Soft-Power-Index: Russlands globaler Einfluss wächst

15. Juni 2016 Oleg Jegorow
Erstmals ist Russland in dem jährlich erscheinenden Soft-Power-Index der britischen Agentur Portland Communications vertreten. Dies habe aber nicht nur mit weichen Faktoren zu tun, kommentiert Politikexperte Fjodor Lukjanow.
Presidents of Russia and United States meet in New York
Auf den ersten drei Plätzen des Soft-Power-Rankings liegen die USA, Großbritannien und Deutschland. Quelle:Mikhail Klimentyev / TASS

Russland gehört zu den 30 einflussreichsten Ländern der Welt. Im aktuellen Soft-Power-Index der britischen Kommunikationsagentur Portland nimmt Russland den 27. Platz ein – es ist erstmals in dem jährlichen Ranking vertreten. Auf den ersten drei Plätzen liegen die USA, Großbritannien und Deutschland. Unter „Soft Power“ – der weichen Macht – wird die politische Einflussnahme allein mittels kultureller und gesellschaftlicher Anziehungskraft verstanden.

Die Stärke der Diplomatie

Das Portland-Ranking berücksichtigt mehrere Kriterien: den Stand der Informationstechnologie, die Kultur, das Geschäftsklima, die Bildung, die Staatsführung und das staatliche Engagement bei der Lösung globaler Probleme. Weltweit durchgeführte Meinungsumfragen fließen ebenfalls in die Bewertung mit ein.

Die höchste Wertung – Platz acht von 30 – erhielt Russland in der Kategorie „Engagement“. Hierbei werden die diplomatischen Erfolge und der Einfluss eines Landes im internationalen Umfeld berücksichtigt. Den Bemühungen Russlands als auch der USA um eine friedliche Lösung des Syrien-Konflikts komme eine Schlüsselrolle zu, heißt es zur Begründung.

Seinen diplomatischen Einfluss habe Russland aber nicht nur durch die Verhandlungen im Syrien-Konflikt, sondern gerade auch durch seinen Militäreinsatz unter Beweis gestellt, meint Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Russia in Global Affairs“. „Russland hat nicht nur seine Kompetenz der Verhandlungsführung demonstriert, sondern auch sein Vermögen, die Situation im Land durch resolutes und entschlossenes Handeln zu verändern“, erklärte Lukjanow im Gespräch mit RBTH. Ein Paradox, wie der Experte hinzufügt: In diesem Fall sei ausgerechnet Russlands Schlagkraft zu einem Instrument der Soft Power geworden.

Politik wichtiger als Kultur

Russlands weitere Stärken seien die große, internationale Reichweite seiner staatlichen Medien sowie seine trotz der Krise in Teilen erhaltene Wirtschaftsgröße, heißt es in dem Bericht. Überdies akzentuieren die britischen Kommunikationsexperten die reichhaltige russische Kultur: „Russlands kulturelle Attraktivität zieht jährlich über 29 Millionen Touristen aus aller Welt an. Ob Geschichte, Kunst oder Literatur – Russlands Kultur wird weitgehend geschätzt und erforscht.“

Gleichwohl betont Fjodor Lukjanow, dass nicht die Kultur, sondern die Politik für die russische Platzierung entscheidend war. „Die Kultur ist sicherlich immer wichtig. Und Russland hat ein sehr mächtiges Kulturarsenal“, erklärt er. „Doch betrachtet man die enorme Veränderung vom letzten zu diesem Jahr, dann waren nicht die kulturellen Werte, sondern konkretes politisches Handeln ausschlaggebend“, resümiert der Experte. 

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