Islamische Mode erobert Moskau

Am 15. Juni fand in Moskau im Rahmen der Moscow Halal Expo das 7. Internationale Modefestival „Islamischer Stil“ statt. Sieben auf islamische Mode spezialisierte russische Designer stellten ihre Kollektionen vor.
Foto: Olga Sokolowa

Es gibt einer Menge Vorurteile gegenüber islamischer Kleidung. Ein Vorurteil ist etwa, dass sie gleichförmig sei, was Schnitt und Farbe angeht. Entgegen diesem Vorurteil zeigten sich die Teilnehmer des Festivals sehr einfallsreich bei der Gestaltung ihrer Kollektionen. Diese fallen durchaus abwechslungsreich aus, ohne jedoch gegen Gebote und Regeln des Islam zu verstoßen. Dafür eignen sich insbesondere Elemente wie lange Röcke, Spitzen oder Schmuck.

Die durchgängigen Prinzipien der präsentierten Kollektionen waren das Farbenspiel und die Verwendung verschiedener Stoffstrukturen. Viele Kollektionen waren deshalb von einem Zusammenspiel von Pastellfarben, kräftigen Mustern und verschiedenste Ornamenten geprägt. Auf den Modeschauen konnte man neben klassischen, bodenlang taillierten Kleidern auch frei geschnittene Exemplare bewundern, die je nach Wunsch durch einen Gürtel in der Farbe des Tuchs ergänzt werden können. Auch wurden Hosen, lang geschnittene Hemden und in den Rockbund gesteckte Blusen präsentiert.

„Ich wollte zeigen, wie man ein und dieselben Sachen kombinieren und sich so ohne großen Aufwand unterschiedlich präsentieren kann", erläuterte Diljara Sadrijewa, eine Teilnehmerin des Festivals. „Ich bin grundsätzlich nicht daran interessiert, Mode zu entwerfen, die nur auf dem Laufsteg schön aussieht. Ich möchte Kleidung für das Leben kreieren. Damit soll eine Muslima oder jede beliebige andere Frau, die sich verhüllt kleiden möchte, trotzdem hübsch aussehen."

Weltweite Verbreitung

Dass die globale Mode zunehmend mehr Elemente der islamischen Tradition und Kultur aufgreifen will, steht heute außer Frage. Die großen internationalen Modehäuser schließen schon lange islamische Stilelemente in ihre Kollektionen ein. Sie verzichten auf tiefe Dekolletés, unverhüllte Schultern, kurze Röcke und knappe Kleider und präferieren einen eher weiten Schnitt.

Ein gesteigertes Interesse an der islamischen Mode ist in den vergangenen Jahren auch in Russland zu beobachten. Allerdings wäre es verfrüht, von einer Etablierung dieser Stilrichtung in der russischen Modeindustrie zu sprechen. „Nur wenige entwerfen islamische Mode auf höchstem Niveau. Vielleicht zwei oder drei Personen", erklärte Russudan Kobjakowa, Designerin und Gründerin des „Labor 13" in einem Gespräch mit Russland HEUTE. „Wenn wir von der eher an der Massenmode orientierten Kategorie sprechen, dann sind es erheblich mehr."

 

Verhüllter „Look" ist angesagt

Die wichtigste Zielgruppe der modernen islamischen Mode in Russland sind nach wie vor Frauen, die die Scharia beachten. Gleichzeitig wollen sie nicht von den weltweiten Modetrends ausgeschlossen werden.

Eine andere, bislang nicht sehr zahlungskräftige, jedoch beständig wachsende Kategorie von Abnehmerinnen muslimischer Designmode sind

Frauen anderer Konfessionen, die ein Faible für verhüllende Kleidung haben. „Ich habe viele Kundinnen, die keine Muslima sind, denen jedoch hübsche, verhüllende Kleidung gefällt", sagt Diljara Sadrijewa. „Die übermäßige Freizügigkeit in der Mode, verbunden mit viel nackter Haut, sind viele Frauen und wahrscheinlich auch Männer mittlerweile leid."

„Die Modedesigner haben die Frauen ausgezogen, bis sie fast nackt waren. Jetzt ist die Zeit gekommen, sie wieder anzukleiden", erklärt Diljara. „In den 80er Jahren, als die Tabulosigkeit ihren Höhepunkt erreichte, war die Frauenmode maximal freizügig. Jetzt erleben wir einen rückläufigen Prozess. Der Körper wird wieder bekleidet – mit Hilfe langer Kleider und Trägerröcke. Designer, denen es gelingt, verhüllende islamische Kleidung mit europäischen Trends zu verbinden, werden immer ins Schwarze treffen."

 

Russische Spielart islamischer Mode

Ungeachtet der zunehmenden Beliebtheit islamischer Mode in Russland, gehen Experten nicht davon aus, dass Frauen, die wie Bewohnerinnen des Nahen Ostens gekleidet sind, schon bald das Straßenbild in Russland prägen werden.

„Wir leben nicht in einem arabischen Land und arabische Kleidung passt überhaupt nicht zu uns. Von jeder östlichen oder arabischen Mode wird sich

die russisch- islamische Kleidung durch ihre Anpassung an den europäischen Stil unterscheiden", glaubt Russudan Kobjakowa. „Die östliche islamische Kleidung ist verhältnismäßig streng, orthodox und national ausgeprägt. Frauen in Russland könnten eine solche Kleidung nirgends tragen."

Die deutlich freiere islamische Kleidung russischer Designer dringt auch auf den europäischen Markt vor. „Im Ausland werden unsere Ideen mit Interesse aufgenommen", sagt Diljara Sadrijewa. „Unsere Modelle verkaufen sich gut im Ausland. Wir bekommen viele Aufträge, sowohl aus Europa als auch aus den arabischen Ländern."

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