Neue Umfrage: Die 13 Schreckgespenster russischer Unternehmer

6. Februar 2017 Rustem Faljachow, Gazeta.ru
Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers werden die Sorgen der russischen Geschäftswelt von einigen wenigen Themen dominiert. Neben der geopolitischen Lage und dem Rubel sehen russische Manager vor allem eine Überregulierung durch den Staat als schädlich an. Dennoch scheint sich das Geschäftsklima zu bessern.
rouble
Der Wechselkurs und eine Überregulierung belasten die Wirtschaft, heißt es in einer neuen Umfrage von PricewaterhouseCoopers. Quelle:Igor Russak/RIA Novosti

Führungskräfte der größten russischen und internationalen Unternehmen nannten ein Dutzend Faktoren, die das Geschäft im Jahr 2017 gefährden könnten – von geopolitischen Herausforderungen bis hin zum Klimawandel. Die gewonnenen Daten wurden vom internationalen Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) vorgestellt. Etwa 1 379 Geschäftsführer aus 79 Ländern, darunter 88 aus Russland, nahmen an der Umfrage teil.

Drei Probleme gelten dabei als besonders besorgniserregend: die Wechselkursvolatilität, die Überregulierung und die geopolitische Instabilität. Diese drei Faktoren seien real und ergänzten einander, hieß es.

Bedeutung der geopolitischen Spannungen nimmt ab

Die Wechselkursvolatilität bereitet 82 Prozent der befragten Manager in Russland Kopfschmerzen. In China sind es 64 Prozent, in den USA 53 Prozent.

Etwa die gleiche Menge russischer Unternehmen, rund 80 Prozent, zeigten sich wegen einer empfundenen Überregulierung besorgt. Nach Angaben von PwC sei dieser Wert etwa gleich zu den Einschätzungen europäischer Unternehmen. Höher sei er nur in den USA und in China, sagt Igor Lotakow, geschäftsführender Partner bei PwC in Russland.

Die Angst vor geopolitischer Instabilität sank hingegen: In diesem Jahr liegt der Wert bei 80 Prozent. Mit 86 Prozent hatte dieser im Jahr 2015 noch einen Negativrekord aufgestellt. Zuversichtlicher ist China: Nur 52 Prozent der Befragten sorgen sich über die geopolitische Lage.

Zu den bedeutendsten Sorgen der Geschäftswelt gehören zudem das von den Sanktionen verursachte Problem der mangelhaften Kapitalverfügbarkeit (60 Prozent der russischen Geschäftsleute) und soziale Spannungen (70 Prozent). Die Zukunft der Eurozone besorgt hingegen nur 34 Prozent der befragten russischen Geschäftsleute – und das, obwohl die EU der wichtigste Handelspartner Russlands ist. Das Problem der Arbeitslosigkeit findet sich erwartungsgemäß auf dem letzten Platz wieder.

Das Geschäft fürchtet nicht das, was es sollte

Die Liste der Risiken für Geschäftsaktivitäten sei insgesamt nachvollziehbar, findet Lotakow. Im Großen und Ganzen deuteten Manager seit Jahren auf dieselben Ängste und Risiken hin. In den Jahren 2016 und 2017 wären jedoch Bedrohungen entstanden, die für führende Geschäftsleute sowohl national als auch international Neuland seien. Die PwC-Umfrage fand zum insgesamt 20. Mal statt.

Bei der Bewertung einzelner Risiken weichen die Experten bei PwC in ihrer Einschätzung von den befragten Managern ab: Das bedeutendste Risiko sei nicht die Wechselkursvolatilität und auch nicht die unfähige Politik, sondern das mangelnde Vertrauen der Verbraucher in Unternehmen. „Geschäftsleute müssen Vertrauen aufbauen, um zu überleben. Der Gewinn an diesem sollte für die Unternehmen nicht weniger wichtig sein als der materielle. Dieser immaterielle Wert steht heute im Vordergrund", so Lotakow.

Globalisierung funktioniert nicht mehr

In diesem Jahr wurden die Manager zudem erstmals befragt, wie wichtig für sie die neuesten elektronischen Geräte seien. Das Ergebnis ist überraschend.

Es zeigt sich, dass russische Manager bei der Nutzung modernster Technologien mit 69 Prozent weltweit an der Spitze liegen. Dies sind sieben Prozent mehr als in den USA und 14 Prozent mehr als im weltweiten Durchschnitt. Einen noch größeren Vorsprung haben russische Geschäftsleute bei der Nutzung digitaler Medien: 89 Prozent aller Befragten greifen darauf zurück. In den USA liegt dieser Wert 13 Punkte darunter.

Die meisten Unternehmen Russlands setzen bei der Entwicklung des eigenen Unternehmens auf Produktionswachstum, Expansion und eine Erweiterung der Absatzmärkte. Die Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter zudem nach dem klassischen Modell des geschäftlichen Erfolgs. Diese Wachstumsstrategie werde laut PwC noch mehrere Jahre Erfolg bringen. Die Potenziale der Globalisierung seien nach den Ergebnissen der Umfrage jedoch größtenteils ausgeschöpft. Man sollte heute nicht auf die Globalisierung, sondern die Regionalisierung setzen sowie präzise und vertrauensvoll auf den regionalen Märkten arbeiten, heißt es. Die Quellen des Wachstums sollten zudem nicht nur innerhalb des Marktes, sondern auch innerhalb des Unternehmens gesucht werden. Es sei außerdem notwendig, auf kreative Manager und nicht auf gedankenlose Vollstrecker zu setzen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in russischer Sprache auf Gazeta.ru.

Alle Rechte vorbehalten
+
Folgen Sie uns auf Facebook