Anschläge in Ankara und Berlin: Droht weiterer Terror zu Weihnachten?

21. Dezember 2016 Igor Rosin
Russische Politiker und Experten spekulieren über eine Verbindung zwischen den Terroranschlägen in Ankara und Berlin. Insbesondere die Weihnachtszeit sei ein beliebter Anschlagszeitraum für Gruppen wie den IS und Al-Qaida. Zudem wirke sich die veränderte Lage in Syrien auf das Risiko für weitere Anschläge aus.
Christmas market
Das Motiv könnte die veränderte Lage in Syrien sein. Quelle:AFP/East News

Alexei Puschkow, Mitglied des Föderationsrates der Föderalversammlung und ehemaliger Vorsitzender der Staatsduma für internationale Angelegenheiten, behauptet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Mord des russischen Botschafters in der Türkei und dem Vorfall auf dem Berliner Weihnachtsmarkt gebe. „Es ist ein Tag der schrecklichen Nachrichten. Mein Beileid an die Familien der Verstorbenen in Berlin. Der Mord des Botschafters Andrei Karlow in Ankara und der Terroranschlag in der deutschen Hauptstadt haben eine gemeinsame Quelle", schrieb Puschkow auf Twitter.

Dass die Ereignisse in Ankara, Berlin und Zürich zusammenhängen könnten, glauben auch russische Experten. Alexander Ignatenko, Arabist und Vorsitzender des Instituts für Religion und Politik, sieht eine Verbindung zwischen der größeren Aktivität radikaler Islamisten in Syrien und dem deutlichen Verlust von Einfluss jener Länder, die die Krise in Syrien initiiert hätten. „Damit meine ich Saudi-Arabien und Katar“, sagte Ignatenko im Rahmen einer TV-Sendung bei „Vesti.ru“. „Diese Länder betreuen Gruppierungen wie den IS und Al-Qaida, das in Russland verboten ist, und können ihren Anhängern den Befehl geben, Angriffe auszuführen.“

Jüngsten Angaben zufolge hat der IS die Tat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt für sich reklamiert. Die Verbindung zwischen den Ereignissen bezeuge das Verhalten des Mörders in Ankara: „Er hat wie ein Salafist agiert. Er hob seinen Finger in die Luft und schrie „Allahu Akbar““, erklärte Ignatenko. 

Weitere Anschläge in der Weihnachtszeit?

Er machte zudem darauf aufmerksam, dass die Ereignisse vom Montag in der europäischen Weihnachtszeit stattgefunden haben. „Für alle radikalen Islamisten ist das Weihnachtsfest eine Beleidigung ihrer religiösen Gefühle. Neue und unter anderem improvisierte Angriffe sind deshalb zu erwarten“, so seine Vorhersage. 

Derselben Meinung ist auch Orientalist und Soziologe Alexei Grischin. Das Hauptziel sei der Beginn eines religiösen Krieges zwischen Christen und friedlichen Muslimen. „Sollte es ihnen gelingen, einen Konflikt zu provozieren, könnten auch friedliche Muslime auf die Seite der Terroristen und radikalen Islamisten wechseln“, glaubt der Experte. Es sei kein Zufall, dass diese Angriffe in der Zeit der Weihnachtsfeiertage oder vor anderen christlichen Feiertagen stattfinden würden.

Die Geheimdienste vieler Länder sollen zudem vor der möglichen Aktivierung von Terrorzellen in den Winterfeiertagen gewarnt haben. Zuletzt wurden in Russland in gleich mehreren Städten Anhänger terroristischer Organisationen neutralisiert. Diese sollen Anschläge im Vorfeld der Winterfeiertage in Moskau und der Oblast Moskau geplant haben. Im November wurden fünf weitere radikale Islamisten festgenommen, die Terroranschläge in Moskau und Inguschetien planten. 

Der FSB-Vorsitzende Alexander Bortnikow teilte mit, dass alleine im Jahr 2016 in Russland 42 Terrorangriffe vereitelt, fast 900 Extremisten verhaftet und mehr als hundert Kämpfer neutralisiert werden konnten. Die Aktivierung von Terrorzellen im Vorfeld der Winterfeiertage sei für die Geheimdienste eine bereits bekannte Tendenz.

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