Störfischen für eine Handvoll schwarzes Gold

Mitarbeiter des Artenschutzes setzen die auf einer Fischfarm gezüchteten Störe in die Wolga aus. Foto: Reuters/Vostock-Photo

Mitarbeiter des Artenschutzes setzen die auf einer Fischfarm gezüchteten Störe in die Wolga aus. Foto: Reuters/Vostock-Photo

Aufgrund der Zuchterfolge von Stören auf Fischfarmen hebt Russland sein langjähriges Ausfuhrverbot für schwarzen Kaviar in die EU auf - zunächst für 2,5 Tonnen im Jahr.

Im Februar hat Russland sein Ausfuhrverbot für Kaviar nach Europa erstmals nach neun Jahren ausgesetzt. Stör aus dem Kaspischen und dem Asowschen Meer ist die Hauptquelle für schwarzen Kaviar – die russische Delikatesse schlechthin.

Mit dem Zusammenbruch der 
Sowjetunion fiel das Kaviargeschäft zum Großteil in die Hände von Wilderern, auch aus den nun unabhängigen Anrainerstaaten, und der Stör wurde fast vollständig ausgerottet. Aus Statistiken der Umweltorganisation WWF geht hervor, dass die Störpopulation 2010 bei einem Vierzigstel der Vergleichszahlen von Ende der Achtzigerjahre lag. 2002 hatte Russland ein Pauschalverbot für den Export von schwarzem 
Kaviar erlassen, ein Jahr später durften auch die offiziellen 
Fischereien nicht mehr in die Gewässer des Asowschen Meeres.

Ein Schlupfloch blieb: Der von Wilderern beschlagnahmte Kaviar wurde unter der Hand verkauft. Erst 2007 beschloss die Regierung, sämtlichen konfiszierten Kaviar konsequent zu vernichten. In der Folge ging der Verkauf von illegal produziertem Kaviar drastisch zurück, sagt Roman Andrejew von der Investmentgesellschaft Alemar.

Heute kann man legal nur Kaviar von gezüchteten Stören erwerben. Schon vor einiger Zeit 
begann Russland mit der Zucht des begehrten Fisches, doch die Aufzucht eines Störs dauert sieben Jahre, daher sind die Ergebnisse dieser Bemühungen erst jetzt sichtbar. Heute, so schätzt Andrejew, produzieren russische Fischfarmen sechs bis sieben Tonnen pro Jahr, Tendenz steigend.

Im Moment jedoch können Zuchtstöre die enorme Kaviarnachfrage noch nicht befriedigen.

Zahl

300 Tonnen schwarzer Kaviar wurden 2007 jährlich in Russland produziert. Nur 15 Tonnen davon stammten aus offiziell genehmigten Störbeständen.

Rosrybolowstwo, Russlands Fischereibehörde, erlaubt den Export von jährlich 2,5 Tonnen schwarzem Kaviar nach Europa. Das ist mehr als dürftig gegenüber den 1500 Tonnen, die die Sowjetunion jährlich ausführte. Laut Andrejew 
gelangen dennoch bis zu 300 
Tonnen Kaviar ins Ausland - der Großteil stammt von illegal gefischtem wilden Stör.

Die Motivation zur Raubfischerei ist weiterhin hoch. Selbst wenn man die Bestechungsgelder an 
Naturschützer, Bürokraten und Großhändler miteinbezieht, 
liegen die Produktionskosten für ein Kilogramm schwarzen Kaviar unter 50 US-Dollar, während auf den Märkten und in Restaurants Preise zwischen 1500 und 3000 US-Dollar erzielt werden. Die Einnahmen aus illegalen Kaviarverkäufen werden auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. In Europa hatte iranischer Kaviar die von den russischen Exportbeschränkungen hinterlassene Lücke gefüllt, doch laut einem Abkommen zwischen den Ländern, die ans Kaspische Meer grenzen, muss jeder dieser Staaten die Zustimmung der anderen vier einholen, wenn er seine Exportquote erhöhen will.