Baupfusch: Tote bei mehreren Gebäudeeinstürzen in Russland

In Omsk starben 23 Soldaten beim Einsturz einer Kaserne.

In Omsk starben 23 Soldaten beim Einsturz einer Kaserne.

Alexej Malgawko/RIA Novosti
In den vergangenen Tagen sind in Russland 25 Menschen beim Einsturz von drei Gebäuden ums Leben gekommen, davon 23 Soldaten in einer Omsker Kaserne. Als Unglücksursache vermuten Experten den nachlässigen Umgang mit Bauvorschriften und fehlende Kontrolle durch die Behörden.

In den vergangenen Tagen kamen in Russland 25 Menschen beim Einsturz von drei Gebäuden ums Leben. In der Ural-Stadt Perm brach am Samstag eine Ecke an einem Wohnhaus aus den 1950er-Jahren ein. Zwei Hausbewohner starben, ein weiterer wurde zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Untersuchungen zufolge konnten die tragenden Teile des Gebäudes der Last nicht mehr standhalten. Nun wird gegen die Hausverwaltungsgesellschaft ermittelt. Am Montag ereignete sich ein ähnlicher Vorfall in Jaroslawl, im europäischen Teil Russlands. Dort stürzte eine Backsteinfassade ein und beschädigte eine Gasleitung. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

 

Tragödie in Omsk

Schlagzeilen machte der tragische Einsturz eines Gebäudes auf dem Kasernengelände des Trainingszentrums für Luftlandetruppen in der sibirischen Stadt Omsk. Am Sonntagabend stürzte die Unterkunft ein und begrub 42 Soldaten unter den Trümmern. 23 fanden den Tod, die anderen konnten geborgen werden und mussten teilweise schwer verletzt zur medizinischen Behandlung nach Moskau geflogen werden.

Der russische Präsident sprach den Hinterbliebenen der in Omsk getöteten Soldaten sein Beileid aus und kündigte Konsequenzen an. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schojgu übernahm die Verantwortung für das Unglück. Das russische Ermittlungskomitee vermutet bauliche Verstöße bei der Grundsanierung der Kaserne in den Jahren 2013 bis 2014 als Unglücksursache. Das Gebäude selbst stammt aus dem Jahr 1975.

Die Sanierungsarbeiten wurden von dem Unternehmen RemEksStroj ausgeführt, das bereits früher wegen Verstößen gegen Bauvorschriften Strafen zahlen musste. RemEksStroj ist regelmäßig von Behörden für Reparatur- und Rekonstruktionsarbeiten an Kasernen beauftragt worden.

 

Mangelnde Sorgfalt?

Der Präsident der Unternehmensgruppe Gorodskoj zentr expertis (zu Deutsch: „Städtisches Zentrum der Expertise“) Alexandr Moskalenko sieht als Hauptgrund für die Gebäudeeinstürze Fehler bei der Planung sowie Nachlässigkeiten von Eigentümern und Baufirmen bei Umbauarbeiten. „Das Haus in Perm stand dort seit den fünfziger Jahren und es gab nie Probleme. Dann wurden die unteren Stockwerke zur gewerblichen Nutzung umgebaut.“ Dabei, so Moskalenko, würden oft Fenster und Türen versetzt und Öffnungen ausgeweitet. „In Perm war die Außenwand jedoch tragend. Möglicherweise ist die Fassade deshalb eingestürzt“, vermutet er.

Was die Tragödie in Omsk betrifft, stützt Moskalenko die Vermutung des Ermittlungskomitees: „Die Kaserne wurde vor paar Jahren grundlegend umgebaut. Vielleicht wurde dabei die innere Struktur tragender Teile zerstört, was dann zur Katastrophe führte.“

Der Architekt Alexej Schtscheglow kritisiert die mangelnde Sorgfalt: „Viele alte Gebäude brauchen eine Grundsanierung. Ausschlaggebend ist nicht nur das Alter der Gebäude, sondern auch, in welcher Qualität sie geplant und errichtet wurden. Doch die Eigentümer und der Staat bessern oft nur optisch nach.“

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