Russen zwischen Luxus und Understatement

Boutiquenstraße in Moskau. Copyright: Kirill Lagutko

Boutiquenstraße in Moskau. Copyright: Kirill Lagutko

Russland ist groß und Moskau sein Laufsteg. Durch das raue Klima sind die Moskowiter in der Farbwahl eher zurückhaltend. Das gleichen sie durch Formenvielfalt wieder aus.

Die langen Jahre, in denen das sowjetische Regime den Russen die Möglichkeit verwehrte, die Modetendenzen jenseits des Eisernen Vorhangs zu verfolgen, sind nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Das Ende der Sowjetunion ist allerdings schon 20 Jahre her - heutzutage erinnern nur noch Kleidermärkte unter freiem Himmel an diese Vergangenheit. Was sehen wir also auf den Straßen des Landes? So kreativ sich Frau modisch umhüllt, so eintönig kleidet sich der russische Mann. Die meisten Russen orientieren sich bei ihrer Kleiderwahl am Angebot der Massenware oder an Luxusmarken. Markenkleidung ist nach wie vor Kultobjekt, ihr ideeller Wert steigt mit dem Preis. Teure Dinge sind Statussymbol und Objekte der Begierde für viele, den meisten bleiben sie aber verwehrt.

Mode ist für die Russen bis heute kein Mittel, sich selbst auszudrücken. Sie sind von dem Wunsch geprägt, sich an ein Milieu anzupassen oder jemandem nachzueifern, etwa einem Politiker. Das gilt nicht nur für die ältere Generation, sondern auch für Teenager. Manchmal scheint es, als hätten sich all diese Jungs und Mädels in Röhrenjeans und Halstüchern verabredet, um ZARA zu stürmen.


 
 
Immer mehr junge Trendsetter sieht man auf den Straßen Moskaus. 
Der Mix aus Designer - und Markenwahre machst aus. Mehr davon gibts auf www.lookatme.ru

 

Das russische Modesystem


Alltagsmode in Russland funktioniert nach einem System von Vorbildern. Der Typ „Politikerin“ etwa muss unabhängig vom Trend stets feste Locken haben. Zieht die „Lehrerin“ Jeans an, ist das russisches Understatement. Den Rock durch eine Hose zu ersetzen ist für sie nicht leichter als für Coco Chanel. Ein russischer Unternehmer wird eine große und teure Armbanduhr tragen und sie dabei auch rein zufällig zur Schau stellen. Ein Wissenschaftler wird mit seinem schäbigen Anzug, mit Hornbrille und vielleicht auch einer Baskenmütze jedem Kollegen auf wundersame Weise gleichen. Luxusartikel stehen noch immer noch hoch im Kurs.

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