Der nächste Schachzug braucht Zeit

Der bemannte Flug zum Mars vorerst auf der Erde simuliert. Foto: Mars500

Der bemannte Flug zum Mars vorerst auf der Erde simuliert. Foto: Mars500

20 Jahre dauert es noch, bis 
ein Mensch den Mars betritt - mindestens. In Moskau läuft ein wichtiger Test: 520 Tage leben Kosmonauten in einer Kapsel, isoliert von der Außenwelt.

„Wenn ich mir die Oberfläche des Roten Planeten ansehe, fühle ich, wie inspirierend es für den ersten Menschen sein wird, seinen Fuß auf den Mars zu setzen. Ich grüße die Forscher von morgen“, funkt Diego Urbina an Weltraumveteranen und Medienvertreter ins Kontrollzentrum Koroljow.

Die Menschen haben den Mars betreten - hypothetisch. In einem gemeinsamen Experiment der russischen und europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) wird über 520 Tage eine Marsmission simuliert. Den ersten Teil der Reise haben die Kosmonauten inzwischen hinter sich. Nun treten sie den Heimweg an, im November sind sie wieder „auf der Erde“.

Die Forscher - drei Russen, ein Italiener, ein Franzose und ein Chinese – begaben sich im letzten Juni im Rahmen des Experiments „Mars 500“ in die Isolation.

Auf einem riesigen Bildschirm konnte man im real existierenden Kontrollzentrum außerhalb von Moskau verfolgen, wie der Russe Alexander Smolejewskij und der Italiener Diego Urbina am 14. Februar nach acht Monaten der 
Isolation in Raumanzügen einen Ausstieg auf einer simulierten Marslandschaft durchführten.

Die Attrappe des Raumfahrzeuges ist 550 Kubikmeter groß und besteht aus einem Treibhaus, in dem frische Lebensmittel zur Ergänzung der vakuumverpackten Weltraumrationen angebaut werden, und den Wohneinheiten. Daran angeschlossen ist ein 1200 Kubikmeter großes Modell der Marsoberfläche.

Im Dezember wurde ein 20-stündiger Stromausfall simuliert, bei dem die Crewmitglieder ihre Licht- und Stromreserven nutzen 
mussten. Sie verfügen über Funkverbindungen zur Außenwelt, doch die Kommunikationsmöglichkeiten sind eingeschränkt, und es gibt Übertragungsverzögerungen von bis zu 20 Minuten, bisweilen auch Totalausfälle bei der Verbindung „zur Erde“.

Da der wichtigste Faktor einer Weltraumexpedition – die Schwerelosigkeit – nicht gegeben ist, schlafen die Männer in Kojen mit einer Neigung von zwölf Grad, wodurch ein Gefühl der Ungemütlichkeit erzeugt werden soll. Auch über Freizeit verfügen die Marsforscher. Die verbringen sie mit Russisch oder Englisch lernen. Und mit Schachspielen. Die Verzögerungen bei der Funkübertragung vom Mars lassen viel Zeit zum Nachdenken über den 
nächsten Zug.

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