WM-2018 wird teurer

Foto: Reuters

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Der Zuschlag ist erteilt, nun geht’s an Planen und Rechnen: Damit Russland in acht Jahren WM-fit ist, müssen ca. 40 Mrd. Euro investiert werden. Viel Geld - aber es sollte sich trotzdem lohnen.

Russland ließ nach seinem Triumph bei der WM-Vergabe die Welt erst einmal ein bisschen warten: Die russische Bewerbungs-Delegation verweigerte eine Pressekonferenz und erklärte, dass alle Fragen Premierminister Wladimir Putin beantworten wird. Der war zu diesem Zeitpunkt aber noch in der Luft und unterwegs nach Zürich, da er in Moskau erst startete, nachdem FIFA-Chef Joseph Blatter „Russia!“ in den Saal gerufen hatte.

Putin: Russland packt das bestens

Endlich in Zürich angekommen, versprach Putin, was nun zu versprechen war: Die WM wird „auf höchsten Niveau ausgerichtet, alle notwendige Infrastruktur wird rechtzeitig gebaut“. Es werde alles Machbare getan, um den Gästen „Komfort und Sicherheit“ zu gewähren. Russland schaffe das, das Land sei im Aufschwung – und alle noch umgehenden Vorurteile gegen das Land sind „Überbleibsel und Klischees aus der Zeit des Kalten Krieges“, so Putin kategorisch.

Direkte Ausgaben "wie in Südafrika"

Also wird jetzt in die Hände gespuckt – und das nötige Geld gezählt. Allein in den Bau der WM-tauglichen Stadien sollen ca. 2,9 Mrd. Euro investiert werden – denn in ausnahmslos allen Spielorten müssen neue Arenen gebaut werden.

Putin nannte in Zürich noch eine andere Zahl: 300 Mrd. Rubel (ca. 7,3 Mrd. Euro) werde in die "Vorbereitung der Stadien und der umliegenden Infrastruktur“ gesteckt. Das sei ähnlich viel wie in Südafrika bei der diesjährigen WM aufgewandt worden sei.

 

Abramowitsch und Co. sollen sich beteiligen

Putin nahm gleich einen potentiellen Geldgeber in die Pflicht: „Ich schließe nicht aus, dass Herr Abramowitsch sich an einem dieser Projekte beteiligt“, sagte Putin mit einem Seitenblick auf den zur Delegation gehörenden Multimilliardär: „Er kann ruhig mal den Geldbeutel aufmachen, das ist nicht schlimm, er hat da viel Geld drin.“

Auch andere russische Business-Strukturen werden sich in „staatlich-privaten Partnerschaften“ an den WM-Investitionen beteiligen. So finanziert Lukoil das neue Spartak-Stadion, eine weitere Moskauer Arena wird die Bank VTB sponsorn. Und „in Petersburg baut Gazprom“, so Putin. Die realen Kosten werden allerdings noch einige Hausnummern größer ausfallen – denn auch Flughäfen, Bahnlinien, Straßen und das Hotel-Angebot müssen gewaltig ausgebaut werden.

Russische Provinz wird zum Nabel der Welt

Und dies nicht wie bei der Winterolympiade 2014 in Sotschi an nur einem Ort, sondern an gleich 13 Stellen im europäischen Teil Russlands – samt der Verbindungen zwischen ihnen. Vor allem die provinzielleren Austragungsorte wie Samara, Saransk, Kaliningrad oder Krasnodar haben noch viel nachzuholen. Eine der in der Bewerbung genannten 13 Städte soll übrigens später noch aussortiert werden.

Die "Nebenkosten" gehen richtig ins Geld

In FIFA-Unterlagen war davon die Rede, dass die nötigen Investitionen in die Tourismus-Infrastruktur 11 Mrd. Dollar (8,5 Mrd. Euro) betragen. Hotelbetten würden in allen Städten bis auf Moskau und St. Petersburg fehlen. Und die Kosten für den nötigen Bau von 7.700 Kilometern Straßen und 2.000 Kilometern Bahnlinien summieren sich nach Expertenschätzungen auf etwa 27 Mrd. Euro.

Die WM-2018 bedeutet für Russland also ein Konjunktur-Programm im Umfang von etwa 40 Mrd. Euro. Als erstes sollte aber sicher gestellt werden, dass nicht wie üblich 20 Prozent als Provisionen und Schmiergelder von unlauteren Geschäftsleuten und Beamten abgezweigt werden, forderten noch am gleichen Abend Oppositionspolitiker wie Kommunisten-Chef Gennadi Sjuganow und Wladimir Schirinowski. Die WM-Vorbereitungen könnten ein gutes Pilotprojekt für ein „korruptionsfreies Russland“ abgeben - in Sotschi scheint das bislang nicht gelungen zu sein.

Stadien und Straßen haben bleibenden Wert

Und was hat Russland davon, wenn das einen Monat dauernde Fußball-Fest vorbei ist? Die neuen Stadien wie auch die vielen neuen Trainingszentren werden in Zukunft dem russischen Sport zugute kommen – und der soll ja bekanntlich Leib und Seele des ganzen Volkes gut tun. Auch die erneuerte Infrastruktur macht sich langfristig bezahlt, denn viele Verkehrsobjekte in Russland sind noch sowjetische Erbmasse und bremsen mit ihren geringen Kapazitäten die wirtschaftliche Dynamik und die Mobilität der Bürger.

Der Fußball kann ein "neues Russland" gebären

Hinzu kommt der ideelle Gewinn an Prestige und Image: Eine Fußball-WM ist mit Abstand das weltweit größte Medienereignis. Das kumulierte TV-Auditorium der WM in Südafrika betrug 26 Mrd. Menschen in aller Welt, die auf diese Weise nun auf Russland schauen werden. Und zehntausende Fans, Funktionäre, Journalisten und Aktive werden (visafrei, wie es heißt!) nach Russland kommen, dort herumreisen, Land und Leute mit eigenen Augen sehen und darüber berichten. Russland hat damit für 2018 eine einmalige Chance bekommen: Das Land kann sich der Welt in einem ganz neuen Stil präsentieren – fröhlich, entspannt, ordentlich, sportlich, weltgewandt, wohl organisiert und kompetent. Dafür ist viel zu tun, sehr viel - und es wird sicher nicht einfach. Aber gelingt es, sollten gut 40 Jahre nach dessen Ende die „Klischees aus dem Kalten Krieg“ endgültig begraben sein.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland-Aktuell.


Hören Sie einen Podcast zum Thema Fußball-WM 2018 in Russland:


Übersetzung des Podcasts von Stanislaw Kucher, politischer Kommentator des Radiosenders Kommersant FM.


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