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Mein Leben in Russland: Tobias Schneider, Deutschlehrer

Von Anna Lewitschewa, Julia Shevelkina

Eigentlich sollte es Käse werden, aber Tobias Schneider (34) erkannte ihn nicht. Er sprach kein Wort Russisch, als er 2013 nach Sankt Petersburg umzog. Dennoch wagte er sich zum Einkauf und brachte ein großes Stück tiefgefrorener Butter mit nach Hause. Gemeinsam mit seiner russischen Frau Katja wollte er sein riesiges Schnäppchen feiern – und bemerkte den Fehler schließlich selbst.

Zwei Jahre zuvor hatte er Katja kennengelernt und pendelte zwischen Deutschland und Russland. Wegen ihr fing er ein neues Leben in Sankt Petersburg an. Nun ist Tobias Deutschlehrer an der Sprachschule DasProekt. In seiner Gruppe lernen ganz unterschiedliche Menschen gemeinsam Deutsch. „Es sind Leute, die in ein anderes Land auswandern wollen, in einer deutschen Firma arbeiten oder in Deutschland studieren möchten“, erzählt er.

Russisch lernt Tobias jetzt auch. Er besucht eine Sprachgruppe in derselben Sprachschule, in der er arbeitet. Noch ist es für ihn eine Herausforderung, jemanden auf der Straße anzusprechen. Auch mit seinen Freunden, die meist aus dem Bekanntenkreis seiner Frau stammen, spricht Tobias Englisch. Und obwohl Russen oft zu schüchtern seien, um eine Fremdsprache im Alltag zu sprechen, habe er schnell ein gemeinsames Thema mit ihnen gefunden. Sein enger Freund Fjodor fiebert für den Sankt Petersburger Fußballclub Zenit, der von Gazprom gesponsert wird. Das erste, was sich Tobias hier in Sankt Petersburg kaufte, war also eine Dauerkarte für die ganze Saison. 

„Fußball ist hier nicht nur ein Spiel, es bestimmt die ganze Atmosphäre in der Stadt“, sagt Tobias. Er feiert jeden Sieg seines Teams in einer Bar in der Nähe des Stadions und geht gerne an einem kleinen Teich gleich daneben spazieren. 

Auch nach Moskau fuhr er zuletzt wegen eines Spiels und begegnete im Zug Fans einer anderen russischen Mannschaft. Auf die Frage, ob er Angst gehabt habe, sagt Tobias, es komme immer darauf, wie man sich benehme. „Fußball in Russland ist nicht gefährlicher, als nachts in Berlin U-Bahn zu fahren“, sagt er und lacht.

 

Mein Leben in Russland: Gabriele Kötschau, Vertretung der Handelskammer Hamburg

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