Der hinterste Fleck der Erde – «Kraj»

Filmauschnitt aus "Kraj" - Elsa (Anjorka Strechel) und Ignat (Wladimir Maschkov). Foto: Kinopoisk.ru

Filmauschnitt aus "Kraj" - Elsa (Anjorka Strechel) und Ignat (Wladimir Maschkov). Foto: Kinopoisk.ru

Die deutsche Schauspielerin Anjorka Strechel wurde in Moskau mit dem Golden Eagle Award als beste Hauptdarstellerin im Kinofilm des russischen Regisseurs Alexej Utschitel «Kraj» ausgezeichnet.

Herbst 1945, der ehemalige leidenschaftliche Lokomotivführer Ignat (Wladimir Maschkow) kommt in das gottvergessenen Dorf «Kraj» am Rande der Taiga um ein neues Leben zu beginnen. Dort verliebt er sich zuerst in die Einheimische Sophia, bevor er, auf der Suche nach einer alten Lokomotive auf einer verlassenen Insel die Deutsche Elsa (Anjorka Strechel) kennen lernt. Elsa, deren Familie schon vor dem Krieg nach Sibirien kam, musste fliehen, als ihr Vater vom NKWD festgenommen wurde. Seitdem hauste sie ganz wie Robinson Crusoe auf der verlassenen Insel. Sogar den Krieg bekam sie nicht mit. Ignat und Elsa freunden sich an, stellen kurzer Hand die vefallene Brücke von der Insel zum Festland wieder her und schaffen es, die Lokomotive ins Dorf Kraj zu transportieren. Nach und Nach verlieben sich Elsa und Ignat, es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung mit der Einheimischen Sophia. Elsa, die kein Russisch spricht, muss sich nun im Dorf behaupten. Eines Tages kommt der NKWD-Major Fischmann» (Sergej Garmasch) nach Kraj. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, die zur Folge hat, dass er Sophia tötet und Elsa gemeinsam mit ihrem deutschen Adoptivkind Paschka entführt. Ignat setzt nun alles Dran, um sie zurück zu holen. Wider Erwarten findet die Geschichte ein gutes Ende.

Die Entstehung

Gefilmt wurde nicht in Sibirien, dafür in der Nähe St.Petersburg, wo eine passende Filmkulisse hingebaut wurde. 2,5 Jahre dauerten die Dreharbeiten, 190 Mal wurde das Drehbuch in ihrem Lauf abgeändert. Der Regisseur Alexej Utschitel erzählt, dass er auch den Schauspielern die Möglichkeit gegeben hat mitzureden, Maschkov, den Hauptdarsteller sieht er sogar als Co-Autor des Szenarios und Co-Produzenten des Films. Der Aufwand der Dreharbeiten war gigantisch, die Schauspieler stießen an ihre Grenzen. Viele Szenen wurden ohne Stuntmans gedreht und auch auf Computergrafik wurde nahezu verzichtet. Das Wladimir Maschkov die Hauptrolle in seinem Film spielen würde, war dem Regisseur sehr schnell klar. Doch die Suche der Hauptdarstellerin schien niemals enden zu wollen.

Die Hauptdarstellerin aus Deutschland

Ursprünglich sollte Elsa um die 17 Jahre jung sein, doch trotz Kontaktaufnahme mit deutschen Castingagenturen blieb es unmöglich eine geeignete Schauspielerin in diesem Alter zu finden. Bei einem Kinofestival in Tschechien sah Utschitel dann in dem Festivalkatalog zufällig das Foto von Anjorka Strechel. Das sie die Richtige ist, zweifelte er nicht. Als Anjorka dann zum Casting eingeladen wurde, war ihre Teilnahme an dem Streifen für den Regisseur beschloßene Sache.

 

Die Premiere

Im September 2010 fand die internationale Premiere des Kinostreifens im kanadischen Toronto statt. In Russland war der Streifen kurze Zeit später schon ein Kassenschlager. Auch bei weiteren Festivals war «Kraj» ein Erfolg. Fast hätte es dieser Film in die Short-List des Oscars geschafft, in die Kategorie «Bester ausländischer Film». Doch leider bleibt dieser Traum von Alexej Utschitel noch unerfüllt. Auch beim Golden Globe Award ging «Kraj» trotz Nominierung leer aus. Doch das größte Kinofestival Russlands vergab dem Streifen gleich vier Trophäen für: «Beste Regie», «Bester männlicher Hauptdarsteller», mit Anjorka Strechel die «Beste weibliche Hauptdarstellerin», und «Beste zweite weibliche Rolle».

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