Der Osten Europas ist kein Neuland für mich und doch überstieg die Frage, was mich bei meiner Ankunft in Moskau erwarten würde, selbst meine Vorstellungskraft.

Mitte Februar brach ich, ausgerüstet wie zu einer Polarexpedition, auf um die russische Hauptstadt auf Herz und Nieren zu prüfen. Mit dem einen oder anderen Klischee im Gepäck erreichte ich die Riesenmetropole, Moskau. Am Flughafen begrüßte mich ein Schwall eisiger Luft und demonstrierte mir auf eindrucksvolle Weise, dass ich keines der unzähligen Kilos in meinem Rucksack umsonst schleppte.

Nach dem der erste Kälteschock überwunden war, galt es den Weg von Flughafen zu meinem neuen Zuhause zu meistern. Die recht spärliche Wegbeschreibung und mehr als mangelhafte Russischkenntnisse machten dieses Unterfangen nicht gerade zur leichtesten Aufgabe. Dank der Hilfe unzähliger Passanten, die mir auf Englisch, Deutsch, Russisch oder auch mit Händen und Füßen den Weg wiesen, gelangte ich schließlich an mein Ziel. Das Vorurteil, dass die russische Bevölkerung griesgrämig und unfreundlich sei, warf ich direkt über Bord.

Doch nicht jedes meiner Klischees ließ sich so einfach aus dem Weg räumen. Dass sich russische Heizungen angeblich nicht regulieren ließen, davon hatte ich gehört, doch richtig glauben wollte ich es nicht. Bei Bezug meines neuen Quartieres schlug mir eine Wand heißer Luft entgegen und ich begriff sofort, dass zumindest diese Behauptung richtig war. Die Folge: Im Verlauf der nächsten Tage musste ich, meinem ökologischen Verständnis zum Trotz, unzählige Male das Fenster aufreißen, um keinen Hitzeschlag zu erleiden.

Am nächsten Morgen konnte ich mich dann auch mit eigenen Augen davon überzeugen, dass russische Frauen selbst bei den halsbrecherischsten Straßenverhältnissen auf High-Heels durch die Gegend flanieren. Während ich, wohlbemerkt ohne Absätze, mehr als einmal Bekanntschaft mit dem russischen Schnee machte, schlendern die Russinnen bei Wind und Wetter elegant auf ihren hohen Hacken da her. Wie das möglich ist, das bleibt zumindest für mich ein ungelöstes Rätsel.

Inzwischen sind gut acht Wochen ins Land gegangen - mein erster Eindruck von der östlichen Riesenmetropole? Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Ihre Größe lässt die Stadt unüberschaubar erscheinen und zumindest in den Wintermonaten fehlt es ihr an Atmosphäre. Nur schwerlich fügt sich Moskau im Kopf zu einem stimmigen Gebilde zusammen. Da hilft nur eines: Raus gehen und das bei Wind und Wetter und am besten zu Fuß. Denn: Wann man sich erst einmal auf den Weg begibt, dann findet man nach und nach die „Perlen“ der Stadt und dann gewinnt Russlands Hauptstadt zusehends an Charme.

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