Die Milch macht’s - auch bei Pepsi

Zukünftig wird die Milch 
russischer Kühe von Pepsi an die Verbraucher geliefert.  Foto: Photoxpress

Zukünftig wird die Milch 
russischer Kühe von Pepsi an die Verbraucher geliefert. Foto: Photoxpress

PepsiCo kauft den größten russischen Lebensmittelhersteller Wimm-Bill-Dann. Die Amerikaner setzen auf Wachstum, Verbraucher befürchten höhere Milchpreise.

Für 2,9 Milliarden Euro hat der US-amerikanische Konzern PepsiCo zwei Drittel des größten russischen Lebensmittelherstellers Wimm-Bill-Dann Food (WBD) gekauft. Nach Schätzungen von Branchenexperten verfügt WBD über einen Anteil von 30 Prozent am russischen Milchmarkt, dessen Gesamtvolumen rund 7,6 Milliarden Euro beträgt.

Seine Übernahme durch Pepsi ist bereits der zweite große Deal im Lebensmittelsektor innerhalb der letzten Monate: Im Sommer fusionierte der russische Milchriese Unimilk mit Danone. Das neue Unternehmen will nach eigenen Angaben weitere 31 Prozent des russischen Milchmarktes kon-trollieren.

Die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten ist in den letzten Jahren stark gestiegen, ebenso wie der Milchpreis, der 2010 eine Steigerung von 20 Prozent erfuhr. Ein Liter kostet im Laden zwischen 50 Cent und 1,20 Euro, Tendenz steigend. So will auch PepsiCo nach eigenen Prognosen in den kommenden drei Jahren zweistellige Wachstumszahlen vorlegen, denn im Unternehmen geht man vom Aufstieg der russischen Wirtschaft auf Rang zwei in Europa aus – gleich hinter Deutschland.

PepsiCo plane, in den kommenden fünf Jahren über 700 Millionen Euro zu investieren, speziell in die Modernisierung der Produktion, in Forschung, Entwicklung und Marketing, kommentierte Wladimir Putin den Deal. Die russische Regierungskommission zur Kontrolle von ausländischen Investitionen hat die Übernahme ummittelbar nach dem Einreichen aller Unterlagen genehmigt.

Doch während PepsiCo mit Investitionsvolumen und Gewinnen hantiert, befürchten Verbraucher, dass die Milchpreise weiter steigen werden.

Ihre Sorge ist begründet: In Russland, in der Ukraine und in Mittelasien hält WBD Food 35 Milchwerke, die über 280 Millionen Konsumenten versorgen – doppelt so viele wie die Gesamtbevölkerung Russlands. „Osteuropa wird zum Zentrum des Pepsi-Imperiums“, sagt Wassilij Konusin von der Investmentgruppe Alemar.

Derzeit wartet PepsiCo auf einen Bescheid des russischen Kartellamts. Dessen Leiter hat jedoch erklärt, sein Organ sähe keine Einwände. Der 30-Prozent-Anteil am Milchmarkt ist für eine Monopolstellung nach russischer Gesetzgebung zu wenig. Es fehlen fünf Prozent. Ferner soll das Unternehmen das Kartellamt quartalsweise über seine Preispolitik informieren.

Trotz aller Auflagen und Versprechen bezüglich einer transparenten Preispolitik stehen auch kleinere Milchproduzenten dem Deal äußerst kritisch gegenüber. „Eine Globalisierung des Milchmarktes zerstört die Konkurrenz und behindert die gesamte Branchenentwicklung“, sagt Juri Tomilin, Vorstandsvorsitzender des land-
wirtschaftlichen Unternehmens Jaropolez. Sobald ein Betrieb zu groß werde, zwinge er allen anderen Marktteilnehmern seine Bedingungen auf. „Deswegen haben wir uns auch von dem Riesen Danone distanziert und beliefern nur noch kleinere Lebensmittelproduzenten. Mit ihnen können wir verhandeln und aktiv die Preisentwicklung mitgestalten“, schließt Tomilin.

Zahlen

2,9 Milliarden Euro hat PepsiCo für zwei Drittel der Anteile an Wimm-Bill-Dann Food gezahlt - was etwa 32 Prozent über dem Marktwert liegt.

30 Prozent des russischen Milchmarkts verspricht sich PepsiCo von diesem Deal. 31 Prozent liegen bei Da-none und seinem russischen Partner.

Wimm-Bill-Dann

 

Wimm-Bill-Dann Foods (WBD 
Foods) wurde 1992 gegründet 
und ging zehn Jahre später als 
erstes russisches Unternehmen in New York an die Börse. WBD ist einer der größten Lebensmittel-hersteller Russlands. Neben Milch-produkten produziert das Unter-nehmen Säfte, Mineralwasser und Kindernahrung. In den ersten beiden Quartalen 2010 machte es einen Umsatz von ca. 1,8 Milliarden Euro.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland