Propheten und der real existierende Kapitalismus

Die vor rund zehn Jahren von Putin versprochene Verdoppelung des BIP-Wachstums ist den Russen erspart geblieben. Foto: Reuters

Die vor rund zehn Jahren von Putin versprochene Verdoppelung des BIP-Wachstums ist den Russen erspart geblieben. Foto: Reuters

Vor rund zehn Jahren versprach der damalige Präsident Wladimir Putin, das russische Bruttoinlandsprodukt innerhalb eines Jahrzehnts zu verdoppeln. Sein Ziel hat er knapp verfehlt.

Es erinnerte an die Zehnjahrespläne aus sowjetischen Zeiten, als Präsident Wladimir Putin im Jahr 2000 ankündigte, bis 2010 das Bruttoinlandsprodukt seines Landes zu verdoppeln. Auf dem Internationalen Investitionsforum in Sotschi bekräftigte er 2008 noch einmal den Plan. Da ahnte er allerdings noch nichts von der kommenden Finanzkrise, die sein ehrgeiziges Ziel zunichte machen sollte.

Es kam anders

Im Januar wurde in Russland die Studie der Consultingfirma FBK diskutiert, die zu dem Schluss kam, das reale BIP sei im vergangenen Jahrzehnt lediglich um das 1,6-Fache gewachsen. „Die BIP-Verdoppelung binnen eines Jahrzehnts ist nur zur Hälfte gelungen“, stellt Igor Nikolajew fest, bei FBK verantwortlich für strategische Analysen. Und das läge nicht nur an der Weltwirtschaftskrise. „Andere Länder haben sich von der Krise schließlich auch nicht beeindrucken lassen.“ So wuchs im gleichen Zeitraum das BIP Chinas ums 2,6-Fache, in Kasachstan um das 2,2-Fache und in Weißrussland um das Zweifache. Allerdings, so Nikolajew, habe die Krise auch seine positive Seite: Die russische Wirtschaft entwickle sich - wenn auch langsam - vom Rohstoff hin zum innovativen Sektor, glaubt der Experte.

Der einzige Weg – Erhöhung von Investitionen

Alexander Osin von Finam Management erklärt den BIP-Zuwachs vor allem durch einen Anstieg der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt. „Die wichtigsten Produktionsanlagen in der Industrie sind zu 80 Prozent veraltet, die Unternehmen können aber nicht modernisieren, da sie keinen Etat dafür haben.“ Investitionen von außen fließen in die lukrativen Bereiche Rohstoffe, Einzelhandel, Dienstleistungen, Finanzmärkte oder Immobilien. Der einzige Weg aus dieser Sackgasse sei aber eine Erhöhung der Investitionen im produzierenden Gewerbe. 2010 stieg die Industrieproduktion schneller als das reale BIP – erstmals seit 2005. Der Grund waren staatliche Subventionen der verarbeitenden Industrie, die private Anleger nach sich zogen.

Quelle: Internationaler Währungsfond

Optimismus für 2011

Für 2011 sind noch einmal 1,6 Billionen Rubel (40 Milliarden Euro) für weitere Modernisierungsmaßnahmen eingeplant. Das reicht aber längst nicht aus: Experten schätzen, dass für eine umfassende Modernisierung mehrere Billionen Rubel nötig sind. Trotz steigender Produktionskosten sind die Prognosen für 2011 aber optimistisch: Die Rating-Agentur Fitch sagt ein BIP-Wachstum von 4,3 Prozent voraus, der Internationale Währungsfonds gar von 4,5 Prozent. Die Produktionsanlagen sind zu 80 Prozent veraltet, aber den Unternehmen fehlt das Geld zur Modernisierung.

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