburg.

Zar Alexander I. ernannte Stieglitz zum Hofbankier, 1826 wurde ihm anlässlich der Krönung von Nikolaus I. der Adelstitel „Baron" verliehen.1841 bekundete der Zar dem Bankier und Unternehmer Ludwig von Stieglitz „kaiserliche Dankbarkeit für den ausgezeichneten Unterhalt der Arbeiter in den Werken". Erwähnung verdient, dass Mitte des 19. Jahrhunderts Investitionen aus Deutschland eine wesentliche Rolle im Wirtschaftsleben des Russischen Reichesspielten und ihr Anteil bis zu 20 Prozent betrug.

Wilhelm Pehl


Wilhelm Pehl


Der deutschstämmige Wilhelm Pehl war der erste Apotheker in Russland, der für seine Apotheke Lenz-Apparaturen aus Berlin kommen ließ. Damit konnte er nicht nur komplexe pharmazeutische und chemische Präparate herstellen, sondern auch deren Qualität kontrollieren. Pehl trug maßgeblich zum Fortschritt der Medizinwissenschaft in Russland bei. Er gab medizinische Literatur heraus und in seiner Apotheke befand sich auch die Redaktion der von ihm gegründeten Zeitschrift „Journal für medizinische Chemie und Pharmazie".

Um Wilhelm Pehl ranken sich zahlreiche Legenden. Ein Mythos besagt, der Apotheker habe sich der Alchimie verschrieben und in einem Turm geheimnisvolle Greifen gezüchtet. Der „Greifenturm" steht noch heute im Hof der Apotheke Pehl & Söhne in St. Petersburg. Das Bauwerk ist ungefähr elf Meter hoch und hat einen Durchmesser von zwei Metern. Ins Auge springt, dass der gesamte Turm mit weißen Zahlenversehen ist und jeder einzelne Ziegelstein nummeriert zu sein scheint. Es heißt, die Zahlen auf den Ziegeln seien nichts Anderes als ein chiffrierter Kode des Universums. Demjenigen, der alle Ziffern aufzählen kann, erfüllen sich sämtliche Wünsche, nach einer anderen Version winkt ihm die Unsterblichkeit.

Karl Marx und Friedrich Engels


Karl Marx und Friedrich Engels mit Familie. 

Die beiden Vordenker des Kommunismus haben zwar nicht die russische Staatsbürgerschaft angenommen, doch ihre Werke prägten die Geschichte Russlands in entscheidender Weise. Das Land ließ sich auf ein fast 80 Jahre währendes soziales Experiment ein, das mit dem völligen Bankrott der sozialistischen Ideen endete. Die Marx-Engels-Schriften waren die Bibel der kommunistischen Partei. In den sowjetischen Schulen und Hochschulen gehörten die Werke der beiden Deutschen neben denen von Lenin und Stalin zum Alltag. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR haben die Anschauungen von Karl Marx und Friedrich Engels in Russland viele – wenn auch nicht alle – Anhänger verloren.

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