Die Krim gründet eine eigene Nationalmannschaft

29. November 2016 Alexey Mosko
Schon seit zwei Jahren wird auf der umstrittenen Schwarzmeer-Halbinsel eine eigene Fußballmeisterschaft ausgetragen. Seit diesem November hat die Krim nun auch eine eigene Nationalmannschaft. RBTH klärt die wichtigsten Fragen rund um die Gründung der Mannschaft und die Position des europäischen Fußballverbandes Uefa.
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Darf die Krim damit demnächst an internationalen Turnieren teilnehmen? Quelle:Reuters

Der Fußballbund der Krim hat am 21. November die Gründung einer Nationalmannschaft auf der Halbinsel bekanntgegeben. Das neue Team hat bereits einen Trainer: den ehemaligen sowjetischen Fußballprofi Walerij Petrow. Dieser leitete bis vor Kurzem den Verein Tawrija Simferopol. Schon im kommenden März will die neugegründete Mannschaft erste Freundschaftsspiele austragen.

Die Krim ist kein eigenständiger Staat. Kann die Halbinsel überhaupt eine eigene Nationalmannschaft haben?

Theoretisch ist das möglich. Die britischen Landesteile Wales, Schottland und Nordirland etwa haben eigene Nationalmannschaften, ohne eigenständige Staaten zu sein. Ihre Fußballverbände – FA Wales, FA Scotland und IFA – sind eigenständige Mitglieder des europäischen Fußballverbandes Uefa.

Also erkennt die Uefa eine Nationalmannschaft der Krim an?

Nein. Doch hat der europäische Verband zuvor Sonderkonditionen für den Fußball auf der Krim eingeführt: 2015 ist auf der Halbinsel ein eigener Verband gegründet worden, der Krim-Fußballbund. Dieser ist ein Sondermitglied der Uefa.

Was sind das für Sonderkonditionen?

Mit der faktischen Eingliederung der Krim an Russland im März 2014 gerieten die Fußballvereine der Halbinsel in eine schwierige Lage. Die beiden ukrainischen Erstligisten – der SK Tawrija und der FK Sewastopol – haben die Saison im Mai 2014 noch zu Ende spielen können. Die Heimspiele mussten teilweise auswärts ausgetragen werden, weil sich die gegnerischen Mannschaften weigerten, auf die Krim zu reisen. Nach dem Ende der Meisterschaft aber wurden beide Vereine, wie auch andere Mannschaften auf der Krim, die in tieferen Spielklassen antraten, aufgelöst.

Später wurden die Vereine neugegründet – unter russischer Jurisdiktion. Im Sommer spielten sie erstmals in russischen Ligen, bis die Uefa ihnen offizielle Spiele unter der Ägide des Russischen Fußballbundes im Dezember 2014 verbot. Die Begründung des Verbandes: Die Vereinten Nationen erkennen die Zugehörigkeit der Krim zu Russland nicht an.

Diese Entscheidung beendete praktisch den Profifußball auf der Schwarzmeer-Halbinsel. Doch haben der Russische Fußballbund und die Uefa Anfang 2015 einen Sonderstatus für die Krim ausgehandelt, um den Sport auf der Halbinsel zu retten.

Daraufhin wurde der Krim-Fußballbund gegründet. Seitdem treten die acht Mannschaften der Halbinsel in einer eigenen Meisterschaft gegeneinander an. Die Uefa hat den Fußballbund im Juli des vergangenen Jahres anerkannt.

Also hat die Krim einen eigenen Verband innerhalb der Uefa. Die Gründung einer Nationalmannschaft ist deshalb nur folgerichtig.

Im Grunde schon. Doch die Krim ist ein Sonderfall. Der Krim-Fußballbund hat einen Sonderstatus innerhalb der Uefa. Er hat zwar das Recht auf eine eigene Meisterschaft, der Sieger darf jedoch nicht an europäischen Pokalwettbewerben teilnehmen.

Die Chance, dass die Uefa eine Nationalmannschaft der Krim anerkennt, sei praktisch gleich null, sagt der Sportjurist Walerij Fedorejew. Dass die Uefa der Gründung eines eigenen Verbandes auf einem umstrittenen Territorium zugestimmt habe, bedeute noch lange nicht, dass die Halbinsel als eine souveräne Fußballnation anerkannt werde, so der Experte.

Die Leitung des Krim-Fußballbundes rechnet indes mit einer Uefa-Mitgliedschaft ab 2018 – unter Berufung auf den Präzedenzfall der offiziellen Anerkennung der Nationalelf des Kosovo im Mai dieses Jahres. Das Argument sei jedoch nicht kräftig genug, sagt Rechtsexperte Fedosejew: „Der Kosovo wird von den meisten UN-Mitgliedsländern als eigenständiger Staat anerkannt. Die Krim ist in einer ganz anderen Situation“, sagt er.

Kann die Nationalelf der Krim an offiziellen Spielen teilnehmen?

Nein, dafür ist eine Anerkennung durch die Uefa notwendig. Bislang hat sich nur das abchasische Team zu einem Freundschaftsspiel gegen die Krim bereiterklärt. Abchasien wird nur von Russland, Venezuela, Nicaragua und Nauru als selbstständiges Land anerkannt. Georgien hingegen sieht den Landstrich im Südkaukasus – wie auch Südossetien – als eigenes Territorium an.

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