Tscheljabinsk will zum Silicon Valley im Ural werden

Staatliche Universität Süd-Ural Foto: RIA NOVOSTI

Staatliche Universität Süd-Ural Foto: RIA NOVOSTI

Tscheljabinsk. Der Ural ist für seine Schwer- und Waffenindustrie bekannt. Doch die Region strebt ein neues Image an: Innovationstechnologien sollen Tscheljabinsk voran bringen, die Uni ist zentraler Baustein des Konzepts.

„Slawa Trudu" - Lob der Arbeit steht in großen vergilbten Lettern an der Werkhalle. Der Fabrikkomplex des Gerätebauers Metran macht auf den ersten Blick keinen einladenden Eindruck, der hässliche sowjetische Zweckbau hätte eine Renovierung dringend nötig.

 

Ural lockt internationalen Technologiekonzern

Doch außen pfui, innen hui. Die Arbeitsplätze sind auf modernstem Stand, vor allem aber: Metran setzt auf Technologie und Forschung. Der Betrieb konzentriert sich auf die Produktion von Messgeräten für Druck, Temperatur, Wetterdaten und vieles mehr.

Dabei ist Metran so gut, dass er 2004 vom amerikanischen Technologiekonzern Emerson geschluckt wurde. Nun wird auch in Tscheljabinsk an Lösungen für weltweite Steuerungsprozesse getüftelt.

Der Wissenschaftler-Nachwuchs dafür kommt aus der „Staatlichen Universität Süd-Ural" in Tscheljabinsk. Seit Jahren arbeiten die beiden Einrichtungen zusammen. Emerson sponsert der Uni nun sogar ein Labor, um die Studenten besser auf Praktika und künftige Arbeitsmöglichkeiten im Konzern vorzubereiten.

Konzernchef David Farr – eigens zur Einweihung am Mittwoch eingeflogen – beziffert den Wert des Labors auf über 400.000 USD.

 

Uni bildet dem Business Kader aus

Überhaupt ist die Universität der Fixpunkt für eine Reihe von Unternehmen. Von hier kommen die Kader, zugleich geben die Unternehmen den Studenten Möglichkeiten für Praktika und wissenschaftliche Forschung. Emerson beispielsweise vergibt Fördergelder für Dissertationen, die natürlich dem Konzern zugutekommen sollen.

„Wir sind das Skolkowo im Ural", erklärt der Rektor der Uni Alexander Schestakow. Mit Skolkowo versucht Moskau, das Silicon Valley in den USA nachzubauen, wo Wissenschaft und Business Hand in Hand gehen sollen. 

 

Superrechner und Nanotechnologien

Während Skolkowo jedoch bislang nur auf dem Papier existiert, nutzt die Uni in Tscheljabinsk bereits einen zwei Millionen Euro teuren Supercomputer von Intel, einem weiteren Partner in spe, um Aufgaben für Medizintechnik, Öl- und Gas-Industrie oder Finanzinstitute zu lösen.

Das auf Wasser basierende Kühlsystem der Rechnerplatten wurde übrigens vor Ort erdacht und spart 60 Prozent der Stromkosten.

Besonders stolz ist die Universität auf ihr Nano-Labor. Fünf Millionen Euro ist die mit Regierungsgeldern besorgte Ausrüstung wert. Nanotechnologien – das Lieblingswort von Russlands Präsident Dmitri Medwedew – verändern die Eigenschaften von Materie. Stoffe werden widerstandsfähiger.

Die Uni Tscheljabinsk nutzt diesen Effekt, um High-Tech-Schutzwesten mit einer Firma in Moskau herzustellen. Weitere Kooperationen sollen folgen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Russland-Aktuell.

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