Umfrage: Russen halten ihren Staat für korrupt

Das Lewada-Zentrum hat die Russen wieder einmal nach ihrer Haltung zu Korruption befragt. Demnach findet fast jeder Bestechung nicht in Ordnung. Doch während immer mehr Befragte Behörden als durchweg korrupt bezeichnen, sehen immer weniger die Verantwortung bei Wladimir Putin.
People surround Alexander Pushkin monument in downtown Moscow, Russia
Teilnehmer einer nicht genehmigten Protestaktion gegen Korruption in der Regierung am Sonntag am Puschkin-Denkmal in Moskau. Quelle:AP

89 Prozent der Russen finden Korruption in staatlichen Behörden und Einrichtungen inakzeptabel. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Lewada-Zentrum durchgeführt hat. Dass die Behörden vollkommen oder weitgehend korrupt sind, glaubt dabei die überwiegende Mehrheit. Die Verantwortung sehen die Befragten sowohl bei der gebenden als auch bei der nehmenden Seite.

Die allgemeine Haltung der Russen gegenüber Korruption sei seit einigen Jahren unverändert, stellt das Lewada-Zentrum fest. „Das Einzige, was uns aufgefallen ist, ist die steigende Anzahl der Menschen, die glauben, dass die Behörden durch und durch korrupt sind“, sagte der Soziologe Denis Wolkow von dem Meinungsforschungsinstitut im Gespräch mit RBTH. „Die staatlichen Sender übertragen zwar große Anti-Korruptions-Kampagnen gegen Gouverneure und zeigen Unmengen von gestohlenem Geld auf dem Tisch. All das beweist aber nur, dass alles faul ist, und weniger, dass ein echter Kampf gegen Korruption geführt wird“, erklärt der Experte die Ergebnisse der Umfrage.

Die meisten geben Putin keine Schuld

In den Fokusgruppen würden sich die Menschen immer noch an den Korruptionsskandal von 2012 erinnern, nach dem der Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow zurücktreten musste. „Im Fernsehen wurde das Ganze als Vergeltung dargestellt. Danach wurde die wichtigste Figur freigelassen. Das hat die Menschen damals sehr enttäuscht“, erinnert sich Wolkow. Diese Entscheidung löste negative Reaktionen aus – 70 Prozent der Bevölkerung war dagegen.

Den Präsidenten Wladimir Putin macht die Gesellschaft in den letzten Jahren jedoch immer weniger für die Korruption im Land verantwortlich. Waren 2013 und 2014 noch fast 40 Prozent der Meinung, dass der Präsident die volle Verantwortung trage, sank diese Zahl in den letzten zwei Jahren auf 25 bis 26 Prozent. „Das hat wohl mit der allgemeinen Stärkung der Legitimität nach dem Beitritt der Krim zu tun. Mit der Korruption hat das zwar eigentlich nichts zu tun, aber wir konnten beobachten, dass Ende 2014 und im ganzen Jahr 2015 die Zustimmung sowohl für Putin als auch für staatliche Organe allgemein zunahm.“

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