St. Patrick’s Day: Russland hat einen neuen Kirchentag

Die russisch-orthodoxe Kirche hat den St. Patrick’s Day offiziell in ihren Kalender aufgenommen. Besser spät als nie, könnten manche meinen, denn in Russland wird der Tag schon längst gefeiert.
St. Patrick's Day in Moscow
Ein Teilnehmer einer Parade am St. Patrick’s Day im Moskauer Gorki Park, bekleidet in Grün - nach dem Vorbild des gefeierten Heiligen. Quelle:Zurab Dzhavakhadze/TASS

Die russisch-orthodoxe Kirche hat den irischen Heiligen Patrick anerkannt und will den Tag künftig offiziell feiern. Allerdings nicht gemeinsam mit dem Rest der Welt: Während katholische und anglikanische Kirchen den St. Patrick’s Day am 17. März begehen, wird er in Russland erst am 30. März stattfinden – nach dem julianischen Kalender, an dem die russisch-orthodoxe  Kirche nach wie vor festhält, ist das der 17. März.

Nach der Jungfrau Genoveva von Paris, dem Märtyrer Alban von England, dem ehrwürdigen Vinzenz von Lérins und anderen Heiligen konnte nun also auch der heilige Patrick die strengen Kriterien der russisch-orthodoxen Kirche erfüllen. Am wichtigsten ist dabei das Kriterium der Heiligsprechung bis zur Spaltung der Kirche im Jahr 1054.

Außerdem müssen die Heiligen auch in den russisch-orthodoxen Episkopaten im Ausland anerkannt sein. Ihre Namen dürfen zudem nicht in den Streitschriften bezüglich der Spaltung der Kirche vorkommen, und – last but not least – mussten die Heiligen den orthodoxen Glauben makellos ausgeübt haben.

„Patrick ist einer von uns“

Die Fassade des "Rossija"-Theaters in Moskau wird am St. Patrick’s Day grün illuminiert. / Evgeny Biyatov/RIA NovostiDie Fassade des "Rossija"-Theaters in Moskau wird am St. Patrick’s Day grün illuminiert. / Evgeny Biyatov/RIA Novosti

Von all den Gedenktagen auf dieser Liste ist der St. Patrick’s Day der bekannteste. Weltweit werden an diesem Tag Sehenswürdigkeiten in grünes Licht getaucht – von der Christus-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro bis zum Opernhaus in Sydney. Gefeiert wird mit Paraden, Musikfestivals und keltischen Tänzen, einige Staatschefs besuchen an diesem Tag eigens irische Pubs.

Auch Russland bildete da keine Ausnahme – schon seit den Neunzigern werden am St. Patrick’s Day Festivals veranstaltet. Bislang waren die Feierlichkeiten jedoch nicht von der orthodoxen Kirche abgesegnet. Dieser Tag galt schlicht als Tag der irischen Kultur. Für die russisch-orthodoxe Kirche war der St. Patrick’s Day nicht mehr als ein weiterer Feiertag aus dem Westen, bei dem das Feiern und der Konsum im Vordergrund standen – nichts weiter als Kommerz also.

So wittern einige russische Orthodoxe hinter der offiziellen Einführung des Kirchentags eine Verschwörung der Bierbrauer-Lobby. Doch die meisten freuen sich über den neuen Feiertag: „Ich wusste es schon immer – Patrick ist einer von uns“, war als Reaktion zu hören, oder: „Der heilige Patrick ist in Russland. Jetzt ist es offiziell!“ Weniger begeisterte Gläubige gaben sich geschlagen: „Na schön, St. Patrick’s Day. Solange es nicht Halloween ist.“

Synchronisation der Kirchenkalender

Dabei habe die russisch-orthodoxe Kirche Patrick „eigentlich schon immer“ anerkannt, wie Andrej Kurajew, Erzdiakon und Professor an der Moskauer geistlichen Akademie, betont. Denn zu seiner Zeit sei in Irland dieselbe Religion ausgeübt worden wie heute in Russland. „Die Ansicht der Kirche hat sich in den 90er- und 2000er-Jahren, als sich die Grenzen öffneten, nicht geändert“, sagt Kurajew.

Vor den Zeiten des Internets seien geistliche Vorkämpfer, die in einem Teil der Welt verehrt worden seien, in anderen Teilen völlig unbekannt gewesen. „Was den heiligen Patrick betrifft, so ist das jetzt keine Kanonisierung eines Heiligen aus einem anderen Land, sondern eine Synchronisation der Kirchenkalender“, meint der Geistliche. Warum die Anerkennung erst so spät kam? „Ich glaube, weil die russisch-orthodoxe Gemeinde in Irland erst vor Kurzem aktiv wurde und wir die Zeit brauchten, um uns über den St. Patrick’s Day offiziell zu entscheiden“, meint Kurajew.

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