Neues Konzept für saubere Mobilität

Der Name des Yo-Mobils rührt vom russischen Buchstaben ë. Foto: Reuters/Vostock-Photo

Der Name des Yo-Mobils rührt vom russischen Buchstaben ë. Foto: Reuters/Vostock-Photo

Der russische Oligarch Michail Prochorow hat in Moskau drei neue Hybridfahrzeuge vorgestellt. Noch ist nicht entschieden, wo sie gebaut werden.

150 Millionen Euro wird die Onexim-Gruppe in das Yo-Mobil 
zusammen mit dem LKW-Bauer Yarovit aus Sankt Petersburg 
investieren. In anderthalb Jahren schafften es die hybriden Fünftürer, Lieferwagen und Crossover-Coupes vom Reißbrett zu fahrbereiten Prototypen. Ab Ende 2012 soll das erste russische Produktionswerk 10.000 Hybride pro Jahr fertigen. „Mit dem Projekt wollten wir zwei Stereotypen aufbrechen: Dass man in Russland keine Autos bauen kann und dass man diese nur mit Staatsgeldern entwickeln könne“, so Onexim-Chef Michail Prochorow.

Seine Anspielung ist berechtigt. Jahrelang erhielt die Regierung marode russische Autowerke am Leben und finanzierte die Entwicklung neuer Modelle, die bei der Markteinführung meist schon veraltet waren. Dies soll nun anders werden. „Wir haben weltweit die Automobiltrends analysiert und erkannt, dass der Hybrid konventionellen Technologien überlegen ist“, erklärte unlängst Yarovit-Präsident Andrej Birjukow. „Und im Gegensatz zur Konkurrenz sind wir an einem ganz neuen Hybridantrieb dran“, erläutert der technische Projektleiter. Er erklärt es anhand des Toyota-Hybrids Prius: Der Japaner wird von einem klassischen Otto- und einem elektrischen Hilfsmotor angetrieben. Der Elektromotor schaltet sich immer dann hinzu, wenn die Batterie vom Ottomotor über einen Generator ausreichend mit Strom versorgt wurde. Diese Technik sei wegen der Lithium-Ionen-Batterie aber nicht eben billig.

„Der Yo-Mobil-Motor hingegen treibt einen Generator an, der den Elektromotor direkt mit Strom versorgt – und dieser treibt dann auch die Räder an“, erklärt der Techniker. Dadurch brauche der Flitzer keine Batterie und kein klassisches Getriebe. Der Motor soll ein eigenes entwickelter und mit Erdgas betriebener Rotationsmotor sein.

60 PS soll er leisten und den Wagen auf 130 Stundenkilometer beschleunigen – mit einem Verbrauch von 3,5 Litern. In den drei Prototypen werkelt vorerst ein Motor von den deutschen Wagner Motoren. Das Attraktivste an den kleinen Automobilen dürfte aber der Preis sein. „Wir wollen uns in der Preisspanne von sieben- bis zehntausend Euro bewegen“, hieß es von einem Yarovit-Sprecher. Wie man in diesem Segment bei nur 10.000 Fahrzeugen pro Jahr mit einem komplexen Antriebssystem Erfolg beweisen will, wurde nicht erklärt. Die Entwicklung geht aber offenbar nur mit internationaler Unterstützung voran: Laut russischen Pressegerüchten soll Porsche eine Kooperation im Hybrid-Projekt angeboten haben.

KOMMENTAR

 

Modernisierung im Automobilbau

Dr. Ewald 
Böhlke

Zukunftsforscher, Berlin

Wenn Russland sich weiterhin am Export von Rohstoffen orientiert, bleibt es wesentlich abhängig von 
externen Faktoren. Die neuerliche Wirtschaftskrise hat dies bestätigt: Russland musste seine gesamten Geldreserven für die Konsolidierung der Wirtschaft aufwenden, um das Ruder überhaupt noch herumzureißen. Deshalb setzt die Politik jetzt auf Modernisierung. Für den Auto-mobilbau bedeutet dies: Elektrifi-
zierung der Mobilität und neue, 
effizientere Antriebsmodelle. Prochorows Team setzt auf ein 
eigenes CNG-Elektromotor-Konzept. Wenn es ihnen gelingt, diese beiden Antriebsformen in ein und demselben Hybrid zusammenzubringen, hätten sie die Nische im Automobilmarkt gefunden, nach der sie schon lange gesucht haben. Diese Technologie ist aussichtsreich, da wirklich innovativ. Und sie könnte die Basis für eine neue Technologieplattform werden, an der man weitere Technologien anknüpfen könnte. Fantasie und Kreativität sind 
gefordert und die finanziellen Mittel zu ihrer Umsetzung.