Hoch geflogen, sanft gelandet, nett gelächelt

Über Nacht wurde Juri Gagagarin zum Idol einer ganzen Generation, sein Lächeln zum Exportschlager - nicht nur für die Frauen. Foto: RIA Novosti

Über Nacht wurde Juri Gagagarin zum Idol einer ganzen Generation, sein Lächeln zum Exportschlager - nicht nur für die Frauen. Foto: RIA Novosti

Es war ein einfach gestrickter Bursche, der am 12. April mit seinem Flug das Wettrennen im Weltall auslöste. Heute setzt man auf Austausch und internationale Zusammenarbeit.

Am 12. April vor 50 Jahren raste der Kosmonaut Juri Gagarin mit einem enthusiastischen „Pojechali“ - „Auf geht’s“ – in einer sowjetischen Rakete himmelwärts und wurde der erste Mensch im All.Es war ein sonniger Tag des Jahres 1961, als der 27-jährige Sohn eines Zimmermanns um 9:07 Uhr im Wostok-Raumschiff in die Erdumlaufbahn startete. 108 Minuten dauerte sein Flug. Danach schwebte die Kapsel in der Region Saratow sicher zu Boden. Gagarins Flug war eine der 
bedeutendsten Leistungen des 20. Jahrhunderts. Und er löste in 
Zeiten des Kalten Krieges einen Wettstreit zwischen den Supermächten aus, der einmal nicht 
auf gegenseitige Zerstörung ausgerichtet war.

Nach einer Serie amerikanischer Mondlandungen nahm der Wettbewerbsdruck für die sowjetische Raumfahrt in den Siebzigerjahren ab. Das Rennen um den ersten Platz endete im Juli 1975, als amerikanische und sowjetische Besatzungen ihrer Apollo- und Sojus-Raumschiffe in der Erdumlaufbahn aneinanderkoppelten. Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kooperierten Moskau und Washington bei Flügen zur russischen Raumstation Mir, die nach 15-jährigem Betrieb 2001 kontrolliert zerstört wurde. 1998 hatte man mit dem Bau der ISS begonnen.

Internationale Zusammenarbeit spielt in der Weltraumforschung heute eine immer größere Rolle, insbesondere bei der von 18 Ländern betriebenen ISS. Doch jedes Jahr am 12. April ehren die Russen das Erbe der Raumfahrt, verkörpert durch den stets lächelnden Kosmonauten Juri Gagarin. Der junge Pilot starb 1968 bei einem tragischen Flugzeugabsturz. Selbst in einer Zeit der Superstars besitzt er noch immer Kultstatus: Bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage nannten 35 Prozent der Russen Gagarin als ihr wichtigstes Vorbild.

Mond- und Marsflüge

Weiterhin haben Weltraumprojekte in der Russischen Föderation Priorität, wie die Regierung 
betonte. Was die Finanzierung

betrifft, kann sie jedoch mit ihren drei Milliarden Dollar Jahresbudget mit den fast 19 Milliarden Dollar der NASA nicht mithalten. In den letzten Jahren wurden dem Weltraumprogramm dann dank der stark gestiegenen Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor wieder höhere Mittel zugeteilt. Im Bereich des kommerziellen 
Satellitenstartmarktes ist Russland weltweit führend, was sich ebenfalls positiv auf Weltraumprojekte auswirkte.

Vision einer Industrie im All

Zunehmend steht dabei auch die kommerzielle Nutzung des Weltalls im Mittelpunkt. „Unser Motto lautet Kooperation“, meint 
Anatoli Perminow, Leiter der
 russischen Raumfahrtbehörde 
Roskosmos, „und Weltraumforschung der Zukunft - das bedeutet industrielle Anlagen zum Abbau und zur Weiterverarbeitung von Mineralien auf den Planeten unseres Sonnensystems; das bedeutet Elektrokraftwerke, die sowohl die Industrie im Weltraum als auch die Erde versorgen. Wir haben die Vision, die Industrieproduktion von der Erde ins All zu verlegen und die Biosphäre unseres einzigartigen Planeten wiederherzustellen.“ Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Juri Gagarin den erhebenden Anblick unserer kostbaren und verletzlichen Erde von oben bewundern konnte. Sicherlich würde er heute diese ehrgeizigen Pläne gutheißen. „Als ich im Raumschiff um die Erde kreiste, konnte ich sehen, wie wunderschön unser blauer Planet ist“, sagte er nach seiner Landung. „Menschen in aller Welt, lasst uns diese Schönheit bewahren, lasst sie uns vergrößern und nicht zerstören“, lautet sein Vermächtnis.