RBTH stellt vor: Russlands Persönlichkeiten 2016

2. Januar 2017 Anastassija Rubel
RBTH hat acht Menschen ausgewählt, die das zur Neige gehende Jahr entscheidend geprägt haben. In dieser Liste befinden sich Russen, die uns in diesem Jahr erstaunt oder begeistert haben und die ihre Spuren in unserem Gedächtnis hinterließen.

1. Sergej Roldugin, geheimer Freund des Präsidenten

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Sergej Roldugin ist ein Cellist und Dirigent des Mariinski-Theaters, dessen Name nach der Veröffentlichung der „Panama Papers“ weltweit bekannt wurde. Journalisten hatten herausgefunden, dass auf den Musiker vier Offshore-Firmen registriert sind, über die Geschäfte mit Aktien von Staatsunternehmen abgewickelt wurden.

Roldugin ist ein langjähriger Freund des Präsidenten, der es vorzieht, im Hintergrund zu bleiben. Nach den Enthüllungen im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ trat der Musiker zusammen mit dem Symphonieorchester des Mariinski-Theaters im befreiten Palmyra auf und erhielt anschließend den Alexander-Newskij-Orden für „die Unterstützung humanitärer Missionen im Ausland“ vom russischen Präsidenten.

2. Alexej Uljukajew, Minister unter Hausarrest

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Alexej Uljukajew, der bis Mitte November das Amt des Wirtschaftsministers bekleidet hatte, wurde wegen des Verdachts der Korruption festgenommen – er soll Bestechungsgeld in Höhe von zwei Millionen US-Dollar entgegengenommen haben.

Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass der ehemalige Minister von einem Rosneft-Vertreter Geld für die Zustimmung des Ministeriums zur Übernahme des Konkurrenten Baschneft durch den Konzern verlangt habe.

Unklar ist, ob die Festnahme des Ministers nun ein Teil des Kampfes gegen die Korruption oder den liberalen Flügel der Regierung ist. Eines steht jedoch fest: Uljukajew ist der bedeutendste Verhaftete in der jüngeren Geschichte Russlands.

3. Ella Pamfilowa – Wahlen mit menschlichem Antlitz

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Ella Pamfilowa wurde im März 2016 zur Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission ernannt und rückte somit an die Stelle von Wladimir Tschurow. Während ihr Vorgänger mit unsauberen Wahlen in Verbindung gebracht wurde, ist die Reputation von Pamfilowa nahezu unbefleckt.

Im September wurden die Wahlen zur Staatsduma abgehalten – die ersten für Pamfilowa in ihrem neuen Amt. Aber auch nach den Wahlen ist sie nicht etwa zur Untätigkeit verdammt: Die Zentrale Wahlkommission beschäftigt sich mit der Auswertung von Verstößen beim Urnengang und kümmert sich um die Verbesserung der Wahlgesetzgebung.

Journalisten berichten, dass Pamfilowa in der Regel Telefonanrufe persönlich beantwortet und zu Fragen Stellung bezieht, was im russischen politischen Establishment äußerst selten vorkommt.

4. Telefonstreiche von Wowan und Lexus als alternative Außenpolitik

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Wladimir Kusnetzow und Alexej Soljarow sind besser unter ihren Pseudonymen Wowan und Lexus bekannt. Zu einem gewissen Ruhm gelangten sie dank ihrer Telefonstreiche, deren Opfer meist Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind. Zum Beispiel riefen Wowan und Lexus Elton John an, stellten sich als Wladimir Putin vor und wollten sich mit dem Sänger über die Rechte der LGBT-Gemeinschaft in Russland unterhalten. Weitere Opfer der beiden waren der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko.

Die beiden Spaßvögel bezeichnen ihre Telefonanrufe als „journalistische Telefonstreiche“ und erklären, dass sie auf diese Weise an exklusive Informationen heranzukommen versuchen. 

5. Julia Jefimowa – Olympiateilnehmerin wider aller Erwartung

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Julia Jefimowa hat Russland im Schwimmen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vertreten. Die Sportlerin erklagte ihre Teilnahme an den Spielen beim Internationalen Sportgerichtshof CAS, da der Internationale Schwimmverband sie aufgrund eines zwei Jahre zurückliegenden Dopingvergehens gesperrt hatte.

Das Gericht entschied am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele zu ihren Gunsten. Ihr Start wurde von lauten Pfiffen von der Zuschauertribüne und bissigen Bemerkungen seitens ihrer Konkurrentinnen begleitet. Dennoch vermochte Jefimowa zwei Silbermedaillen zu erringen – beim 100- und 200-Meter-Brustschwimmen.

6. Ildar Dadin – die Stimme der Gefangenen

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Ildar Dadin war die erste Person in Russland, die wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten Protestaktion verurteilt wurde. Aber weithin bekannt wurde Dadin erst nach der Veröffentlichung seines Briefes, in dem er die Folterung von Gefangenen im karelischen Straflager beschrieb. In dem Brief beschuldigt Dadin die Angestellten der Vollzugsanstalt der Verletzung der Menschenrechte von Inhaftierten.

Dadins Brief rief in Russland eine öffentliche Diskussion über Folterpraktiken in Gefängnissen hervor. In jenem Straflager, in dem er einsitzt, wurde letztlich eine Überprüfung durchgeführt. Die russischen Medien veröffentlichten zudem die Geschichten anderer Gefangener.

7. „Russische Hacker“, die besten in der Welt?

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2016 wurde der Begriff der „russischen Hacker“ zum Synonym für Machtausübung über das Internet. Es waren nämlich russische Hacker, denen westliche Politik und Medien die größten Cyberattacken anlasteten – die Veröffentlichung von E-Mails der Demokratischen Partei in den USA und der Angriff auf das elektronische Kontrollsystem der Anti-Doping-Agentur Wada. Im ersten Fall wurde kompromittierender Schriftverkehr zwischen Mitgliedern des Stabes der Demokraten veröffentlicht. Im zweiten Fall wurde bekannt, dass die Wada Sportlern aus den USA die Einnahme verbotener Substanzen gestattet hatte.

Unlängst wurden russische Hacker auch für ein Datenleck des deutschen Nachrichtendienstes verantwortlich gemacht. Dieser Verdacht bestätigte sich jedoch nicht

8. Bella Dewjatkina, das jüngste Sprachgenie

Foto: Rossija 1Foto: Rossija 1

Die vierjährige Bella Dewjatkina beeindruckte das ganze Land mit ihrem Sprachtalent. Sie beherrscht sechs Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Chinesisch und Arabisch. Ihre Fähigkeiten demonstrierte das kleine Mädchen in der Fernsehshow Udiwitelnyje ljudi („Beeindruckende Menschen“). Das Video ihres Auftritts, in dem sie in verschiedenen Sprachen Lieder singt, liest und über sich erzählt, verbreitete sich rasend schnell im Internet. Bellas Mama ist Sprachwissenschaftlerin und Englischlehrerin. Sie spricht mit ihrer Tochter seit der Geburt gezielt Russisch und Englisch.

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