Tanz in den Mai! Mit diesem Motto könnte nicht nur die Russendisco in Berlin ihre Veranstaltungen im Wonnemonat locken. Und den Maibaum – Symbol für Furchtbarkeit – sollte man der deutsch-russischen Zusammenarbeit stellen. Selten war sie so fruchtbar, wie in dem zu Ende gehenden Deutsch-Russischen Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/2012. In der zweiten Hälfte des Monats versammeln sich Hochschulrektoren beider Länder im Forum und als Ausklang wird es am 22. Mai eine Festveranstaltung an der Freien Universität Berlin geben.

Sieben große Projekte wurden im Rahmen des Wissenschaftsjahres allein an dieser Universität unter dem Motto „Wissens- und Technologietransfer“ realisiert. Rund 300 Studenten aus Russland studieren derzeit hier. „Das Interesse wächst, aber man muss es fokussieren“, so Tobias A. Stüdemann, Leiter des Verbindungsbüros der Freien Universität Berlin in Moskau. Er wünscht sich, dass mehr deutsche Studenten und Nachwuchsforscher nach Russland gehen.

Verliert Deutschland im Studentenaustausch mit Russland?

 

5:1 steht es im Moment für Russland: Derzeit kommen jährlich, vom DAAD gefördert, rund 5000 Studenten nach Deutschland. Umgekehrt ist

 die Zahl der Deutschen, die nach Russland mit einem DAAD-Stipendium geht, relativ gering - um 1000. Dazu gibt es über 10 000 selbst zahlende russische Studierende. „Es gibt keine schlimme Zahlen, es gibt schlimme Inhalte, die sich hinter Zahlen verbinden“, - kommentiert Thomas Prahl, Leiter des Referats Russland/Belarus im DAAD. Hinter seiner Philosophie stehen unumstrittene Argumente: für deutsche Studenten gebe es im Augenblick wenig attraktive Studienangebote, vor allem keine englischsprachige. Die Umstellung auf den Bachelor-Master-Ausbildungsprozess sei in Russland im vollen Gange. „Heute können in einen Masterstudiengang an einer russischen Universität deutsche Studenten, die einen vierjährigen Bachelor Abschluss haben, gehen. „Das heißt – viele Studenten, die 3,5- oder dreijährige Abschlüsse haben, haben keine richtige Chance an einer russischen Universität immatrikuliert zu werden“, sagt deutscher Experte. Nach der russischen Gesetzgebung sei es sogar möglich, nur in der Realität sehe es leider anders aus. 

Im Rampenlicht auf der StudyWorld 2012

 

Dass es anders geht, wollen russische Hochschulen auf der kommenden 7. Internationalen Messe für Studium, Praktikum und akademische Weiterbildung – StudyWorld 2012 – beweisen. Als Gastland muss Russland unter über 170 Aussteller ein lukratives Angebot machen, um bei deutschen Studenten zu punkten. „Sie werden am Stand des russischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft nicht vorbei gehen können“, verspricht Irina Schipilova, Organisatorin von der russischen Seite und Leiterin des Internationalen Ressorts der Messe "Education and Career". Natürlich seien russische Universitäten (über 25) aufgeregt, jede wolle sich im besten Licht zeigen.

Russland und Deutschland sind bereits wichtige Partner im Bereich Bildung und Forschung geworden: Es gibt über 700 Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und russischen Universitäten. „Es ist aber sicher die erste massive Kampagne in Deutschland, - glaubt Irina Schipilova. - Irgendwann sollte die große deutsche Welle nach Russland kommen“. Laut DAAD gibt es bereits schon jetzt 19 aktive Doppelmasterstudiengänge. Die Zahl an Kooperationen wäre aber sicher ausbaufähig, glaubt Thomas Prahl. Er hat selber in Russland studiert. „Zum Anfang war ich etwas geschockt von dem russischen Wohnheim, aber nach fünf Jahren habe ich mich pudelwohl - wie zu Hause - gefühlt“. 

Bei aller Faszination die Skepsis bleibt

 

Deutsche Studenten sind mobil. Ein gewisser Vorbehalt gegenüber Russland sei bei den Deutschen allerdings da, der sich dann aber durch positive Erfahrung im Lande schnell abbaut. Denn Russland hat einiges anzubieten: wertvolle Studieninhalte, reiches Kulturleben, eine Vielzahl an historischen und imposanten Gebäuden und Bauten und die nicht zu schlagende russische Gastfreundschaft. Auch die Frage der Sicherheit in russischen Großstädten wird im Vorfeld des Aufenthalts kritisch diskutiert. „Sie können in jede Großstadt der Welt gehen, ob New York oder Berlin. Es gibt immer bestimmte Regionen in einer Stadt, in die man als ausländischer Student seine Nase nicht reinstecken sollte“, warnt er. Und Moskau ist da bei aller Faszination, die sie an vielen Stellen ausstrahlt, keine Ausnahme.