WM 2018 zwingt Russland zur Modernisierung

Korruption ist in Russland verbreitet und das Land ist kein demokratischer Rechtsstaat. Dennoch ist die Entscheidung der FIFA zu begrüßen, Russland als Gastgeber der Fußball-WM 2018 auszuwählen. Ein Kommentar.

Die FIFA-Fußball-WM wird 2018 in Russland ausgetragen. Die Auswahl als Gastgeberland ist die Krönung einer konsequent verfolgten Strategie. Durch die Bewerbung Russlands um große internationale Sportereignisse will die russische Staatsführung - ganz besonders der mächtige Ministerpräsident Wladimir Putin – das Image Russlands in der Welt verbessern: 2007 holte Putin die Olympischen Winterspiele 2014 nach Sotschi an die russische Schwarzmeerküste. Vor wenigen Wochen gelang ihm ein Abkommen über einen Formel-1-Grand Prix ab 2014 ebenfalls in Sotschi. Und nun die Entscheidung über die Austragung der Fußball-WM im Jahr 2018.

Verbreitete Korruption und demokratische Defizite


Die Bemühungen des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, seinem Land zu einem besseren Image in der Welt zu verhelfen und dafür keine Mühen und Geldmittel zu scheuen, sind durchaus kritisch zu sehen. Das von Putin geschaffene heutige Russland ist bei weitem kein demokratischer Rechtsstaat. Und es besteht zu Recht die Gefahr, dass viele der bereitgestellten Gelder für diese Mega-Sport-Projekte in korrupten Strukturen von Staatsverwaltung und Unternehmen versickern.

Schließlich müssen allein von den 16 geplanten Spielstätten 13 neu errichtet oder komplett umgebaut werden. Hinzukommen die gewaltigen Anstrengungen für die Verbesserungen der touristischen Infrastruktur, um Tausende von Fans aufzunehmen und die großen Distanzen zwischen den Spielorten logistisch zu bewältigen. Offen ist dabei auch die Frage, wie viel Rücksicht auf die Umwelt genommen wird. Die Erfahrung beim Bau der Anlagen in Sotschi lassen nicht nur Gutes erwarten.

Gute Gründe für Russland 2018


Dennoch ist die Entscheidung der FIFA zu begrüßen, dass die Fußball-WM erstmals in ihrer Geschichte in Osteuropa stattfindet. Denn die Fußball-WM ist ein großes Fest der sportbegeisterten Menschen im "globalen Dorf". Es ist nicht nur die Möglichkeit zu Austausch und Begegnung. Vielmehr zwingt es zu Kontakten zwischen internationalen Gästen und Gastgebern: Hunderttausende Sport-Fans werden im nächsten Jahrzehnt nach Osteuropa und insbesondere nach Russland strömen, um diesen Teil des europäischen Kontinents für sich zu entdecken: 2012 geht es zur Fußball-EM nach Polen und in die Ukraine, 2014 zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi und 2018 zur Fußball-WM in 13 verschiedene russische Städte, deren Namen die meisten in Europa noch niemals gehört haben – oder wer kennt schon in Westeuropa Saransk und Jaroslawl?


Damit wird sich die russische Führung einem immensen Druck ausgesetzt sehen, Russland wirklich zu europäisieren und zu modernisieren, wenn die Gäste einen positiven Eindruck von Russland mit nach Hause nehmen sollen. Die Ausrichtung einer Fußball-WM ist nur bei der Vergabe gut für das Image. Spätestens beim Anpfiff des Eröffnungsspiels muss die Realität mit dem zuvor verbreiteten Image übereinstimmen, wenn die Glaubwürdigkeit in den Augen von Tausenden von Gästen und der Welt nicht verloren gehen soll. Russland wird sich in den nächsten Jahren stärker verändern müssen als Putin und seiner regierenden Elite vielleicht lieb ist. Und das ist gut so: Herzlichen Glückwunsch, Russland!

Ingo Mannteufel ist Leiter der Russischen Redaktion der Deutschen Welle.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Deutschen Welle


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