Jeden Tag werden in Russland über Internetplattformen Hunderttausende von Gigabytes illegal ausgetauscht - hauptsächlich Computersoftware, Musik und Filme. Schätzungen zufolge verliert allein die Kinoindustrie durch die Internetpiraterie etwa 500 Mio. US-Dollar pro Jahr. Doch wie jeder weiß bringt es nichts, den Internetnutzern mit juristischen Schritten zu drohen oder ihnen ins Gewissen zu reden. Genau deshalb konnte der Ansatz des Start-ups Pirate Pay der Firma Internet Content aus dem russischen Perm bereits im Anfangsstadium seiner Entwicklung große Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Im Jahr 2009 beschlossen die Brüder Andrej und Alexej Klimenko zusammen mit ihrem Freund Dmitri Schuwajew ein Programm zu schreiben, das der Steuerung des Datenflusses und so der Senkung der Kosten für eine Mobilfunkfirma diente, für die sie damals arbeiteten. „Als wir den Prototyp erschaffen hatten, verstanden wir, dass wir damit grundsätzlich jede Datei für das Herunterladen sperren können. Wir erkannten, dass das Programm großes Potential im Kampf gegen die Internetpiraterie besitzt. Was wir brauchten, war nur das Geld für die Entwicklung“, erinnert sich der Mitgründer und heutige CEO von Internet Content Andrej Klimenko.

Über ein Jahr haben die Perfektionierungen und die Suche nach Finanzierungsquellen in Anspruch genommen. Die Jungunternehmer bewarben sich um zahlreiche Fördergelder, und ihre Mühen waren nicht vergeblich. Der Förderfonds von Microsoft steckte in das Unternehmen 100.000 US-Dollar, der russische Fonds zur Entwicklung des kleinen Unternehmertums (Bortnik-Fonds) half mit einer Million Rubel (ca. 25`000 Euro), und die Firma durfte sich im Technologiepark Skolkovo ansiedeln. Dank der Förderbeiträge konnte Internet Content sieben Mitarbeiter einstellen.

„Die technische Basis von Pirate Pay ist etwas ganz Neues und in der Computerwelt bisher Unbekanntes“, erzählt Alexander Turkot, Direktor des Clusters für Informationstechnologien von Skolkovo.

Konkrete Anwendung

Das Start-up brachte seinen Gründern schon reelle Einnahmen. Das

erste große Projekt war der russische Film Wyssozki. Danke, dass du am Leben bist, der im Dezember 2011 in die Kinos kam. Während eines Monats schützte Pirate Pay den Film vor illegalen Downloads in den Torrent-Netzwerken. Die Dienstleistungen der Firma kosten zwischen 10.000 und 40.000 Euro pro Monat, je nach Popularität des zu schützenden Objektes. Je beliebter ein Objekt ist, desto grösser ist die Anzahl zu blockierender Ressourcen. Der Umsatz von Internet Content wird nicht veröffentlicht, doch CEO Klimenko gibt zu: „Wir versuchen zwar, mit unseren Margen die Gewinnzone zu erreichen, doch momentan geben wir für Entwicklung so viel aus, dass wir die Kosten noch nicht amortisieren können.“

Für die nächsten zwei Jahre hat die junge Firma ehrgeizige Pläne. Sie will

sich nicht nur auf dem russischen Markt etablieren, sondern auch ausländische Märkte erschließen. Der internationale Standort Skolkowo soll der Firma dabei behilflich sein. „Wir versuchen, eine Umwelt aufzubauen, in der Vertreter aus verschiedenen Sphären und Ländern zueinander finden können. Dazu dienen auch solche Veranstaltungen wie die heutige“, erklärt Pekka Viljakainen, Berater der Präsidenten des Skolkowo-Fonds am ersten Forum zum Austausch zwischen Skolkowo-Firmen aus verschiedenen Clustern. Seiner Meinung nach haben zwar alle Skolkowo-Teilnehmer internationale Ambitionen. Sich im Ausland zu etablieren, werden aber nur einige wenige schaffen. Alexander Turkot will seinerseits keinerlei Prognosen zur Zukunft von Pirate Pay abgeben, betont jedoch, wie aussichtsreich das Konzept des Start-up ist.