Die sorgfältige Suche nach interessanten Ideen und Dingen und eine klar organisierte Logistik haben Alexander Krawzows Unternehmen Ekspedizija zu großem Erfolg verholfen. Ein Beispiel: Auf seiner Reise durch Chile entdeckte er in einem Souvenirladen ein Spielzeugmännchen. Wenn man an einer Schnur zog, richtete sich ein winziger Penis auf. Krawzow kaufte die Figur und schickte sie nach Indonesien. Dort beauftragte er eine Fabrik mit der Fertigung einer ganzen Serie solcher Männchen in Gestalt von Väterchen Frost. Für die Feiertage. „Dann schauen wir weiter, ob wir eine weitere Lieferung bestellen“, erklärt der Unternehmer. 

Das Markenzeichen Ekspedizija nutzen heute etwa 360 eigenständig geführte und Franchise-Geschäfte in Russland, in der Ukraine, in Belarus, Kasachstan und im sogenannten entfernten Ausland, d.h. an die Grenzen der GUS Staaten angrenzenden Ländern. Rujan, der andere Arm des Unternehmens, führt außerdem drei Restaurants mit nördlicher Küche, eine Banja und organisiert die alljährlich stattfindenden Ralleys „Expedition Trophy“.

Die Geschichte von Ekspedizija nahm ihren Anfang im Jahr 2005, als Alexander Krawzow sich von seinen Partnern trennte und den Markt für Haushaltschemikalien verließ. Sein neues Projekt machte ihn konkurrenzlos: Weder Sportgeschäftketten noch Geschenkartikelhändler betrachten Krawzow als einen von „ihnen“. „Ekspedizija spricht eine Zielgruppe an, die weit entfernt ist vom klassischen Tourismus“, erklärt der Leiter der Marketingabteilung von Alpindustrija Dmitri Saschin. „Die haben es geschickt angestellt und eine neue Nische geschaffen“, bemerkt Le Future - Generaldirektor Alexander Ossadtschi.

Die unter dem Markenzeichen Ekspedizija vertriebenen Waren und Dienstleistungen unterteilt Krawzow grob in drei Gruppen: „Vor und nach der Expedition“, „Unterwegs“ und „Fun“. Die erste Kategorie umfasst den Austausch von Erinnerungen und Eindrücken – ein Vergnügen, das die Gäste in den Ekspedizija-Restaurants suchen. „Unterwegs“ – das sind touristische Ausrüstungen, die man auch im Alltag verwenden kann (Outdoor-Becher, Essbestecke, Lampen etc.). Unter „Fun“ fallen die bekannten orangefarbenen bedruckten T-Shirts, Spielzeuge der Marke Ekspetro, Toys für den Sex „unter Extrembedingungen“ und anderer Schnickschnack, der die Marke bekannt gemacht hat.

Die touristische Komponente des Markenzeichens speist sich nach Krawzows eigenen Worten aus „wahren Geschichten“. Das Souvenir- und Vergnügungsmoment dagegen lebt von gezielter Spionage. Krawzow führte in dem Unternehmen sogar ein Verbot auf eigene Kreationen ein.

„Wir ziehen es vor, professionell abzugucken und das in anderen Nischen erworbene Wissen auf unsere Nische zu übertragen, also unsere Zeit und Kraft nicht auf die Erfindung neuer Produkte zu verwenden“, erläutert er. So brachte Krawzow von seinen USA-Reisen Krawzow eine Weltkarte mit, die noch nicht kartographierte Gebiete beige hinterlegt und auf der sich durch Radieren diejenigen unter ihnen kennzeichnen lassen, in denen man bereits war. Eine solche Karte hat Krawzow jetzt auch im Sortiment. Der Unternehmer schätzt, dass 80% der Ekspedizija-Waren in gewissem Maße auf Industriespionage beruhen.

Der Ekspedizija-Inhaber räumt ein, dass der Erfolg des Markenzeichens in hohem Maße von einer regelmäßigen Erneuerung des Sortiments abhängt. 35-40% der in den Geschäften erzielten Verkaufserlöse verdanken sich den neuen Produkten. Besonders beliebte Waren wiederum sind auch nach 3-5 Jahren noch gefragt. Die Konkurrenz der angrenzenden Märkte hat erkannt: die durchdachte Produktpolitik ist der wesentliche Erfolgsfaktor von Ekspedizija. „Wenn sie von ihrem genau festgelegten Muster nicht abweichen, ist ihnen ein langes und glückliches Leben beschieden“, ergänzt Dmitri Saschin von Alpindustrija. Alexander Ossadtschij von Le Future ist wiederum sicher, dass jeder Stoff seine Grenzen hat und Ekspedizija, wenn sich das Unternehmen weiterentwickeln möchte, über prinzipiell neue Geschäftsfelder nachdenken sollte.

Krawzow selbst hingegen betrachtet nicht die inhaltliche, sondern vielmehr die geografische Erweiterung als perspektivreiche Herausforderung. Gegenwärtig interessieren den Unternehmer die ausländischen Märkte. In Russland, so erläutert er, ist der Erfolg des Unternehmens ohnehin gewiss – dort zu arbeiten, bedeutet gleichsam, in einem Hühnerstall zu jagen. Seit November 2011 werden Ekspedizija-Waren in Singapur und in den Niederlanden vertrieben. Und die Grenzen der Produktwahl? „Wir können einfach eine Rolle Klopapier nehmen, eine Pfeife hineinstecken und diese Outdoor-Ausrüstung für 500 Rubel anbieten“, brüstet sich Krawzow. „Und das wird sich verkaufen.“

Artikel aus Ekspedizija

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Forbes.