Im russischen Süden: Krasnodar

Die zentrale Prachtstraße Uliza Krasnaja in Krasnodar. Hier gilt: sehen und gesehen werden. Foto: Legion-Media

Die zentrale Prachtstraße Uliza Krasnaja in Krasnodar. Hier gilt: sehen und gesehen werden. Foto: Legion-Media

Mediterranes Flair in Russland? Gibt es - im südrussischen Krasnodar. Nur 80 Kilometer trennen die 700 000 Einwohner zählende Gebietshauptstadt vom Schwarzen Meer.

218 Jahre jung ist Krasnodar, und junge Menschen prägen das Stadtbild. Mehrere Universitäten haben hier ihren Sitz, und da die von Schwarzerde umgebene Stadt Russlands führende Agrarregion ist, erstaunt es nicht, dass sich hier die größte Agraruniversität des Landes befindet. In den milden klimatischen Verhältnissen, die in der südöstlichen Ecke der Region sogar subtropisch sind, gedeihen nicht nur Weizen und Sonnenblumen, sondern auch Tee, Reis und Russlands bester Wein.

Die Stadtgeschichte

Die Zarin Katharina II. gründete die Stadt 1793 unter dem Namen 
Jekaterinodar als Festungsstadt, später siedelten hier Kosaken und verteidigten Russlands Grenzen gegen Eindringlinge aus dem Kaukasus. Ihren heutigen Namen „Rotes Geschenk“ trägt Krasnodar seit der Eroberung durch die Bolschewiki 1920. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt Krasnodar als wichtiger 
Wirtschaftsstandort, und nicht einmal die Besetzung der Stadt durch die Wehrmacht von August 1942 bis Februar 1943 konnte das Wachstum bremsen. Früh 
entdeckte man Öl und Gas, die Vorkommen sind heute allerdings weitgehend ausgebeutet. Jedoch zeugen noch zahlreiche Raffinerieunternehmen vom früheren Rohstoffreichtum. Die Wirtschaft hat sich jedoch rechtzeitig diversifiziert, Krasnodar ist viel mittelständischer 
geprägt als andere russische Städte und hat in den letzten Jahren westeuropäische Investoren wie Claas, Bonduelle und Knauf 
angezogen. Die Geburtsstadt der weltberühmten Opernsängerin Anna Nebtrebko genießt unter Russen einen vorzüglichen Ruf als „lebensfreudigste“ Stadt der Föderation.

Stadtrundgang

Die Erkundung der Stadt beginnt in der Uliza Krasnaja, zentrale Straße und Flaniermeile: Anders als ältere russische Städte hat Krasnodar keinen Kreml, dafür ist die frisch renovierte Prachtstraße ihre „Visitenkarte“. Krasnodar macht alles andere als einen armen Eindruck, in den letzten Jahren hat man viel für die Verschönerung getan, neue Parks angelegt und bestehende ausgebaut. Die Hauptstraße verwandelt sich an Wochenenden und Feiertagen zur größten Fußgängerzone Südrusslands. Man trifft sich am Springbrunnen vor der Regionalverwaltung und flaniert pärchen- und gruppenweise die Krasnaja hinunter oder besucht eines der 
großen Einkaufs- und Vergnü-
gungszentren.

Wisentherden im UNESCO-Weltnaturerbe Westkaukasus


Wer Russland hört, denkt „kalt“, aber 1000 Kilometer südlich von Moskau ist von Winterkälte wenig zu spüren. 20 Grad plus bis 
November sind normal, schon im Februar drängt die Sonne die nördliche Kälte zurück. Dafür kann es im Sommer aber über 40 Grad heiß werden. Der Krasnodarer fährt dann mit Familie und Freunden ans nahe Meer.

Wenn die Küste im August Millionen von Erholungssuchenden aus ganz Russland anzieht, weicht man in die Berge aus. Schon von Krasnodar sieht man die ersten Ausläufer des Westkaukasus, der sich 300 Kilometer östlich zum mit seinen 5642 Metern höchsten Berg Europas, dem Elbrus, erhebt. Noch im Krasnodarer Gebiet liegt das UNESCO-Weltnaturerbe Westkaukasus, das den größten europäischen Hochgebirgsurwald mit Nordmanntannen- und Buchenbeständen beinhaltet, durch den Herden von Bergwisenten streifen. Zunehmend entwickelt sich der Tourismus: Im Winter kann man hier Ski, Snowboard und Motorschlitten fahren, im Sommer wandern, oder einfach in einem der zahlreichen neuen Hotels die frische Bergluft und die kaukasische Küche genießen.

Andreas Täuber ist Geschäftsführer eines Projektentwicklungsunternehmens in Krasnodar. 

Anreise

Über Moskau z. B. mit Aeroflot oder S7 oder täglich direkt von Wien nach Krasnodar mit Austrian Airlines. Im Sommer bietet Kuban Aero mehrmals wöchentlich aus drei deutschen Städten Direktflüge nach Krasnodar an.


Unterkunft

Das zentral gelegene Vier-Sterne-Hotel Platan Juschny bietet westlichen Standard; Doppelzimmer ca. 125 Euro. Geheimtipp: Hotel Prestige, Uliza Mira 60, im Stil einer kleinen Residenz mit schönem Restaurant und Garten; Doppelzimmer ab 100 Euro.


Essen & Trinken

Duchan ist ein gemütliches kaukasisch-georgisches Restaurant an der belebtesten Fußgängerzone Südrusslands, Uliza Krasnaja 15/1. Eine wohlschmeckende Alternative: das Restaurant Ekaterinodar, benannt nach Katharina II., mit russischer und europäischer Küche an der Starokubanskaja Uliza 114.

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