Magadan: Die Stadt am Ende der „Knochenstraße“

28. Dezember 2013 Lewi Bridges, für Russland HEUTE
Der US-Bundesstaat Alaska liegt näher an Magadan als die russische Hauptstadt. Acht Zeitzonen von Moskau entfernt haben die Einwohner Magadans ihr Tagwerk schon fast vollbracht, wenn man in Moskau gerade aufgestanden ist.
Magadan im Nordpazifik ist wie keine andere russische Stadt von Moskau abgeschnitten. Foto: RIA Novosti
Magadan im Nordpazifik ist wie keine andere russische Stadt von Moskau abgeschnitten. Foto: RIA Novosti

Magadan ist eine pulsierende Stadt mit Museen und Hotels an einer beeindruckenden, von Sandstränden unterbrochenen Steilküste. Bären, Elche und das Sibirisches Dickhornschaf leben in der unberührten Bergwelt des Umlands. Touristen können in den endlosen Weiten um Magadan angeln, wandern und Bergsport betreiben. Trotz der himmlischen Ruhe, die von diesem Flecken Erde ausgeht, wird das Image der entlegenen Stadt jedoch noch immer von ihrer unrühmlichen Vergangenheit geprägt.

In der Zeit der „Stalinschen Säuberungen" war Magadan ein Tor zur Kolyma-Region, einem Gebiet mit großen Goldvorkommen, in dem sich die unmenschlichen Arbeitslager des Gulagsystems konzentrierten. Die Gefangenen wurden oft in Zügen durch Russland bis zu dem am Japanischen Meer gelegenen Wladiwostok gebracht und anschließend in Schiffe verfrachtet, die die Küste in nördlicher Richtung zu den Goldminen in der Umgebung von Magadan ansteuerten. Viele von ihnen überlebten die Reise an den Kolyma nicht.

Die Häftlinge, die es bis Magadan und zum Kolyma schafften, durchlebten dort harsche Winter, litten an Mangelernährung und mussten härteste Arbeitsbedingungen in den Lagern des Gulag ertragen. In den Minen am Kolyma wurde zu den Spitzenzeiten fast die Hälfte des weltweit geförderten Goldes abgebaut. Die Zahl der Todesopfer allein in der Kolyma-Region wird auf mindestens eine Million Menschen geschätzt. Die einzige Straße nach Magadan ist die Fernstraße M 504 Kolyma, wegen der vielen Tausend Gulag-Häftlinge, die während ihres Baus ihr Leben ließen, auch Knochenstraße genannt. Die nächste Stadt vergleichbarer Größe, Jakutsk, eine der weltweit kältesten Städte, liegt 2.200 Kilometer von Magadan entfernt im Landesinneren ebenfalls an der Knochenstraße.

Heute ist der Gulag Geschichte, Magadan hat sich in eine friedliche Küstenstadt verwandelt. Magadan-Reisenden, die die umliegende Natur erleben wollen, empfiehlt es sich, nach der Besichtigung des Denkmals für die Opfer der Stalinschen Repressionen Zeit für einen Strandspaziergang einzuplanen. Magadan erstreckt sich an der bogenförmigen Nagajew-Bucht vor der ins Meer ragenden Halbinsel Starizki. Am Strand gibt es einige unerschlossene Wege, die sich für Wanderungen eignen.

Im Museum für regionale Geschichte von Magadan kann man sich mit der Flora und Fauna der Region und seinen Einwohnern vertraut machen oder

Anreise

 

Die russischen Fluggesellschaften Aeroflot und S7 fliegen Magadan von den meisten großen russischen Städten an.

Flüge im Rahmen einer Rundreise von Moskau und Wladiwostok aus liegen bei durchschnittlich etwa 300-500 Euro.

Von Peking oder Seoul aus muss man mit 650-880 Euro rechnen.

auch Kunstausstellungen besuchen. Das Staatliche Musik- und Dramentheater wurde zu sowjetischen Zeiten gegründet, als es noch Arbeitslager gab. Heute ist es ein Zentrum für Vorstellungen aus der Region. Magadans neu errichtete Dreifaltigkeitskathedrale mit einem beeindruckenden Ensemble von Zwiebeltürmen gilt als eine der schönsten russisch-orthodoxen Kirchen in Russlands Fernem Osten.

Touristen kommen in der Regel zum Angeln, aus historischem Interesse an der Geschichte des Gulag oder nach einer langen Überlandreise entlang der Knochenstraße nach Magadan. Aber auch eine wenige Tage dauernde Reise dorthin bietet die Gelegenheit, alle diese Facetten der Region kennenzulernen.

Foto: Alamy/Legion Media

Die Fischerei ist einer der bedeutendsten Industriezweige von Magadan. Einen Angelturn auf hoher See zu besuchen oder eine Tour zum Fliegenfischen auf Lachs und Saibling an den Flüssen Jama oder Ola zu

organisieren, ist sehr unkompliziert. Hervorragende Angelmöglichkeiten bieten auch die zahlreichen Gebirgsseen im nördlichen Fernen Osten. Angelexkursionen werden in einer Bandbreite, die von kurzen Tagesausflügen bis zu mehrwöchigen Camping-Expeditionen reicht, angeboten.

Auch einige Vogelarten wie Gelbschopflund und Hornlund sind in der Umgebung von Magadan anzutreffen, vor allem an der Küste. Viele vogel- und naturkundliche Exkursionen beginnen und enden in Magadan. Im Winter bieten einige Veranstalter Skireisen in die Berge und in die Tundra an.

Wer nach Magadan gekommen ist, um Gulag-Lager zu besichtigen, erreicht das Dneprowski-Lager nach einer halbtägigen Fahrt über die Knochenstraße. Die dort Gefangenen arbeiteten in einer Zinngrube. Die Wachtürme und einige Originalgebäude des Lagers sind bis heute erhalten. Ein anderes sehenswertes Ziel auf einer Reise durch Kolymas Vergangenheit ist das Sonderlager Butugytschag, ein ehemaliges Uranbergwerk.

Foto: Alamy/Legion Media

Auch einige Motorradfahrer, die sich anscheinend auf einer Weltreise befinden, erreichen jährlich Magadan, die einsame Stadt im nordöstlichen Asien, wo die Knochenstraße im Meer endet. Der Winter eignet sich besonders für die Anreise über die R504. Im Sommer schmilzt der Permafrost und lässt die Fernstraße in einem Schlamm versinken, der eine Auto- oder Motorradfahrt zunehmend beschwerlich macht.

Die Knochenstraße führt durch einige der kältesten und abgeschiedensten Gegenden der Welt. Sie stellt eines der letzten wirklichen Abenteuer dar. Die letzten 500 Kilometer bieten Attraktionen, die Magadan-Reisende jedoch auch von der Stadt aus erreichen können.

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