Besuch im Sternenstädtchen

In der geheimen Stadt der Sterne.Foto: Photoxpress

In der geheimen Stadt der Sterne.Foto: Photoxpress

Sternenstädtchen (Zvezdnij Gorodok)! Welchen Klang dieses Wort hat! Ehrfurchtsvoll und geheimnisumwittert. Seit Jahrzehnten ranken sich Mythen um die verborgene Stadt irgendwo in der Nähe von Moskau. Hin und wieder werden Bruchstücke über das einst geheime Ausbildungszentrum der sowjetischen Kosmonauten bekannt. Und es gilt als erwiesen, dass das Städtchen heute als Schulungseinrichtung für Raumfahrer vieler Nationen fungiert, die zur Internationalen Raumstation ISS starten wollen. Alle, denen ein Blick ins Innere dieser verborgenen Welt vergönnt war, konnten sich der Faszination Raumfahrt und den nicht weniger phantastischen Ideen der post-sowjetischen Neuzeit entziehen.

Das Sternenstädtchen hat knapp 7000 Einwohner und weist die größte Ansammlung von Helden der Sowjetunion in Russland auf. Einer der es wissen muss, nämlich Nikolaj Rybkin,  Bürgermeister der geschlossenen Stadt, zählt rund 40 Vertreter dieser Orden tragenden Gesellschaf.  Viele der Helden, die einmal ins Weltall flogen und vorab im Städtchen ihre Ausbildung absolvierten, fanden auch nach ihrem Kosmoseinsatz auch hier weitere Verwendung, blieben wohnen, einige bis über ihre Pensionierung hinaus.Dem früheren „Schaufenster des Kommunismus“, wie die Stadt wegen ihres hohen Lebensstandards deutlich an, die es auf dem Buckel hat.. Der einstige Stolz des Landes ist heute ein Denkmal sowjetischer Architektur. Wohnblöcke stehen am Kiefernwäldchen, stille Straßen, es herrscht Ruhe und Gemächlichkeit. Es ist nur schwer vorstellbar, dass im 25 Kilometer entfernten Moskau in diesem Moment das Leben pulst, bunter Straßenhandel blüht und Obdachlose und Betrunkene an vielzähligen Kiosken ihren Nachschub zu organisieren Sowjetzeiten genannt wurde, sieht man seine 50 Jahre

Gagarin-Zentrum

 

Doch die Sonntagsruhe trügt: Es ist geschäftiger Arbeitstag. Im nochmals abgeriegelten inneren Zirkel des Städtchens, dem Trainingszentrums, das nicht ohne Stolz den Namen des ersten Menschen im All Jurij Gagarin trägt, werden Raumfahrer vieler Nationen ausgebildet. Hier liegen auch die Gebäude der ständigen Vertretungen von NASA und ESA, der Amerikanischen und Europäischen Weltraumbehörden. Eines der vielen Verwaltungs- und Ausbildungsgebäude fällt durch seine gewaltige Größe auf; allein das Tor in den Hangar ist drei Etagen hoch. Er beherbergt Original-Weltraumschiffe vom Typ „Sojus“, die als Spiegelmodelle für ihre Pendants im Weltall dienen. Während eines Flugs werden  zeitgleich alle Operationen im Modell in Originalgröße parallel ausgeführt und simuliert. Aber vor allem dienen die Raumkapsel der Ausbildung und Schulung. Die internationalen Besatzungen spielen ihr Programm durch und müssen Prüfungen ablegen. Kosmonauten und Astronauten verständigen sich auf Englisch oder Russisch,  manchmal auf „Kosmisch“ - also in einer speziellen Zeichensprache, die den Tauchergesten nicht unähnlich ist.

Derzeit bereitet sich ein Dreigestirn aus den beiden Russen Alexandr Samokutjaew (Kommandant) und Andrej Borissenko sowie  dem US-Amerikaner Daniel Burnbass auf einen sechsmonatigen Aufenthalt an Bord der Internationalen Raumstation ISS vor. Vom Astronauten weiß man, das er ein früher als Marineinfanterist gedient hat und bereits dreimal mit einem Shuttle im Weltall war. Nach der Columbia-Tragödie 2003 studierte er Medizin und wurde Arzt, kehrte aber wieder zur NASA zurück. Während den Astronauten ein Maulkorb verordnet ist, zeigen sich die Vertreter des NASA-Büros umso gesprächiger. Michael Fowl, Programmmanager, Prüfungsbevollmächtigter und Pressemann der Amerikaner, schildert beispielhaft den Ablauf der strengen Prüfung:Die drei Männer in Weltraumanzügen befinden sich dabei in halb liegender Position in einem engen Bereich der Raumkapsel und warten auf die plötzliche Frage nach bestimmten Flugphasen und Katastrophensituationen, wie man das auch von der Prüfung für Flugzeugführer oder Hochseesegler kennt. Die Prüfung selbst nimmt eine hochkarätige Kommission ab, die die Handlungen der Crew in einem Nebenraum über Monitore verfolgt. „Das Raumschiff startet, aber die Triebwerke setzen plötzlich aus. – Wie reagieren Sie?" oder  "Die Raketenspitze hat sich nicht gelöst. – Welche Systeme setzen Sie ein?" So illustriert Fowl den Prüfungsablauf. „Die Entscheidungen in Gefahrensituationen trifft allein der Kommandant, es gibt angesichts der hohen Geschwindigkeit keine Bedenkzeiten. Eine falsche Entscheidung, und die Kapsel ist mit ihrer Besatzung verloren."

Das Sojus-Raumschiff

Die Masse eines Sojus-Raumschiffs beträgt sieben Tonnen, und sie setzt sich aus drei Teilen zusammen - dem Servicemodul (eine Tonne), der direkt über der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete angeordnet ist, dem Landemodul (drei Tonnen), in dem die Kosmonauten sowohl starten als auch landen, sowie dem Orbitalmodul (drei Tonnen) mit dem Andockvorrichtungen an die Raumstation. Beim Start ist hieran noch das Rettungssystem montiert, das die Raumfahrer bei Havariegefahr aus der Gefahrenzone bringt, aber 150 Sekunden nach regulär verlaufendem Start abgeworfen wird. Im Hangar sind nur Lande- und Orbitalteil der Weltraumkapsel aufgebaut. Im Inneren des Start-Landemoduls geht es sehr beengt zu, die Kosmonauten kauern buchstäblich 48 Stunden lang Schulter an Schulter in Embryohaltung, bis sie die Raumstation erreichen. So unbequem diese Sitzhaltung auch aussieht, sie ist dennoch optimal, um den hohen Beschleunigungen, die bei Start und Landung auf den menschlichen Körper einwirken, zu begegnen. "In der Raumfähre Sojus geht es zu wie in einer Sardinenbüchse, aber das ist nicht von Nachteil," lacht Michael Fowl, der bereits sechs Mal im All war, unter anderem in russischen Raumschiffen, "man kommt sich näher." Die Enge der Sojus-Kapseln ist bedingt durch die Konstruktion und sehr kostengünstig. Generell ist der Lastentransport ins All eine kostspielige Angelegenheit. Bei den mehrfach einsetzbaren Shuttles der NASA belaufen sich die Kosten auf über 20 000 Dollar pro Kilo, so Stadtvorsteher  Rybkin. Die Sojus-Modelle sind dagegen bedeutend wirtschaftlicher, auch wenn sie nur einmal verwendet werden können. Größe und Masse des Raumschiffes wird auf die notwendigsten Funktionen reduziert. Kein Vergleich mit den riesigen Shuttles.  

Nachdem 2010 die Obama-Adminstration beschlossen hatte, aus Kostengründen 2010 das Space-Shuttle-Programm zu beenden, werden auch die US-Astronauten zukünftig nur noch von russischen Sojus zur Raumstation ISS gebracht. Einmal noch - nämlich am 28. Juni 2011  - wird eine letzte „Atlantis"-Mission zu einem Flug zur ISS aufbrechen. "Es ist nur natürlich, wenn wir die Ausbildung unserer Astronauten hier durchführen“, erklärt Mark Polanski, Leiter des NASA-Büros im Sternenstädtchen..  Für die einzelnen Abschnitte der riesigen Raumstation  ISS gibt es ein geteiltes Ausbildungsprogramm: Die zukünftigen US-Astronauten lernen die Sojus–Fähren und das russische Segment der Raumstation im Sternenstädtchen kennen. Mit dem amerikanischen Segment der ISS machen sich russische Kosmonauten in Houston vertraut.

Kosmonutenausbildungszentrum in dem Sternenstädtchen

Etwa 30 Personen stark sind die Gruppen im Kosmonautenausbildungszentrum J. A. Gagarin. Unter ihnen sind fast immer drei bis fünf ausländische Astronauten, etwa aus den USA, Kanada, Japan oder Deutschland. Für den Flug ins All trainiert gegenwärtig auch Jelena Sasonowa. Sie will die vierte russische Frau sein, die einen Flug in den Kosmos absolviert. Die Ausbildung russischer Kosmonauten beginnt „bei Null" und dauert drei bis fünf Jahre, die Astronautenschulung ein halbes bis ein Jahr. Die Ausbildungssysteme in Russland und in den USA unterscheiden sich sehr voneinander, wie der Amerikaner Polanski meint. Die Unterschiede seien aber vor allem kultureller Art: „Hier gibt es mündliche Prüfungen vor einer großen Kommission, der Schüler wird ein bis zwei Stunden lang mit Fragen gequält, “ erläutert Polanski lächelnd. „Die USA kennen dieses System nicht, dort läuft alles weniger formal ab, stärker auf praktische Übungen orientiert.“ Der Leiter des NASA-Büros bekundet seinen Respekt vor dem russischen Ausbildungssystem: „Das Programm wurde über Jahre entwickelt, alles ist gut organisiert und strukturiert.“ Das ist ein dickes Lob, das sich auch auf das gesamte russische Raumfahrtprogramm bezieht: Die Sojus-Raumschiffe zählen zu den sichersten Transportmitteln, und die Sojus-Rakete, mit der die Sojus-Raumkapseln zur ISS geschickt werden, gilt mit fast 900 Flügen als die am besten erprobte Rakete der Welt mit einer von anderen Systemen nie erreichten Zuverlässigkeit fast 98 %.

Schwerelosigkeitsgefühl unter Wasser

Eine der Ausbildungsphasen ist das Zentrifugentraining. Es findet ebenfalls im Inneren eines 40 Meter hohen, äußerlich recht unscheinbaren Gebäudes statt. Hier steht einegigantische, weltweit einzigartige Zentrifuge, mit der die Trainees der Belastung und Beschleunigung bei Start und Landung ausgesetzt werden. Ein Elektromotor mit der Leistung von fünf Elektroloks wird gebraucht, um die über 300 Tonnen des Mechanismus zu bewegen.  An einem 18 Meter langen Arm hängt eine Kapsel, in die der Schüler hineinklettern und im Raumfahrergestühl Platz nehmen muss. . Durch die Kreisgeschwindigkeit entstehen große Rotationsbeschleunigungen, die auf Kapsel und Schüler wirken. Die Maßeinheit dafür wird mit "g" bezeichnet also die  normale Erdbeschleunigung mit 9,81 Meter pro Quadratsekunde. Die Zentrifuge kann 30 g erzeugen, doch wenn der Flug planmäßig verläuft, beträgt die Beschleunigung "nur" 4 g. Das besagt,  dass der Druck auf die Körperoberfläche und jedes Organ  viermal so groß ist wie bei einem Spaziergang auf der Erdoberfläche. Ein gewaltiger Druck, der einem das Atmen schwer macht! Kosmonauten werden im Training sogar einer Belastung von bis zu 8 g ausgesetzt, um auch Bedingungen von Notlandungen abzudecken. Auch der Abstieg über eine ballistische Flugbahn wird simuliert, wobei auf den Körper bis zu  15 g wirken können. Das ist das Limit der Belastbarkeit für den menschlichen Körper. Ob und wie die Testschüler diese Belastungen wegstecken, entscheidet über ihren weiteres Training. Eine harte Schule.

Das Gefühl der Schwerelosigkeit wird beim Tauchgang vermittelt. Diese Phase der Ausbildung findet in dem 12 Meter tiefen Becken statt. Das Becken fasst 5000 Tonnen Wasser und nimmt locker die 1:1-Modelle aller kosmischer Module der ISS auf. Diese werden auf speziellen Gleitkufen zum Becken befördert und bis auf 9 Meter Tiefe ins Wasser versenkt. Dort absolvieren die Kosmonauten in 145 Kilogramm schweren Weltraumanzügen unter enormem Druck verschiedene Ausstiegsmanöver und führen im Weltraum anfallende Arbeiten durch. Das ist sehr anstrengend. In vier Stunden Training verlieren sie vier Kilo Körpergewicht. Danach müssen sich die Kosmonauten-Apiranten erholen. Doch wie eine Wellness-Oase sehen die dafür vorgesehenen Regenerierungsräume  nicht aus. Im Gegenteil: Sie lassen erkennen, dass das Geld knapp ist: Die Ausstattung ist mehr als bescheiden, Renovierungsarbeiten wären längst fällig und auch die Einrichtung der Räume ist die Jahre gekommen. Da man an der technischen Einrichtung nicht sparen kann, verschiebt man halt Instandhaltungsmaßnahmen.

Eroberer des Weltalls

Vom Zahn der Zeit angenagt sind auch die Ausbildungsräume. In den Fluren bröckelt der Putz, doch an den Wänden hängen Fotos der ruhmreichen Eroberer des Weltalls, die hier ausgebildet wurden: Russen, Kasachen, Ukrainer, Tschechen, Deutsche, Österreicher, Schweizer, Bulgaren, Franzosen, Vietnamesen, Amerikaner, Japaner. Und die Galerie wächst weiter, zeigt eine bunte internationale Mischung. Die Faszination Weltall führt Menschen unabhängig von Rasse, Glauben, Überzeugungen, politischen Ansichten und gesellschaftlichen Systemen ihrer Herkunftsländer ins Sternenstädtchen. Bürgermeister Rybkin erzählt uns die traurige Geschichte von Sigmund Jähn, des ersten Deutschen im Kosmos. Er war 1978 erfolgreich ins All gestartet und danach mit allen Ehren überhäuft worden, die Sowjetunion und DDR zu bieten hatten. Anlässlich seines Weltraumfluges wurde er zum General ernannt und mit dem eigens gestifteten Orden "Held der DDR" dekoriert. Doch nach dem Mauerfall erkannte man ihm, einem führenden SED-Parteimitglied, die Ehrentitel ab, man nahm ihm Arbeit, Wohnung, Haus. Doch 1990 fand er Arbeit im russischen Kosmonautentrainingszentrum, arbeitete hier sogar als Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und für die Europäische Raumfahrtbehörde ESA, Aber es dauerte bis 2008, bis sich die Bundesregierung förmlich entschuldigte und ihm offiziell zubilligte, der erste deutsche Raumfahrer gewesen zu sein," erinnert sich der Bürgermeister...

Kosmonauten-Freundschaften

Und so schreitet die Entspannung unaufhaltsam voran. Kosmonauten und Astronauten versuchen einander zu verstehen, zur Seite zu stehen, so Rybkin. Während der Ausbildung und der Flüge entwickeln sich manche freundschaftlichen Beziehungen. „Sie kennen sich alle, die Gruppe der Auserwählten ist ja nicht groß,“ pflichtet ihm Polanski bei. „Man möchte mehr voneinander erfahren, vertrauter werden, auch die Familien und Kinder kennen lernen.“ Doch die Kaste der professionellen Raumflieger bleibt nicht mehr lange so elitär, wie sie einmal war. Der Weltraumtourismus drängt ins All. Allerdings können sich bei Preisen von um die 30 Millionen Dollar bislang nur Millionäre die Weltraumreise leisten, und auch die müssen lange Vorlauf- und Trainingszeiten einplanen. Bei der Vermarktung spielt das amerikanische Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic eine Hauptrolle. „Doch In Russland gibt es ähnliche, kostengünstigere Projekte, die wir gemeinsam weiterentwickeln sollten,“ so der amerikanische Programmmanager Fowl. Mit der russischen Idee einer Flugmaschine "Kosmoplan" rücken attraktive Alternativen ins Blickfeld. „Mit der Freundin kann man volle sechs Minuten Schwerelosigkeit erleben, und das zu einem erschwinglichen Preis. Für einen starken Eindruck reicht das. Da erlebt man etwas, das man schwer in Worte fassen kann," lacht Fowl, „das prägt sich für immer ein. Sechs Minuten wie der erste Sex.“

Perspektiven nach dem Jahrestag

Vor nunmehr fünfzig Jahren, am 12. April 1961, flog Jurij Gagarin als Erster mit seinem Raumschiff Wostok 1 ins All und umrundete die Erde. Dieser Meilenstein der Menschheitsgeschichte zieht gegenwärtig die Augen der Weltöffentlichkeit auf sich. Dem Stadtoberhaupt des Sternenstädtchens kommt das sehr zupass,  ist es ihm doch auch gelungen, staatliche Gelder für Projekte der Stadt locker zu machen. Modernisierungsmaßnahmen stehen allerorten an, bei den kommunalen Versorgungsbetrieben, Straßen wie auch Gebäuden. „45 Jahre lang ist hier nur das Notwendigste gemacht worden,“ sagt Rybkin, „und nach dem Zerfall der Sowjetunion ist uns der Geldhahn vollends abgedreht worden.“ Nach den Worten des Bürgermeisters wären 5 Milliarden Rubel erforderlich, um die Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen. Schon zeigt sich erster Erfolg: Premierminister Putin sagte bereits 200 Millionen Rubel für den Jahrestag zu. Der Geldsegen lässt kühne Träume wachsen: Es gibt schon Baupläne für neue Gebäude, die an der Stelle des heruntergekommenen Anlagen des Verteidigungsministeriums hochgezogen werden sollen. Die Architektur ist futuristisch und scheint aus Fantasy-Filmen zu stammen. So etwas ist in Russland noch nie gebaut worden.

Sternenstädtchen bald Touristenstadt?

Rybkin präsentiert Pläne, nach denen das Sternenstädtchen neu gestaltet werden soll. Er möchte es in ein Touristenmekka verwandeln, solvente Investoren anlocken, Hotels, Geschäfte und Freizeitzentren bauen, eine Hochschule für angehende Kosmonauten eröffnen. Sogar an eine Bahnlinie für einen direkten Anschluss nach Moskau hat er nicht vergessen. „Ich möchte, dass hier internationales Leben herkommt“, träumt der Bürgermeister ungeachtet der Tatsache, dass die Stadt bislang ein geschlossenes Gebiet ist. Darüber geht der Stadtchef nonchalant hinweg: „Man könnte Interessenten hineinlassen und gleichzeitig die Sicherheitsstandards erhöhen.“ Er spielt auf technische Überwachungsmittel an, mit denen Waffen und Sprengstoff aufgespürt werden können. Das ist sein Metier. Denn als Offizier arbeitete er im operativen Dienst des KGB und war an den Geiselbefreiungen in Somalia und Äthiopien beteiligt, machte höchstpersönlich sogar einen Serienmörder dingfest. Für die 50-Jahresfeier des ersten bemannten Weltraumfluges hat Bürgermeister Rybkin viele eingeladen: Darunter den russischen Präsidenten Medwedjew,  Fürst Albert II von Monaco, zu dem er gute Beziehungen pflegt, oder den Franzosen Didier Marouni von der Band Space. Der Event wird sicherlich auch dem sich bahnbrechenden Tourismus neue Impulse verleihen,  der sich in der nachsowjetischen Zeit entwickelt hat. „Denn das Geld haben wohlhabende Touristen gebracht, Scheichs und Europäer. Das hat die immer Gehälte für die Ausbilder im Trainingszentrum gesichert.“ So wird es weitergehen mit der Entspannung. Aus einstigen Feinden sind Freunde geworden, aus dem geheimen Städtchen soll eine Touristenhochburg werden. In historisch kurzer Frist ist der Markt im Sternenstädtchen angekommen. Nun liegt es allein an den Bürgern, Einrichtungen und Betrieben, was sie daraus machen.

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