Sajany und Baikal: Kult-Cola mit Russen-Flair

Seit der Erfindung der Coke ist der Erfrischungsgetränkemarkt weltweit fest in der Hand US-amerikanischer Getränkekonzerne. Die Sowjetunion wollte dem etwas entgegensetzen und ließ eigene Limonaden auf Kräuterbasis entwickeln, die bis heute nicht nur in Russland Kultstatus haben. RBTH stellt die beiden beliebtesten Getränke vor.
Erfrischungsgetränke aus Sowjetzeiten sind nicht nur in Russland im Trend. Foto: Pressebild
Erfrischungsgetränke aus Sowjetzeiten sind nicht nur in Russland im Trend. Foto: Pressebild

Sajany – ein natürliches Dopingmittel

Hinter dem botanischen Namen Rhaponticum carthamoides versteckt sich die Saflor-Bergscharte. Sie wächst in den Höhenlagen von Russlands Fernem Osten, im Sajangebirge in Südsibirien. Dort leben auch Marale, sibirische Hirsche. Jäger sollen beobachtet haben, dass besonders kranke Marale bevorzugt die Wurzeln der Saflor-Bergscharte fraßen und danach schnell wieder gesund wurden.

Und tatsächlich konnten Pharmakologen die heilende Wirkung der Hirschwurzel, wie die Pflanze im Volksmund genannt wird, nachweisen. Die Saflor-Bergscharte enthält eine Reihe gesundheitsfördernder Wirkstoffe, darunter auch Ecdysteron, eine Substanz, die in ihrer Wirkung stark den anabolischen Steroiden ähnelt, aber keine schädlichen Nebenwirkungen hat. Ecdysteron werden positive Auswirkungen auf die physische Leistungsfähigkeit, das Immunsystem, das Gedächtnis und sogar auf die Qualität von Spermien zugeschrieben.

Was lag also näher, als aus dieser Wunderpflanze ein Getränk zu machen? Lebensmittelchemiker des Moskauer Staatsinstituts für nichtalkoholische Getränke, Bierbraukunst und Weinbau der Akademie der Landwirtschaft brauten aus der Saflor-Bergscharte, Zitronensäure, Zucker und Kohlensäure eine Limonade mit einer herben exotischen Note. Sajany nannten sie ihr patentiertes Produkt, das 1960 auf den Markt kam. Auf dem Etikett der Flasche ist ein Maral vor dem Hintergrund einer Gebirgslandschaft abgebildet. Sajany war zu Sowjetzeiten besonders bei Kindern und Sportlern beliebt. Die sowjetischen Athleten nutzten Sajany als natürliches und erlaubtes Mittel zur Leistungssteigerung und zum Muskelaufbau.

 

Baikal – die Sowjetcola erobert Deutschland

An Sibirien erinnert auch der Name eines weiteren bekannten Erfrischungsgetränks aus Russland: Baikal, natürlich benannt nach dem größten Süßwassersees der Welt. Baikal besteht unter anderem aus Lorbeer, Koriandersamen und Süßholzwurzel und hat einen angenehm bitteren und etwas säuerlichen Geschmack, der an Nadelhölzer erinnert. Farblich ähnelt Baikal der Coke von Coca-Cola.

Angeblich wurde Baikal nur deshalb entwickelt, um Erfrischungsgetränke wie die von Coca-Cola und Pepsi Cola vom sowjetischen Markt zu verdrängen, galten diese doch als Symbole des dekadenten Kapitalismus.

Die Strategie war erfolgreich: Baikal traf den Geschmacksnerv der Russen und hat bis heute einen festen Platz unter den Erfrischungsgetränken. Daran konnten auch die intensiven Werbemaßnahmen der westlichen Getränkehersteller nichts ändern. Baikal gehört ebenso zu Russland wie der Wodka und schmeckt genau wie das russische Nationalgetränk eisgekühlt am besten.

Heute gibt es kein einheitliches Rezept mehr für Baikal. In den Großstädten wie Sankt Petersburg und Moskau ist die Chance, dem ursprünglichen Geschmack zu begegnen, am größten. Aber auch in Deutschland kann man Baikal genießen. Im Jahr 2008 erwarb der Niederländer Joris van Velzen die Originalrezeptur von Professor Lew Oganessjanz, der als Erfinder von Baikal gilt. Velzen hat mehrere Jahre als Fotograf in Moskau gearbeitet und dabei seine Leidenschaft für das Getränk entdeckt. Velzen passte das Rezept dem deutschen Geschmack und deutschen Vorschriften an und brachte das Getränk 2009 unter dem Namen Wostok auf den Markt, und zwar mit großem Erfolg.

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