Schuld ohne Sühne: illegaler Dostojewski auf dem Display

Bibliothek in der Hosentasche: Die E-Reader sind in Russland populär.  Foto: RIA Novosti

Bibliothek in der Hosentasche: Die E-Reader sind in Russland populär. Foto: RIA Novosti

Russen sind nicht nur lesefreudig, sie sind auch technikversessen. Immer mehr kaufen sich ein elektronisches Lesegerät - und die Verlage gehen leer aus.

Der Markt für elektronische Bücher und Lesegeräte – E-Books und E-Reader – ist in den vergangenen zwei Jahren um ein Vielfaches gewachsen: Wurden 2007 nur wenige Tausend E-Reader verkauft, waren es im Jahr 2009 bereits 250.000, trotz Wirtschaftskrise. 2010 haben sich 440.000 Russen für das Klicken beim Lesen entschieden; das ist sieben Mal so viel wie vor zwei Jahren.

Der Boom elektronischer Bücher geht zu Lasten des traditionellen Buchmarktes; dieser ist 2009 um fast 15 Prozent eingebrochen, und die Russische Buchkammer verzeichnete sogar einen Auflagenrückgang um 17,2 Prozent.

Branchenexperten erklären den Boom von E-Books einerseits mit der Offenheit vieler Russen gegenüber technischen Innovationen, andererseits mit der starken Präsenz der Bücher im Internet. Deren Download ist in den meisten Fällen illegal, häufig aber auch kostenlos. Es wundert daher nicht, dass dieser illegale E-Book-Markt fünfmal größer ist als der legale mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro.

„E-Book-Piraten zerstören den traditionellen Buchmarkt“, beklagt Wladimir Obrutschew aus dem Eksmo-Verlag. Man könne die Anbieter der raubkopierten 
E-Books strafrechtlich kaum verfolgen, da ihre Server in der ganzen Welt verteilt seien.

 

Die Deutschen lesen klassisch

Deutsche Leser hingegen haben ein eher klassisches Leseverhalten: Laut einer Marktanalyse von von Kirchner und Robrecht wurden 2010 in Deutschland lediglich zwischen 80.000 und 130.000 
E-Reader abgesetzt. Die Käuferschicht von Büchern sei älter als in Russland und ihr Konsumverhalten grundlegend anders. Die Konsumenten wollen ihr Geld nur für ein einziges elektronisches Lesegerät ausgeben. Dabei falle ihre Wahl in der Regel aufs iPad.

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