Politik, Sport und Kultur: Das sind Russlands erfolgreichste Frauen

8. März 2017 Oleg Jegorow
Ob Staatsführung oder Modedesign, diesen Russinnen macht in ihrer Domäne keiner was vor. Zum internationalen Tag der Frauen am 8. März stellt RBTH Russlands acht erfolgreichste Damen vor.

Walentina Matwijenko, Präsidentin des Föderationsrats

/  Ramil Sitdikov/RIA Novosti/ Ramil Sitdikov/RIA Novosti

Die Vorsitzende des russischen Oberhauses ist nach dem Staatspräsidenten und dem Ministerpräsidenten die dritte Person im Staate. Bis zu ihrer Ernennung zur Ratspräsidentin hatte Walentina Matwijenko bereits einen langen Weg zurückgelegt: In den Siebziger- und Achtzigerjahren war sie in der Kommunistischen Partei des Leningrader Bezirks tätig; nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Matwijenko als Botschafterin nach Malta und Griechenland entsandt; in den 2000er-Jahren kehrte sie als Gouverneurin nach Sankt Petersburg zurück; aus diesem Amt wechselte sie 2011 in den Föderationsrat.

Walentina Matwijenko unterstützt die Politik Wladimir Putins. Sie kritisiert die westlichen Sanktionen – sie sprach sich gar dafür aus, die Mitgliedschaft der Russischen Föderation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats auszusetzen – und tritt für eine Ausweitung der Kompetenzen der russischen Regionen ein.

Matwjenko spricht sich häufig für die Stärkung der Frauenrolle in der Politik aus: Jüngst scherzte sie, die Männer hätten mit ihrer brutalen Art beim Regieren der Welt versagt.

Jelena Issinbajewa, zweifache Olympiameisterin im Stabhochsprung

/  Grigoriy Sisoev/RIA Novosti/ Grigoriy Sisoev/RIA Novosti

Russlands berühmteste Leichtathletin hat 28 Weltrekorde aufgestellt. Doch im vergangenen Jahr ging ihre Karriere auf traurige Weise zu Ende: Der Leichtathletik-Weltverband hat Issinbajewa wie auch ihren russischen Kolleginnen für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gesperrt. Grund dafür war der Doping-Skandal – obwohl Issinbajewa kein Doping nachgewiesen wurde.

„Man hat es mir verwehrt, den Sport auf schöne Weise zu verlassen“, sagte sie. Doch die Leichtathletin legt die Hände nicht in den Schoß. Im August letzten Jahres wurde sie in die Sportlerkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) berufen. Sie werde dort dafür sorgen, dass Russland keine Ungerechtigkeit widerfahre, versprach Issinbajewa. Zudem ist die Sportlerin Mitglied im Russischen Olympischen Komitee und im Aufsichtsrat der russischen Anti-Doping-Agentur. Halb im Scherz, halb im Ernst sagte sie einst, dass sie ihre Teilnahme an Olympia 2020 in Tokio nicht ausschließe.

Selfira Tregulowa, Direktorin der Tretjakow-Galerie

 /  Sergey Pyatakov/RIA Novosti / Sergey Pyatakov/RIA Novosti

Selfira Tregulowa ist eine der renommiertesten Kunstexpertinnen Russlands. Bevor sie die Leitung der Tretjakow-Galerie übernahm, war sie in den beiden größten russischen Museen, Rosiso und dem Museum des Moskauer Kremls, tätig. Zuvor war sie als Kuratorin für russische Kunstausstellungen in Deutschland, Italien und den USA verantwortlich.

Unter ihrer Leitung ist die Tretjakow-Galerie deutlich populärer geworden. Deren Ausstellungen wurden erstmals seit langer Zeit zu echten Kulturevents. Allein die Ausstellung Walentin Serows besuchten täglich bis zu 4 800 Menschen und die Tickets für die Exposition von Kunstschätzen aus dem Vatikan waren innerhalb von 15 Minuten ausverkauft. Der neuen Direktorin sei es zu verdanken, dass „die Tretjakow-Galerie endlich eine wahre Renaissance erlebt“, sagt die Fachwelt.

Elwira Nabiullina, Vorsitzende der russischen Zentralbank

/ Artyom Korotayev/TASS/ Artyom Korotayev/TASS

Die ehemalige Wirtschaftsministerin kam 2013 zur russischen Zentralbank, am Vortag einer schweren Krise: Damals sprang die Inflation von sechs auf elf Prozent. Nabiullina reagierte entschlossen und leitete eine restriktive Geldpolitik ein. Der Leitzins wurde angehoben, über 300 russische Banken wurden geschlossen. Nabiullinas Maßnahmen und die Stabilisierung der Ölpreise haben die Talfahrt des Rubels gestoppt. 2016 betrug die Inflation in Russland 5,4 Prozent – der niedrigste Wert in der russischen Geschichte.

Für 2017 erwartet die Notenbankchefin, dass die russische Wirtschaft wieder wächst. Auch wenn einige Analysten den Rubel für eine gefährlich überbewertete Währung halten, hat die Finanzzeitschrift „Global Finance“ Nabiullina 2016 zu den achtbesten Notenbankchefs der Welt gekürt.

Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums

/  Anton Denisov/RIA Novosti/ Anton Denisov/RIA Novosti

Die Diplomatin und Sinologin ist die erste Frau, die das Informations- und Pressedepartements des russischen Außenministeriums leitet. Sacharowa ist eine der zentralen öffentlichen Figuren der russischen Diplomatie. In wöchentlichen Briefings erklärt sie Moskaus Position in auswärtigen Angelegenheiten und spricht mit der Presse.

Noch bevor sie zur offiziellen Ministeriumssprecherin ernannt wurde, hatte sie sich für einen lebhafteren und weniger formellen Umgang des Außenamts mit der Öffentlichkeit eingesetzt. Außer in den Briefings kommuniziert Sacharowa auch über Facebook, wo sie sich oftmals bissig und ironisch über Russlands Kritiker äußert.

Überhaupt hat die Außenamtssprecherin mit dem Image eines Sowjetdiplomaten alter Schule – zurückhaltend und verschlossen – wenig gemein. Sacharowa tanzt schon mal einen russischen Volkstanz auf dem Asean-Gipfel, dem Treffen des Verbands der südostasiatischen Nationen, oder schlägt beim Eurovision Song Contest kurzerhand vor, ein Lied über Baschar al-Assad zu singen.

Tschulpan Chamatowa, Schauspielerin und Vorsitzende einer Wohltätigkeitsstiftung

/  Evgenya Novozhenina/ Evgenya Novozhenina

Als „YouGov“ bei einer Umfrage im Mai 2016 die Russen befragte, wen sie am meisten bewundern, landete Tschulpan Chamatowa bei den Frauen auf Platz zwei – noch beliebter ist nur Angelina Jolie.

In ihrer 20-jährigen Karriere hat Chamatowa in über 50 Filmen und Serien mitgespielt, monatlich tritt sie, wie sie selbst sagt, in über 20 Theateraufführungen auf. Bei den Russen ist sie aber nicht nur wegen ihres schauspielerischen Talents beliebt.

2006 gründete Chamatowa gemeinsam mit ihrer Schauspielkollegin Dina Korsun die Charity-Organisation „Podari schisn“ („Schenke ein Leben“). Es begann mit einem einzigen Wohltätigkeitskonzert, das für die technische Ausstattung einer Kinder-Krebsklinik 200 000 US-Dollar einsammelte. Danach beschlossen die beiden Schauspielerinnen, die Wohltätigkeit professionell anzugehen. Ihre so gegründete gemeinsame Stiftung hat in den vergangenen zehn Jahren über 30 000 schwererkrankten Kindern geholfen. „Ich folge Ärzten und Menschen, denen ich glaube“, sagt Achmatowa über ihre Tätigkeit in der Stiftung.

Diana Wischnjowa, Primaballerina des Mariinski-Theater

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„Das Leben außerhalb des Theaters ersetze ich häufig durch Proben“ – so beschreibt Diana Wischnjowa ihre Arbeit im Wesentlichen. Sie gilt als eine der fleißigsten Tänzerinnen der Welt. In einem Interview sagte sie, bis zu sechs Stunden täglich zu arbeiten – die meisten ihrer Kolleginnen verbringen gerade einmal ein bis zwei Stunden mit Proben.

Ihre unvorstellbare Hartnäckigkeit gepaart mit Talent hat Wischnjowa den Ruhm einer der weltbesten Ballerinen eingebracht. Sie tritt auf den renommiertesten Bühnen auf, von Teatro alla Scala in Mailand bis zum Royal Opera House in London. Wischnjowa hat keine Angst vor dem Neuen: Sie tanzt klassische ebenso wie moderne Choreografie, und häufig stellt sie eigene experimentelle Projekte vor. Seit 2013 veranstaltet sie ihr eigenes Festival, das „Context. Diana Wischnjowa“, auf dem sie regelmäßig junge Talente aus Russland und dem Ausland vorstellt. Auch nach ihrer 20-jährigen Karriere ist Wischnjowa heute eine der wichtigsten russischen Ballerinen.

Uljana Sergejenko, Modedesignerin

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Russische Modeschöpfer lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Die einen orientieren sich an der russischen Kundschaft und sind im Ausland wenig bekannt. Die anderen hingegen kreieren im Ausland ein Bild von Russland, zu Hause aber sind sie kaum jemandem ein Begriff. Dazu zählt auch Uljana Sergejenko. 2013 gründete sie ihr gleichnamiges Label. Doch ihre Outfits sind eher auf der Modewoche in Paris anzutreffen als auf einem Catwalk in Russland.

Dennoch ist Sergejenko überzeugt: „Wir sind ganz sicher ein russisches Label, auch wenn Paris die Plattform für unsere Vorführungen ist.“ Bei ihren Kollektionen suche sie in der russischen Kultur nach Inspirationen – und bei Frauen aus Sowjetzeiten, die ganz ohne Modehäuser und Designer ihre Kleider aus dem Stoff nähten, der gerade vorhanden war. Sicher: Die Mode mit dem Label Ulyana Sergeenko ist etwas teurer – getragen wird sie von Lady Gaga, Rihanna und Beyoncé. Doch ihre Wurzeln liegen in Russland.

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