Weltbank-Studie: Russland braucht bessere Bildung und Gesundheit

16. Januar 2017 Kira Kalinina
Die Weltbank verlangt von Russland Investitionen in das Bildungs- und Gesundheitswesen. Ansonsten könne das Land sich nicht an die Bedingungen der sich rasant wandelnden globalen Wirtschaft anpassen, glauben die Experten.
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Ansonsten könne das Land sich nicht an die globale Wirtschaft anpassen. Quelle:Alexey Malgavko/RIA Novosti

Vergangene Woche präsentierte die Weltbank auf dem Gaidar-Forum in Moskau eine aktuelle Studie zur Wirtschaftslage in Russland. In ihrem Bericht „Die Russische Föderation – eine komplexe diagnostische Wirtschaftsuntersuchung: Wege zum Erreichen eines allumfassenden Wirtschaftswachstums“ setzte sie dabei erstmals den Akzent nicht auf die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von Erdöl und Erdgas, sondern auf die Untersuchung des Humankapitals.

Eines der größten Paradoxe der russischen Wirtschaft bestehe darin, dass das Land ungeachtet seines hohen Anteils an Hochschulabsolventen bei der Innovationsentwicklung hinterherhinke und mit einer niedrigen Arbeitsproduktivität zu kämpfen habe, glaubt die Co-Autorin des Berichts Ana Revenga, Stellvertreterin des Chef-Wirtschaftsexperten der Weltbank. Russen mit einem Hochschulabschluss verfügten demnach nicht über die technischen und kognitiven Fertigkeiten, die in der heutigen Wirtschaft und in innovativen Unternehmen gefordert würden, erklärt Revenga.

Außerdem zeichne sich Russland durch ein hohes Niveau an Herz- und Gefäßkrankheiten, ein niedriges Niveau der ambulanten Behandlung sowie eine hohe Sterblichkeit im erwerbsfähigen Alter aus, heißt es im Bericht. „Bei der Lebenserwartung der Männer liegt Russland deutlich hinter China und allen Industrieländern“, ergänzt Cyril Muller, Weltbank-Vizepräsident für Europa und Zentralasien sowie ebenfalls Co-Autor der Studie.

Gegenwärtig gibt Russland 2,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die soziale Absicherung aus, doch nach Meinung der Weltbank werden die Mittel nicht effektiv genug verteilt. Um die Effizienz zu vergrößern, müsse eine zielgerichtete Ausschüttung erfolgen. Andere Empfehlungen der Weltbank sehen eine Anhebung der Arbeitsproduktivität und Investitionen in die kontinuierliche Bildung der Bevölkerung vor, um den Prozess des lebenslangen Lernens zu gewährleisten.

Das Erdöl ist nicht mehr das Problem

Der Hauptgrund für die Priorität des Humankapitals im Bericht der Weltbank ist die Hypothese, dass der Zyklus des Preiswachstums bei Rohstoffen seinem Ende zugehe, glaubt Sergej Chestanow, Wirtschaftsexperte der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst sowie Berater bei Otkrytije Broker.

„Das Erdöl ist nicht länger die Haupttriebkraft für das Wirtschaftswachstum, und unter diesen Bedingungen ist die einzige potenzielle Wachstumsquelle der Russischen Föderation die Steigerung der Qualifikation der Bevölkerung“, kommentierte er in einem Gespräch mit RBTH. Das Beispiel der Länder Osteuropas wie Tschechien, Polen und das Baltikum zeige, dass das Humankapital selbst dann zum Wachstumsmotor werden könne, wenn das Land über keine nennenswerten Rohstoffressourcen verfüge, ergänzte Chestanow.

„Ich denke, dass die Weltbank recht hat: Die Bevölkerung Russlands ist in einem solchen Zustand, dass jegliche Wirtschaftsreformen in Zukunft unsinnig sein werden, wenn wir dieses Problem jetzt nicht angehen“, findet Mark Urnow, Soziologe an der Higher School of Economics. Russland habe Probleme mit den Behörden und seinem technologischen Rückstand, aber diese seien nichts im Vergleich zu den Problemen der niedrigen Geburtenrate, des Gesundheitszustands und des katastrophalen Mangels an qualifizierten Fachkräften, glaubt Urnow.

Neben den sozialen und demografischen Herausforderungen stellt der Bericht der Weltbank auch drei Hauptfaktoren zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums in Russland heraus. Diese seien Haushaltsstabilität, eine effiziente öffentliche Verwaltung und die rationale Nutzung der natürlichen Ressourcen.

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