Gerade in politisch schwierigen Zeiten würde Treffen wie dem Europäischen Alumni-Forum eine besondere Bedeutung zukommen, betonte Matthias Nagel, Vorsitzender des Vereins Go East Generationen, der das Forum organisierte. Auch die Staatssekretärin für Bundesangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommerns, Pirko Kristin Zinnow, sprach sich für die Intensivierung der Kontakte mit Russland aus und verwies auf die enge Kooperation zwischen der Fachhochschule Stralsund und der Sankt Petersburger Staatlichen Elektrotechnischen Universität LETI sowie die regelmäßig in ihrem Bundesland stattfindenden Russlandtage.

Trotz aller politischer Widrigkeiten sei bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ein hoher Stand zu verzeichnen, erklärte auch Wladimir Grinin, Botschafter der Russischen Föderation, und nannte dabei die Laser- und Biotechnologie sowie die Weltraum- und Polarforschung. Im Juni werde das Jahr des Deutsch-Russischen Jugendaustauschs abgeschlossen Daran werde sich das Jahr der Deutsch-Russischen regionalen Zusammenarbeit anschließen. Wladimir Tschetij, Präsident des Weltverbands der Absolventen russischer Hochschulen, informierte über die 19. Weltfestspiele der Jugend und Studenten, die im Oktober in Sotschi stattfinden.

Innovative Themen

In sechs Workshops wurden Themen diskutiert wie „Von Smart City bis Industrie 4.0“, „Telekommunikation in der Gesundheitsversorgung“ oder „Rechtsfragen im digitalen Heute und Morgen“. Jeweils ein deutscher und ein russischer Moderator bereiteten die Arbeitsgruppen vor. Vorträge hochkarätiger Experten leiteten die Diskussion ein und stellten innovative Lösungen vor. So erläuterte der Rechtsexperte Andreas Steininger vom Ostinstitut Wismar den Softwareschutz in Russland, der dem deutschen überlegen sei.

Mehr als 400 Teilnehmer aus Deutschland, Russland und dem europäischen Ausland waren beim diesjährigen Alumni-Forum in Berlin vertreten. /Go East Generationen e.V./ Eugen SchlegelMehr als 400 Teilnehmer aus Deutschland, Russland und dem europäischen Ausland waren beim diesjährigen Alumni-Forum in Berlin vertreten. /Go East Generationen e.V./ Eugen Schlegel

Dass auch kleine Lehreinrichtungen beispielgebend sein können, verdeutlichte László Ungvári, Rektor der Technischen Hochschule Wildau: Etwa 25 Prozent der Studenten seien Ausländer. Es gäbe gemeinsame deutsch-russische Studienprogramme sowie die Möglichkeit von Doppelabschlüssen, die mit ausländischen Hochschulen vereinbart würden. Auch die Kunst kommt nicht ohne moderne Informationstechnik aus. Sie wird beispielsweise bei der Recherche von russischen Kunstverlusten im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialogs eingesetzt.

Hohe Erwartungen an Merkels Moskau-Besuch

Wie steht es um die deutsch-russischen Beziehungen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft? Wie können sie verbessert werden? Diese Fragen diskutierten die Forumsteilnehmer im Plenum mit Experten. Wie Wilfried Bergmann, Stellvertretender Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, einschätzte, seien die wissenschaftlich-technischen Beziehungen schon besser gewesen. Der in den letzten Jahren aufgetretene Vertrauensverlust hätte sich auch in diesem Bereich negativ ausgewirkt. Bedauerlich sei, dass in beiden Ländern immer weniger Schüler die Sprache des Partners erlernen. Das würde langfristig die Kommunikation erheblich erschweren.

Seehofer in Moskau: Ein netter Besuch, mehr aber nicht

Der Politologe und Russlandexperte Alexander Rahr bezeichnete die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern als „katastrophal schlecht“. In Europa sei eine neue Sicherheitsstruktur unter Einbeziehung Russlands erforderlich. Die Idee eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok wie auch eine Zusammenarbeit zwischen der Europäischen und der Eurasischen Wirtschaftsunion müssten vom Westen endlich ernsthaft angegangen werden.

Nach Einschätzung von Sergey Nikitin, Leiter der Deutschland-Repräsentanz der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation, lagen die Investitionen deutscher Unternehmen in Russland im letzten Jahr auf einem Rekordniveau der postsowjetischen Zeit. Auch russische Unternehmer hätten stärkeres Interesse an Investitionen in Deutschland. Leider stünden dem aber oft noch behördliche Hürden entgegen.

Die Experten wie auch die Teilnehmer des Forums äußerten die Hoffnung, dass der für den 2. Mai geplante Moskau-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Fortschritten in den Beziehungen beider Länder und bei der Lösung europäischer Probleme beiträgt. Deutschland müsse eine stärkere Rolle als Vermittler zwischen Ost und West spielen.