Die AK-47: Das Werk des verstorbenen Michail Kalaschnikow

25. Dezember 2013 Julia Ponomarjowa, Russland HEUTE
Am Montag, den 23. Dezember 2013, verstarb im Alter von 94 Jahren der berühmte Waffenentwickler Michail Kalaschnikow. Russland HEUTE blickt auf das Leben und Wirken einer russischen Persönlichkeit zurück.
Michail Kalaschnikow starb am 23. Dezember im Alter von 94 Jahren. Foto: Reuters
Michail Kalaschnikow starb am 23. Dezember im Alter von 94 Jahren. Foto: Reuters

Aus der Hauptstadt der russischen Waffenindustrie Ischewsk kam die traurige Nachricht: Nach einer langen Krankheit ist Michail Kalaschnikow von uns gegangen. Er hat sich selbst und sein Land mit der Konstruktion eines Sturmgewehrs bekannt gemacht, das von Experten als das beste Beispiel einer Feuerwaffe seit jeher genannt wird.

Seit dem 17. November befand sich Kalaschnikow auf der Intensivstation des klinisch-diagnostischen Zentrums in Ischewsk, wohin er aufgrund einer Magenblutung gebracht wurde. Innerhalb der letzten fünf Wochen wurde aus Ischewsk berichtet, es gehe Kalaschnikow besser, aber in den letzten Tagen kamen wiederholt schlechte Nachrichten. Am 23. Dezember blieb das Herz der sowjetischen Legende stehen.

 

Vom Soldaten zum Konstrukteur

Kalaschnikow entsprang als 17. Kind einer einfachen Bauernfamilie, er interessierte sich seit seiner Kindheit für Gegenstände, die mit Technik zu tun hatten. Als er 18 Jahre alt war, wurde Kalaschnikow in die Rote Armee eingezogen, wo er einen Scharfsinn und eine Erfindungsgabe an den Tag legte, die viele erstaunte. Er brachte mehrere Vorschläge zur Verbesserung der Baukonstruktion von Panzerkanonen ein.

Im August 1941 musste Kalaschnikow an die Front, wo er zwei Monate später schwer verwundet wurde und ins Krankenhaus kam, wo er die meiste Zeit mit Skizzen und technischen Zeichnungen verbrachte, aus dessen Entwürfe später die AK-47 wurde und den Namen Kalaschnikows unsterblich machen sollte.

Die von Kalaschnikow vorgeschlagenen Konstruktionsideen blieben nicht ohne Beachtung der größten Waffenschmiede dieser Zeit und Kalaschnikow erhielt eine Zuweisung in die Hauptleitung der Artillerie der Roten Armee, wo er nach kurzer Zeit die Leitung des Konstruktionsbüros übernahm.

Sein berühmtes Maschinengewehr konstruierte Kalaschnikow zwei Jahre nach Kriegsende, also 1947. Seitdem wurden auf der ganzen Welt über 70 Millionen Exemplare mit unterschiedlichen Modifizierungen der Waffe zusammengebaut. Heute wird das AK von über 100 Ländern verwendet und ist in die Liste der herausragenden Erfindungen des 20. Jahrhunderts eingegangen.

Während seines Lebens wurde Kalaschnikow mit mehreren Dutzenden Regierungsprämien ausgezeichnet und ist zu einer wahren Legende nicht nur in seiner Heimat, aber auch in der ganzen Welt geworden.

 

Ehemalige Weggefährten und Militärexperten verneigen sich

„Kalaschnikow war unser Nationalstolz, ein Mensch, der nur einmal in tausend Jahren geboren wird. In seinem Ingenieursgenie überstieg er mehrere Generationen von herausragenden Waffenschmieden", sagt der Hauptredakteur des Magazins „Nazionalnaja oborona" Igor Korottschenko. Korottschenko selbst traf Kalaschnikow mehrmals und behielt die wärmsten Erinnerungen an ihn. „Michail Timofejewitsch Kalaschnikow behielt

ungeachtet seines hohen Alters eine Klarheit im Denken, obwohl die Jahre sich natürlich in seinem gesundheitlichen Zustand bemerkbar machten", erinnert sich Korottschenko. „Er lebte für die Interessen der Fabrik und dachte in globalen Maßstäben". Korottschenkos Worten zufolge trat Kalaschnikow aktiv gegen eine zügellose und unkontrollierte Verbreitung von Feuerwaffen und für einen ausschließlichen Bezug über staatliche Strukturen ein. „Er sagte immer, dass nicht die Waffe tötet, sondern der Mensch", sagt Korottschenko.

Der Waffenexperte Dmitrij Litowkin erzählt darüber, dass Kalaschnikow eine lebende Legende und ein Symbol dessen war, dass Russland imstande ist, die besten Feuerwaffen der Welt zu produzieren. Litowkin verweist auf die Einzigartigkeit der Erfindung Kalaschnikows und zeigt dessen bedeutende Rolle in der jüngeren Militärgeschichte. „Kalaschnikow hat eine ideale, sehr effektive Waffe erschaffen, die einfach in der Herstellung ist, dazu preiswert und keine besondere Vorbereitung der Soldaten erfordert", sagt Litowkin. „Das ist eine Waffe der Massen, die ihren Abnehmer gefunden hat. Das AK kann man im Wasser oder im Schlamm versenken, man braucht es lange Zeit nicht zu putzen und es wird trotzdem schießen. Auch die amerikanischen Soldaten in Irak und Afghanistan nutzen, wenn es die Notwendigkeit und die Möglichkeit gibt, immer das AK, weil es wirklich viel effektiver ist als die M-16".

Kalaschnikow arbeitete, den Worten von Litowkin nach, an einer Waffe, die seinem Heimatland helfen würde und konstruierte dabei die beste Handfeuerwaffe der Welt. Mitte der 1940er hatte die sowjetische Armee zum größten Teil Mosin-Gewehre eingesetzt, während die deutsche Armee automatische Waffen hatte, und so übertraf die Wehrmacht die Rote Armee in Feuerkraft. „Um die Verluste in den Kämpfen zu verringern, musste man eine neue, ebenbürtige Waffe erschaffen. Kalaschnikow konstruierte mehrere Maschinengewehre verschiedener Konstruktionen", sagt Litowkin. „Letzten Endes konstruierte er ein Maschinengewehr, das einfach und billig zu produzieren war und sogar einen Vorteil in Feuerkraft dem Gegner gegenüber hatte".

Ruslan Puchow, der Direktor des Analysezentrums für Strategien und Technologien und Mitglied des Gesellschaftsrats beim Verteidigungsministerium der Russischen Föderation ist, bemerkt, dass das AK eine wesentliche Rolle im Verlauf von kriegerischen Auseinandersetzungen gespielt hat, die sich im 20. Jahrhundert in den verschiedensten Weltteilen ereigneten.

„Ich denke, dass, weil dieses Gewehr von der UdSSR produziert wurde, haben so viele Revolutionen so schnell stattgefunden und wegen ihm

waren Aufständische erfolgreich. Das AK konnte man einem einfachen Hirten irgendwo in Afrika oder einem vietnamesischen Bauern in die Hand drücken und er konnte sofort beginnen, gegen einen gut vorbereiteten – oft amerikanischen – Soldaten Krieg zu führen", sagt Puchow. „Das Konzept der Einfachheit und die Treffsicherheit machte aus dem AK-47 mehr als einfach nur eine Bewaffnungsart. Die Kalaschnikow revolutionierte das Militär".

Igor Korottschenko bemerkt, dass das AK unter allen Bedingungen immer einsatzbereit ist, sei es in der Wüste oder in Polarregionen. „Keine westliche Waffe kann eine solche Bandbreite aufweisen", sagt Korottschenko. Für den heutigen Tag stellt das Kalaschnikow ein komplettes Waffensystem dar, das man z.B. mit einem Laservisier oder einem Nachtsichtgerät ausstatten kann. Korottschenkos Worten zufolge muss Russland alle Schritte unternehmen, um das Erbe des legendären Erfinders zu schützen. „Leider wird jetzt in mehreren Ländern, denen die Sowjetunion damals Lizenzen verkauft hatte, das AK illegal hergestellt, denn die Lizenzen sind bereits abgelaufen", bemerkt Korottschenko. „Russland muss zu rechtlichen und politischen Mitteln greifen, um seine Interessen in dieser Frage zu vertreten".

In Russland selbst endet derzeit die Testphase der letzten Modifizierung des Maschinengewehrs, des AK-12. Danach wird entschieden, ob die Armee es in ihre Bestände aufnimmt, oder nicht.

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