Warum der Kreml über Verluste in Syrien schweigt

10. März 2017 Nikolaj Litowkin
Erst durch einen Beitrag im sozialen Netzwerk Vkontakte erfuhr die Öffentlichkeit vom Tod eines russischen Soldaten in Syrien. Warum hat das Verteidigungsministerium den Fall nicht bekannt gemacht?
Syria
Nur durch soziale Medien gelangte ein Fall an die Öffentlichkeit. Quelle:RIA Novosti

Die erste Meldung über den Tod eines russischen Soldaten erschien am 3. März im sozialen Netzwerk Vkontakte. Die Ehefrau des gefallenen 24-jährigen Artjom Gorbunow (auf dem Bild unten) erkundigte sich dort in einer Gruppe der Abteilung ihres Mannes nach der Telefonnummer des Stabchefs der Brigade. So wurden Journalisten auf den Fall aufmerksam.

Auf deren Anfrage bestätigte das russische Verteidigungsministerium noch am Abend, dass der Soldat am Vortag in der Nähe der syrischen Stadt Palmyra gefallen sei. Der junge Mann sei bei einer Patrouille von Kämpfern des „Islamischen Staats“ angegriffen und getötet worden. Warum wurde eine Stellungnahme nicht früher veröffentlicht?

Warum das Verteidigungsministerium schweigt

Die Antwort ist simpel: Das Verteidigungsministerium darf Verluste nicht öffentlich bekannt machen. Im Mai 2015 erließ Präsident Wladimir Putin eine Verordnung, nach welcher Informationen über Verluste der russischen Armee in Friedenszeiten als Staatsgeheimnis gelten. Das Ministerium teilt entsprechende Meldungen dem Präsidenten persönlich mit.

„Parallel dazu wird die Familie des Verstorbenen informiert. So ist es möglich, dass eine Nachricht über den Tod eines Soldaten in den sozialen Netzwerken auftaucht, entweder durch Beiträge oder wie in diesem Fall in der Gruppe der Abteilung des Verstorbenen“, erklärt Wiktor Murachowski, Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal Otetschestwa” („Arsenal der Heimat“), im Gespräch mit RBTH.

Nur nach ausdrücklicher Genehmigung der Familie des Toten darf das Verteidigungsministerium offiziell über den Tod eines Soldaten berichten. Das nehme jedoch eine gewisse Zeit in Anspruch, sagt Murachowski.

Eroberung von Palmyra ist abgeschlossen

Nach mehr als sechs Wochen andauernden Kämpfen befreiten syrische Regierungstruppen mit Unterstützung durch die russische Luftwaffe am 2. März Palmyra von der Terrormiliz „Islamischer Staat“.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums verloren die Terroristen bei den Gefechten mehr als 1 000 Kämpfer sowie mindestens 19 Panzer, 37 Kampffahrzeuge, 98 schwer bewaffnete Pick-ups und mehr als 100 weitere Fahrzeuge.

Die Rolle der russischen Spezialeinheiten soll gewesen sein, Informationen über die Lage der IS-Einheiten an den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim zu übermitteln. Daraufhin seien die Stützpunkte von der russischen Luftwaffe angegriffen worden. Dem Ministerium zufolge wurden Bomber vom Typ Su-24M, Kampfjets vom Typ Su-25CM sowie Ka-52-Kampfhubschrauber eingesetzt.

Die syrische Armee stellte Artillerie im Norden und Süden von Palmyra auf. Von russischen Experten ausgebildete syrische Spezialisten haben begonnen, Wohnbezirke und historische Bezirke frei zu räumen. Nach Abschluss der Arbeiten ist geplant, dass die Stadt unter die Kontrolle des russischen Militärs kommt. Die syrischen Truppen sollen an anderen Fronten kämpfen.  

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