Traditionelle russische Lackmalerei mit deutschen Wurzeln

Die berühmten Lackminiaturmalereien aus Fedoskino feiern Jubiläum.

Die berühmten Lackminiaturmalereien aus Fedoskino feiern Jubiläum.

Sergej Michejew/Rossijskaja Gazeta
Die Lackminiaturmalereien aus dem kleinen Ort Fedoskino sind weltbekannt. Die Maltechnik stammt ursprünglich von deutschen Meistern aus Braunschweig. 1795 wurde die bekannteste Manufaktur gegründet.

Die Geschichte der Lackmalerei aus Fedoskino ist eine kleine Geschichte Russlands. Die  Miniaturmalereien auf schwarzlackierten Tabakdosen, Schatullen, Konfektdosen oder  Brillenetuis zeigen, wie sich im Laufe der Jahrhunderte Stilrichtungen, Sujets und Kundenerwartungen verändert haben. Bis heute unverändert ist dagegen die Maltechnik geblieben, zumindest soweit es original Fedoskino-Produkte betrifft. Hundert Jahre Garantie gibt es auf die kunstvollen Gegenstände.

Die Maltechnik ist deutschen Ursprungs. Die Russen übernahmen sie von den Meistern der Braunschweiger Manufaktur Johann Stobwasser. Der russische Kaufmann Pjotr Korobow lud diese in seine 1795 gegründete Werkstatt ins Dorf Danilkino, heute ein Teil von Fedoskino, im Moskauer Gebiet ein. Korobow machte sich zunächst durch Staatsaufträge einen Namen, indem er in den ersten Jahren vor allem lackierte Schirme aus Pappmaché für militärische Kopfbedeckungen anfertigte. Die später weltberühmten Schatullen, die ebenfalls aus Pappmaché gefertigt werden, waren zur damaligen Zeit mehr ein Nebenverdienst für die Manufaktur.

Foto: Sergej Michejew/Rossijskaja Gazeta

Korobows Schwiegersohn Pjotr Lukutin engagierte sich für den Ausbau der künstlerischen Arbeit. Nach dem westlichen Vorbild wurden die Miniaturzeichnungen mit Ölfarben auf die Schatullen aufgebracht. In einer eigens gegründeten Schule wurde die Technik gelehrt. Lukutin wählte die Arbeitsmuster für die Produktion persönlich aus. Die Fedoskino-Miniaturmalereien wurden weltbekannt und gelten als typisch russischer Kunstgegenstand. Lutukin übergab die Geschäfte an seinen Sohn, zuletzt führte sein Enkel die Manufaktur.

Nach dessen Tod sollte die Fabrik 1904 geschlossen werden. Zehn Meister nahmen jedoch einen Kredit auf und gründeten ein Artel, eine Genossenschaft, und arbeiteten weiter. In den Jahren nach der Revolution, als schwere Zeiten für die Fabrik anbrachen, erlebte Fedoskino seine Blütezeit: Die Erzeugnisse wurden sowohl auf der Allunionsausstellung präsentiert als auch auf internationalen Messen. 1931 wurde auf Bitte der alten Meister von Fedoskino wieder eine Schule eröffnet, an der die Technik der Schatullenherstellung und der Lackmalerei unterrichtet wurde. Die Traditionen von Fedoskino werden heute von selbstständigen Künstlern fortgeführt, aber auch von Studenten einer Zweigstelle der  Hochschule für Volkskünste. 

Info

Das Dorf Fedoskino liegt etwa 38 Kilometer nördlich von Moskau und zählt 219 Einwohner. Die Schatullen, die in Fedoskino hergestellt werden, kann man im firmeneigenen Geschäft vor Ort erwerben. Der Preis der Schatullen liegt zwischen drei und 3 500 Euro.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei „Rossijskaja Gazeta“. 

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