Auch Präsident Putin würdigte den Schriftsteller nach dessen Tod, obwohl Strugatzki in den letzten Jahren als Unterzeichner von Protestnoten sein nach wie vor enormes Prestige in die Waagschale für Demokratie und Rechtsstaat geworfen hatte. Dieses Prestige gründete sich vor allem auf das Œuvre, das er mit seinem Bruder Arkadi geschaffen hat und mit dem die beiden in der Sowjetunion weit über die Intelligenzija hinaus eine moralische Autorität erlangten, die man sich im Westen kaum vorstellen kann.

Mithilfe spannender Sujets und fantastischer Ideen konnten sie ethische, philosophische und politische Fragen so extrapolieren, dass eine

anschauliche literarische Umsetzung überhaupt erst möglich wurde. Die Verfremdung, um an der Zensur vorbei unliebsame Dinge zu sagen, spielte dabei erst in zweiter Linie eine Rolle, die Strugatzkis waren keine typischen Dissidenten. Darum hat sich die Aktualität ihrer Werke mit dem Ende der UdSSR nicht erledigt: Wie man sich gegenüber einem übermächtigen Anpassungsdruck verhalten, wie in einer hedonistischen Gesellschaft seine inneren Werte bewahren, ob man dem „objektiven" Fortschritt sein Menschsein opfern soll – manches dieser Probleme ist heute akuter als damals, da die Strugatzkis es aufwarfen.

Boris Strugatzki hat diese Linie nach dem Tode seines Bruders 1991 weiterverfolgt, seine beiden allein verfassten Romane sind in der Machart kaum vom gemeinsamen Spätwerk zu unterscheiden, nur die Perspektive hat sich geändert: Während die Handlung in „Die Suche nach der Vorherbestimmung" fast die gesamte sowjetische Nachkriegsgeschichte ins Bild setzt, zeigt „Die Ohnmächtigen" die Enttäuschung über die Entwicklung im neuen Russland, über die bleierne Trägheit der Verhältnisse – aber auch die Entschlossenheit, zu kämpfen, solange die Kraft reicht. Das hat Boris Strugatzki getan.

Erik Simon hat das Werk Strugatzkis übersetzt, lektoriert und herausgegeben.