Das Geld fehlt: Erfolgstrainer von Sotschi kehren Russland den Rücken

27. November 2016 Indira Schestakowa
Viele der russischen Erfolge bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi sind auf die Arbeit ausländischer Spitzentrainer zurückzuführen. Nun, mehr als zwei Jahre nach den Spielen, geht dem russischen Sport das Geld für deren Gehälter aus. So rücken einheimische Trainer wieder in die Verantwortung.
Viktor An celebrates after winning gold
Shorttracker Wiktor An, der in Sotschi dreimal Gold und einmal Bronze gewonnen hat, verdankt seinen Erfolg auch dem französischen Trainer Sébastien Cross. Quelle:Vladimir Smirnov / TASS

Bei den Olympischen Winterspielen 2014 im eigenen Land siegte Russland mit 13 Gold-, elf Silber- und neun Bronzemedaillen souverän die Medaillenwertung. Für den sportlichen Erfolg waren jedoch nicht nur talentierte Athleten, sondern auch zahlreich eingekaufte internationale Spitzentrainer verantwortlich.

So führte der Schweizer Langlauftrainer Reto Burgermeister seine Schützlinge Alexander Legkow und Ilja Tschernoussow zur Gold- beziehungsweise Bronzemedaille im 50-Kilometer-Massenstart. Der Franzose Sébastien Cross konnte die Russen für den weniger populären Shorttrack begeistern. Unter seiner Leitung konnte der eingebürgerte Südkoreaner Wiktor An wieder Erfolge feiern. In Sotschi gewann er dreimal Gold und einmal Bronze. Mit dem koreanischen Meister an der Spitze gewann die gesamte Männermannschaft zudem im Staffellauf.

Hilfe aus dem Ausland gab es auch im Bob- und Skeletonsport. Der Kanadier Pierre Lueders versöhnte den besten russischen Piloten Alexander Subkow mit seinem Anschieber Alexei Wojewoda. Bei den Spielen in Sotschi gewannen sie gemeinsam zwei Goldmedaillen. Dank dem deutschen Skeletontrainer Willi Schneider gewannen Alexander Tretjakow und Jelena Nikitina Gold und Bronze.

Das Geld reicht nicht

Zwei Jahre nach den Erfolgen in Sotschi muss man sich von den ausländischen Trainern trennen. Für teure Experten aus anderen Ländern reicht das Geld nicht mehr. Der erste, der im Jahr 2016 aus finanziellen Gründen seinen Abschied aus Russland verkündete, war Cross. Anschließend wurde von monatelangen Verzögerungen bei den Gehaltszahlungen an Lueders, Burgermeister, seine Physiotherapeutin und Schneider berichtet. Schneider teilte mit, dass er trotz ausstehendem Jahresgehalt bereit sei, zu bleiben, sollten diese Schulden beglichen werden.

Die Mittelkürzungen sind für die verschuldeten Verbände so schmerzhaft, dass das Olympische Komitee Russlands zur Hilfe eilte, um einen Teil der Zahlungen an die ausländischen Trainer zu übernehmen. Dennoch bleiben viele finanzielle Fragen offen.

Können russische Trainer das Niveau halten?

Russische Trainer übernehmen die freiwerdenden Posten: Nach dem Abgang von Cross wurde Andrei Maksimow zum neuen Trainer der Shorttrack-Mannschaft. Ähnliche Veränderungen wird es wohl auch im Bobsport geben. Am 6. Oktober sprach der Vorsitzende des Verbandes Alexander Subkow, der vor Kurzem seine Karriere beendet hatte, über den endgültigen Abgang von Lueders.

Auch in anderen Sportarten wolle man, so heißt es, im Rahmen der Möglichkeiten bleiben und auf eigene Trainer setzen. Die einzige Ausnahme sei der Langlauf, da dort viel von der Arbeit der persönlichen Trainer abhänge. Legkow, Sieger von Sotschi, trainiert individuell mit dem deutschen Trainer Markus Kramer.

Werden russische Trainer das erreichte Niveau halten können? Iwan Skobrew, Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver und ehemaliger Weltmeister im Eisschnelllauf, sagt im Gespräch mit RBTH, dass der Durchbruch in vielen Sportarten ohne ausländische Trainer unmöglich gewesen wäre. Nun aber habe sich die Lage geändert.

„Die Aufgaben wurden erfüllt. Unsere Jungs haben nach der Zusammenarbeit nun die Möglichkeit, sich zu beweisen", glaubt Skobrew. „Bis zu den nächsten Spielen ist noch genug Zeit. Als Ergebnis können wir am Ende der Saison sehen, ob unser Wissen, das wir erlangen konnten, ausreichend ist. Ich glaube, wir sind dazu fähig.“

Swetlana Schurowa, Olympiasiegerin im Eisschnelllauf und Duma-Abgeordnete, sagt, dass in Zukunft nur solche Trainer aus dem Ausland eingeladen werden sollten, die bereit seien, russische Trainer zu unterrichten: „Man muss verstehen, dass ein ausländischer Trainer, der seine Methoden und seine Geheimnisse nicht teilt und der Mannschaft nichts hinterlässt, nicht wirklich nötig ist", sagt Schurowa bei RBTH. „Hoffentlich haben unsere Trainer die ausländischen Ansätze verinnerlicht und konnten sie mit den eigenen verbinden, um etwas Einzigartiges zu schaffen."

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