Burger für die neuen Bürger

Viele erinnern sich an den Januar 1990, als am Moskauer Puschkinplatz die erste McDonald’s-Filiale öffnete. 30.000 Neugierige kamen, stellten sich stundenlang an.

Sie wollten die typisch westlichen Hamburger probieren. Schließlich gab es sie für Rubel, nicht für harte Währung! Weniger bekannt ist die Geschichte von George Cohon. Der US-stämmige Kanadier brachte noch zu 
Sowjetzeiten die berühmtesten Marken der Welt nach Russland, nämlich Coca-Cola und McDonald’s. Sein Geschäftsmodell war einfach: Stülpe den Leuten nicht ein westliches Modell über, sondern sprich mit ihnen, hör ihnen zu, binde die Politiker ein, trau einheimischen Managern etwas zu und suche dir Zulieferer vor Ort.

Cirque du Soleil

Der Erfolg gibt ihm recht: Während das Gros der nach Russland entsandten westlichen Manager hier sein Waterloo erlebt, wird Cohon als Pionier gefeiert. Jetzt plant er einen neuen Coup: Zusammen mit seinem Sohn Craig holt er den 
Cirque du Soleil in den Kreml-
palast. 57 Millionen Dollar sollen in das gemeinsame Projekt der beiden Theater fließen. Die Erfolgsgeschichte brauchte einen langen Anlauf. Alles begann 1976 zur Olympiade in Montreal. Er, damals Kanada-Chef von McDonald’s, lernte zufällig eine 
sowjetische Delegation kennen. Und schon reifte in ihm der kühne Plan, die Fast-Food-Kette hinter dem 
Eisernen Vorhang zu etablieren. Nach zwölf Jahren „Hamburger-Diplomatie“ erlaubte ihm 1988 die Moskauer Stadt- und Parteileitung, ein McDonald’s-Restaurant zu eröffnen - das damals größte der Welt. Heute hat Cohon 280 Restaurants und 25 000 Angestellte in Russland. Täglich besuchen 850 000 Kunden die Fast-Food-Tempel, mehr als in den USA. 80 Prozent der Waren stammen aus heimischer Produktion, einiges wird sogar nach Deutschland exportiert.

Auch beim jüngsten Vorhaben 
kleckert Cohon nicht: Für die Musik der Cirque-du-Soleil-Show „Zarkana“ hat er Elton John verpflichtet. „Wir machen einen Probelauf in New York, dann geht es in den Kremlpalast“, kündigt er an.
 14 Jahre dauerte es, McDonald’s nach Russland zu bringen, vier Jahre, um Coca-Cola aufzubauen , und acht Monate, um den Cirque de Soleil auf den Weg zu bringen. Cohon ist nicht ohne Stolz: „Ich war hier, als Panzer 1993 auf das Weiße Haus in Moskau schossen , und wir haben weiter Geschäfte gemacht.“ Den letzten Vertrag unterzeichnete er im Kreml zwei Stunden vor dem Terroranschlag auf dem Flughafen Domodedowo. Nie hat er sich entmutigen lassen.

Das Erfolgsrezept

Das Erfolgsrezept des heute 
73-Jährigen: „ Man muss sich langfristig engagieren, persönliche 
Beziehungen pflegen und das Management nicht aus der Ferne betreiben. Russland ist ein Markt mit Handschlag. Wer als Ausländer das schnelle Geld machen will, hat von vorneherein verloren.“ Die Cohons sind optimistisch, was Russlands Zukunft angeht, und 
fordern mehr Geduld in Bezug auf die politische Entwicklung des 
Landes. George Cohon ist sich 
sicher: „Bis 2030 wird einiges passieren: Die Mittelschicht lernt, ihre Rechte einzufordern, die Wirtschaft wird sich weg von der Rohstoffproduktion zu einer modernen Industrie mit Hightechprodukten 
wandeln. Der Prozess hat bereits 
begonnen. Kunst und Kultur 
besinnen sich auf ihre Wurzeln und sind nicht mehr reine Westimporte, und Russland wird führend in der Terrorismusbekämpfung - 
gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Indien. Dann werde ich 93 sein.“

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