Der Baikalsee: Eine frostige Reise nach Sibirien

5. November 2016 Anna Grusdewa
Fantastische Höhlen am Ufer des Sees und spinnennetzartige Geflechte aus Eisbrüchen, Ausflüge mit dem Jeep und auf Schlittschuhen, Eisfischen und friedliche Stille – das sind nur wenige der Highlights, für die sich eine Reise an den zugefrorenen Baikalsee lohnt.
If all the rivers on Earth were to flow into Baikal, it would take a year to fill it
In den Wintermonaten lädt der See zu Wanderungen über das Eis ein. Quelle:Lori/Legion-Media

Der Winter ist die wohl schönste Zeit für eine Begegnung mit dem „heiligen“ Baikal. Besonders eignen sich die Monate Februar und März, wenn der See mit einer dicken Eisschicht bedeckt ist und man in der trockenen Kälte das sanfte Licht der Sonne und die Stille ungestört genießen kann.

Wunderwerk Eis

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Tiefblau, mit vielen kristallblau oder blendend weiß schillernden Luftblasen: Das Eis des Baikalsees, welche Farbe es auch hat, ist immer ungewöhnlich durchsichtig und klar. Von Ende Januar bis Ende April ist es die größte Naturattraktion des Gebietes Irkutsk. Das bis zu 1,5 Meter dicke Eis des Baikalsees ist nicht überall eine ebenmäßige Fläche. Es gibt hier auch gewaltige, bis zu zwölf Meter hohe und an Bergkristalle erinnernde Eistürme, bizarre Eisformationen auf Klippen und Steinen sowie zwischen zehn und 30 Kilometer lange und zwei bis drei Meter breite Spalten, deren Bildung von einem scharfen und durchdringenden Geräusch begleitet wird. Der winterliche Baikalsee weckt Fantasien über ein prähistorisches, schlafendes Tier, das in bestimmten Abständen atmet und Töne von sich gibt. Man kann es zähmen, sollte dabei aber sehr vorsichtig sein. 

Eisstraßen

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich auf dem winterlichen Baikalsee fortzubewegen. Zu den beliebtesten zählt das Auto. Das ist zum einen bequem und warm und zum anderen ermöglicht es, auch entlegene Ecken des Sees anzusteuern und die zugefrorenen Felsklippen oder fantastischen Eishöhlen auf sich wirken zu lassen.

Einheimische und erfahrene Reisende raten Autofahrern ohne gute Ortskenntnis davon ab, das Eis auf eigene Faust zu überqueren. Auf der Irkutsker Seite des Sees hat die örtliche Abteilung des Katastrophenschutzministeriums offiziell nur einen Weg geöffnet: die Verbindung zur Insel Olchon. Die anderen Strecken über den See werden wegen der Eisbrüche und Spalten bereits als gefährlich eingestuft. Der zuverlässigste und sicherste Weg führt daher zu einem Reiseveranstalter, der entweder Exkursionen und Touren, einschließlich Angeln, Hundeschlittenfahren und Banja, oder ein Auto mit ortskundigem Fahrer und Reiseleiter anbietet. Besonders lohnenswerte Ausflugsziele sind die Insel Olchon sowie das sogenannte Kleine Meer und seine Ufergebiete.

Der Baikal im Winter ist außerdem eine von der Natur geschaffene Eislaufbahn. Ideale Möglichkeiten zum Schlittschuhlaufen und für Wintersport – Quad, Ski, Eisangeln – bietet der Ort Listwjanka, wo das Eis in der gesamten Uferregion freigeräumt wird. Auch einige Hotels in Irkutsk haben in ihrem Uferbereich Eislaufflächen für ihre Gäste geschaffen. Wer das selbstständige Reisen unter Extrembedingungen sucht, macht sich zu Fuß auf den Weg, den Baikalsee zu umrunden. Eine solche Wanderung erfordert professionelle Vorbereitung, Erfahrung und Mut, verspricht aber, ein unvergessliches sibirisches Abenteuer zu werden.

Der Baikal auf dem Monitor

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Wenn Sie in diesem Winter den legendären, unter seiner Eisschicht schlafenden See nicht vor Ort erkunden können, sind Sie eingeladen zu einer virtuellen Reise: „Der Baikalsee im Winter“. Diese Tour umfasst 23 Kugelpanoramen in hoher Auflösung, die aus der Vogelperspektive für AirPano, ein nichtkommerzielles, von der Russischen Geografischen Gesellschaft unterstütztes Projekt russischer Fotografen, aufgenommen wurden. Zu sehen sind beeindruckende Luftaufnahmen der Kaps Choboi und Budun auf der Insel Olchon, der Meeresenge des Olchonski-Tores, der Insel Ogoj mit einem buddhistischen Stupa, Impressionen eines Sonnenuntergangs am Baikalsee im Dorf Bolschije Koty und eines Netzes aus Eisbrüchen.

Anfahrt und Preise

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Baikaltouren starten traditionell in Irkutsk, das man mit der Transsibirischen Eisenbahn oder mit dem Flugzeug erreicht. Flüge aus Moskau und Sankt Petersburg gibt es beinahe täglich.

Wenn Sie als Tourist oder Reiseführer die Gegend nicht gut kennen, sollten Sie für Ihre Reise über das Eis des Baikals auf das Angebot eines örtlichen Reiseveranstalters zurückgreifen. Der Preis hängt vom Schwierigkeitsgrad der Strecke und den in der Tour inbegriffenen Zusatzangeboten ab. Eine zweitägige, von einem Guide begleitete Fahrt auf die Insel Olchon mit dem Auto kostet in der Regel zwischen 10 000 und 12 000 Rubel, also zwischen 140 und 170 Euro. Eine Woche auf der berühmten Insel gibt es für 25 000 Rubel, also für knapp mehr als 350 Euro. Die Preise für schwierigere einwöchige Jeep-Touren, die Schneewanderungen und Hundeschlittenfahrten einschließen, beginnen bei 50 000 Rubel, rund 710 Euro.

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