Der teure Kampf gegen den Winter

Während Deutschland von Schneefällen bereits heimgesucht wird, bereiten sich die Russen auf ihre alljährliche Winterroutine vor – mit Matsch, Eisglätte und heftigen Schneefällen.

Es wintert in Russland: Innerhalb weniger Tage sind die Temperaturen unter 20 Grad Minus gesunken. Zwar schneit es noch nicht, die Meteorologen sagen jedoch einen heftigen Winter mit Schneestürmen voraus, der wohl genauso heftig ausfallen könnte, wie der letzte: mit Durchschnittstemperaturen um 30 Grad Minus war es so kalt wie seit 60 Jahren nicht mehr.


In Moskau, wo der Winter durchschnittlich vier Monate dauert, schneit es in dieser Jahreszeit ungefähr 50 Mal – eine Herausforderung für die städtische Räumungsdienstzentrale, wo Meteorologen, Vertreter der städtischen Werke und der Verkehrspolizei schichten müssen.


Meteorologen spielen rund um die Uhr Unwetterszenarien durch. Kommt es zu einer Prognose, wird ein vorläufiger Räumungsplan erstellt. Vorher werden auf den Straßen Chemikalien versprüht oder Salz gestreut. Die Polizisten beobachten die Verkehrslage.


Mit dem einsetztenden Schneefall rollen die Schneepflüge los. „Mit drei bis fünf Zentimetern Neuschnee werden wir leicht fertig, das ist Routine“, sagt Pjotr Birjukow, Leiter der Wirtschaftsabteilung der Stadtverwaltung Moskau. Kompliziert werde es erst ab heftigeren Schneefällen, wenn die Schneepflüge in Akkord alle zehn Minuten nacheinander räumen müssen.


Die Maschinen fahren versetzt, jeweils drei oder vier nebeneinander. So wird die komplette Fahrbahnbreite auf ein Mal erfasst und geräumt. Ein moderner Schneepflug erfüllt mehrere Aufgaben: er räumt den Schnee, registriert Schlaglöcher auf der Fahrbahn und gibt diese elektronisch an die Verkehrsbetriebe weiter und versprüht Taumittel.

Der Luschkow-Cocktail


Wegen dieser Chemikalie kam es in Moskau vor rund sieben Jahren zu einem Skandal. Das geheim gehaltene Mittel war so alkalisch, dass es bei Fahrzeugen Kotflügel und Türen zerfraß. Fußgänger klagten über zersetztes Schuhwerk. Selbst Leitplanken und Stromleitungen wurden von dem verdunstenden Gemisch angegriffen. Russische Zeitungen tauften das Mittel prompt Luschkow-Cocktail, zu Ehren des ehemaligen Moskauer Bürgermeisters Jurij Luschkow. Die Cocktail-Formel wurde daraufhin entschärft, die Leitplanken blieben heil. Manche agieren inzwischen als Zerstäuber, die das Gemisch automatisch versprühen.


Pro Stunde räumt ein Schneepflug rund 12 Kilometer Straße frei. Bei anhaltenden Schneefällen bleiben sie in ständiger Bereitschaft.


Der beiseite geräumte Schnee wird am Straßenrand abgelagert. Im Weg stehende Autos werden dabei kostenfrei von Kränen des städtischen Abschleppdiensts umgestellt. Nun kommen die Schneemaschinen und Kipplaster ins Spiel, die den Schnee zu einer der fast 200 Schneeschmelzen bringen. Eine Anlage kann bis zu 300 Tonnen Schnee am Tag verschmelzen. Der Unterhalt dieser Schneeräum-Armada kostet die Stadt über 12 Millionen Euro pro Jahr.


Teure Jahreszeit – auch für den russischen Autofahrer


Entsprechend teuer wird der Winter für die russischen Autofahrer: bei Neufahrzeugen muss die Standheizung nachgerüstet werden, Winterreifen werden zwangsläufig mit Spikes versehen, Schneeketten werden mehrmals pro Winter ersetzt. An einem Wintertag verbraucht ein russischer Autofahrer im Durchschnitt einen Kanister Waschwasser. Und weil es so häufig nachgefüllt werden muss, lassen sich viele Waschwasser-Tanks mit bis zu zehn Litern Volumen in ihre Fahrzeuge einbauen.


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