Die Überschwemmung, bei der auch die Stadt Krymsk überflutet wurde und die mehr als 170 Menschenleben forderte sowie Tausende von Menschen obdachlos machte, hatte offenbar rein natürliche Ursachen. Zuvor wurden in der russischen Öffentlichkeit Spekulationen laut, wonach das absichtliche Ablassen eines nahegelegenen Staubeckens für die Katastrophe verantwortlich war.

"Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen steht fest, dass das Ablassen von Wasser im gewöhnlichen Normalbetrieb erfolgt ist. Ungeachtet der Tatsache, dass beim Normalbetrieb in regelmäßigen Abständen geringe Wasserentleerungen vorgesehen sind, hatte der Normalbetrieb des Staubeckens in diesem Fall jedoch keinen Einfluss auf die tragischen Ereignisse. Es wurden keine größeren Entleerungen festgestellt", erklärte der offizielle Vertreter der russischen Untersuchungskommission Wladimir Markin. Der Untersuchungsausschuss geht davon aus, dass die Wasserentleerungen nicht als Grund für die Überschwemmungen angesehen werden können.

Meldungen über menschliches Versagen am nahegelegenen Staudamm wurden auch von Valerij Ajsenschtejn, Leiter der Abteilung für

hydrotechnische Anlagen der Nationalen Vereinigung für Verkehrswege, in einem Interview mit NEWSru.co.il dementiert: "Ein reißender Strom mit einer sieben Meter hohen Flutwelle innerhalb von 10-15 Minuten ist nur möglich, wenn zuvor ein heftiger Ablauf aus dem höher gelegenen Staubecken stattgefunden hat. Den technischen Gegebenheiten der Staustufe des Wasserbeckens von Neberdschajewskij nach zu urteilen, ist eine zwangsweise Entleerung des Wasserbeckens technisch unmöglich."

Vermutlich kam es zu einem Dammbruch, kurz nachdem das Wasser über den Kamm der Anlage übergelaufen war. Danach brauchten die Wassermassen ca. 20 Minuten für die 16,5 km lange Strecke vom Staubecken bis zur Stadt Krymsk.

Ohne Vorwarnung

Der Leiter des russischen Zivilschutzministeriums Wladimir Putschkow betonte jedoch, dass das Hochwasser-Benachrichtigungssystem nicht korrekt funktioniert habe. Diese Information wurde auch von Suren Gasarjan, einem Aktivisten der Vereinigung "Ökologische Wache im Nordkaukasus" in einem Interview mit dem Radiosender Kommersant FM bestätigt: "Es gab absolut keine Vorwarnung. Wir haben Hunderte von Menschen danach befragt, wie sie informiert wurden. Doch niemand wusste irgendetwas." Nach Angaben von Gasarjan bestand das Problem darin, dass der Strom vorsorglich abgeschaltet worden war, so dass die Menschen etwa die Warnmeldungen im Fernsehen überhaupt nicht sehen konnten.

Nach Angaben des russischen Zivilschutzministeriums wurden ca. 13 000 Häuser ganz oder teilweise überflutet. Straßen wurden unterspült und das Telefonnetz zerstört. In einigen Siedlungen unterbrachen die örtlichen Behörden aus Sicherheitsgründen die Stromversorgung.

Bodentruppen des russischen Zivilschutzministeriums werden im Überschwemmungsgebiet in der Region Kuban mindestens noch 14 Tage im Einsatz sein. In jeder der betroffenen Siedlungen gibt es eine Einsatztruppe. "Kümmern Sie sich um jede Straße und jedes Haus, und wenn nötig, pumpen Sie das Wasser aus den Kellern, räumen Sie den Schutt weg und leisten Sie praktische Hilfe. Dort leben viele Menschen in vorgerücktem Alter, die selbst nicht mehr dazu in der Lage sind", betonte der russische Zivilschutzminister Wladimir Putschkow.

Er teilte zudem mit, dass an der Beseitigung der Folgen der Flutkatastrophe sämtliche gesellschaftlichen Organisationen und auch viele Freiwillige beteiligt seien, auch Kosaken seien stark engagiert. Fachleute gehen davon aus, dass die Unwetterperiode in der Region fortdauert. Es werden starke Regenfälle mit Hagel erwartet.

Für den Text wurden Materialien RIA Novosti, Kommersant FM, mchs.gov.ru, dem russischen Dienst von BBC, km.ru, NEWSru.co.il, der Nachrichtenagentur Interfax sowie dem russischen Radiosender Russkaja Sluschba Nowostej verwendet.