72 Stunden in Kaliningrad

11. Oktober 2015 Maria Stambler
Drei Tage reichen kaum aus, um alles Sehenswerte in der russischen Exklave zu erleben. Dieser kleine Guide versucht dennoch, für ein kompaktes und eindrucksvolles Stadterlebnis sorgen.
kaliningrad_468
Die westlichste Stadt Russlands ist absolut sehenswert. Quelle:TASS/Ruslan Schamukow

Kaliningrad, früher Königsberg, ist mit einer Entfernung von 1 263 Kilometern von Moskau die westlichste Stadt Russlands. Von seiner Fläche her zwar eher klein, ist Kaliningrad samt umliegenden Gebieten jedoch ein Ort von herausragender historischer Bedeutung. Hier lebte und wirkte der Philosoph Immanuel Kant und schrieb seine „Kritik der reinen Vernunft“. Einst gehörte die Stadt zu Preußen, später zu Polen und Deutschland, um anschließend von der Sowjetunion und Russland einverleibt zu werden. Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Epochen ist vor allem in der Architektur spürbar. So gelangt man bei einem Spaziergang zunächst in eine mittelalterliche deutsche Stadt, um sich fünf Minuten später auf einem typisch sowjetischen Platz wiederzufinden.

Foto: TASS/Ruslan Schamukow

1. Geradeaus der Königsberger Dom: Dieses Bauwerk der Backsteingotik auf der Kant-Insel (früher Kneiphof) am Pregel-Fluss (Pregolja) ist der Heiligen Maria von Nazareth und dem Heiligen Adalbert von Prag geweiht. Der wiederhergestellte Dom beherbergt heute zwei Kapellen, eine evangelisch-lutherischeund eine russisch-orthodoxe, sowie ein beachtenswertes Museum. Hier befindet sich auch das Grab von Kant, eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt.

2. Wenige Schritte entfernt liegt das sogenannte Fischerdorf, eine Neubausiedlung, die der deutschen Architektur des 17. Jahrhunderts nachempfunden ist. Dabei handelt es sich um stilisierte Neubauten, doch wie der Name verrät, gab es an dieser Stelle in früheren Zeiten tatsächlich ein Fischerdorf. Sollte es Sie an einem sonnigen Sommertag hierher verschlagen, raten wir Ihnen zu einer Bootsfahrt auf der Pregel. Und bevor Sie anschließend in einem der hiesigen sehr preisgünstigen Restaurants speisen, empfehlen wir Ihnen, auf die Aussichtsplattform des Leuchtturms zu steigen.

Foto: Ruslan Schamukow

3. Die Stadt ist außerdem bekannt für ihre schönen Stadttore. Da es zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, alle Tore an einem Tag zu Fuß zu besuchen, empfehlen wir, ein Fahrrad auszuleihen, um die drei wichtigsten zu sehen: das Königstor, das Friedrichsburger Tor und das Friedländer Tor. Im letzten befindet sich heute ein Museum.

Foto: Alamy/Legion-Media

4. Kaliningrad ist auch für seine zahlreichen Parks berühmt. Bei gutem Wetter sind vor allem der Botanische Garten, der 1904 von dem Wissenschaftler Paul Keber angelegt wurde, der Königsberger Zoo sowie der Südpark (Russisch: Park für Kultur und Erholung) eines Besuches wert. Letzterer zeichnet sich sowohl durch Spielplätze als auch durch Gartencafés und Musikevents aus.

5. Sollte der Tag kühl oder verregnet sein, raten wir Ihnen, Unterschlupf in einem der zahlreichen Königsberger Museen zu finden. Da einem beim Wort „Baltikum“ stets Bernstein einfällt, ist das einzige Bernsteinmuseum in Russland eines der meistbesuchten Museen in der Stadt. Neben seiner beeindruckenden Sammlung ist sein Gebäude von großem Interesse, da das Museum in einem Festungsturm, der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, untergebracht ist. Es ist ein idealer Ort, an dem man schöne Souvenirs für Familie und Freunde finden kann. Weitere wichtige Museen sind das U-Bootmuseum B-413, das Ozeanmuseum und die Kaliningrader Gemäldegalerie.

Foto: TASS/Ruslan Schamukow

6. Nach dem vielen Laufen kommt der Hunger wie von selbst. Wir empfehlen Ihnen, in unserem Restaurantführer nachzulesen, um wie ein Kaiser in Königsberg zu dinieren.

7. Keine Reise ins einstige Königsberg ist vollständig, ohne dass man den 46 Kilometer langen russischen Teil der Kurischen Nehrung besucht hat. Es ist ein einzigartiger Biotop. Wie Sie Ihren Besuch gestalten wollen, steht Ihnen frei. Manche Touristen ziehen es vor, eine Busfahrt mit einer ortsansässigen Reisegesellschaft zu unternehmen und so die bekanntesten Ecken kennenzulernen. Andere wiederum mieten sich lieber ein Auto, um Ballungsorte des Massentourismus zu meiden.

8. Wollen Sie ein Auto mieten, empfiehlt sich eine Sonnenuntergangstour nach Baltijsk (früher Pillau), eine Stunde Fahrzeit westlich von Kaliningrad gelegen, um „Hallo“ zu Polen zu sagen. Es ist Russlands westlichste Stadt und Stützpunkt der Baltischen Flotte.

9. Nach zwei Tagen aktiven Stadtbesuchs raten wir sehr dazu, die Strände und Erholungsressorts in der Umgebung zu besuchen, da die nördliche Sonne im Sommer sehr intensiv sein kann. Die bekanntesten Badeorte sind Selenogradsk (früher Cranz), Pionerski (früher Neukuren) und Swetlogorsk (früher Rauschen), alle drei weniger als eine Stunde Fahrzeit von Königsberg entfernt. Wenngleich das Ostseewasser niemals Mittelmeertemperaturen erreicht, lockt es an heißen Sommertagen doch mit seiner Frische. Sollten Sie Ihre Reise außerhalb der Badesaison unternehmen, ist ein Ausflug hierher wiederum eines schönes Spaziergangs und eines entspannten Tages wert.

Foto: Shutterstock/Legion-Media

10. Erstklassige Surfschulen, eine gut entwickelte Infrastruktur, Sandstrände und ordentliche Anlegestellen machen diese Orte zu einem großartigen Surferlebnis.

Alle Rechte vorbehalten
+
Folgen Sie uns auf Facebook