Mit dem Bayern-Ticket in die russische Provinz

21. März 2011. Im belebten Würzburger Stadtzentrum trafen sich Mittelständler aus Mainfranken, um mehr über die Chancen und Risiken des russischen Marktes zu erfahren.

Mitten in Würzburgs Innenstadt liegt der Marktplatz, auf der einen Seite die pittoreske Marienkapelle, gegenüber das moderne Gebäude der VR Bank. Die öffnete ihre Tore für einen Austausch der ungewöhnlichen Art: „Mainfranken trifft … auf die Russische Föderation als Partner für gemeinsame neue Märkte“ lautete das Motto des Business Campus der BFP Wirtschaftssozietät.

„In den russischen Regionen gibt es viel zu tun, deutsche Unternehmen könnten ihren Beitrag dazu leisten“, sagt Bruno Fraas, Gründer der BFP Wirtschaftssozietät, der in dem Forum mainfränkische Mittelständler mit ihren russischen Counterparts zusammenbringen wollte. Nach der Begrüßungsrunde ergreift Fedor Khorokhordin, Leiter der russischen Delegation und Repräsentant Bayerns in der Russischen Föderation, das Wort: „Vor zwei Jahren hat die russische Wirtschaft enorme Einbrüche wegen der Bankenkrise einstecken müssen, doch jetzt hat sich die Konjunktur stabilisiert“, obwohl der Wachstumseinbruch um 7,9 Prozent im Jahr 2009 mit vier Prozent Wachstum 2010 nicht ganz wettgemacht wurde. „Das Land entwickelt sich trotz aller Probleme und Schwierigkeiten“, sagt Khorokhordin, die spannendsten Entwicklungen spielten sich aber nicht in Moskau oder Sankt Petersburg, sondern in der russischen Provinz ab.

Diesen Trend hat Wilhelm Pfenning, Geschäftsführer von Pfenning Elektroanlagen GmbH, erkannt. Der Mittelständler stattete die Kräne der Russischen Eisenbahn mit Elektrotechnik made in Mainfranken aus. Seine Erfahrung: „Es war nicht einfach, die Risiken abzuschätzen.“ Daher tastete er sich mit kleineren Aufträgen vor. Als die nötigen Kanäle gegraben und die richtigen Partner gefunden waren, ging es flotter voran: „Wir haben unser Geld immer bekommen - pünktlich.“ Unter den einheimischen Mittelständlern ist Pfenning aber eine Ausnahme: „Von den 57 000 kleineren und mittleren Unternehmen der Region sind in Russland 140 aktiv. 41 durch eigene Repräsentanzen, nur drei durch eine Produktion vor Ort“, rechnet Dieter Pfister, Präsident der IHK Würzburg-Schweinfurt, vor.

Diese Zurückhaltung beruhe auf Gegenseitigkeit, bedauert Khorokhordin: Obwohl Deutschland nach China das zweitwichtigste Exportland für Russland ist, sind in Bayern nur 60 russische Unternehmen tätig - bei einem Handelsvolumen von 9,9 Milliarden Euro pro Jahr.

Hightech, Umwelttechnik und erneuerbare Energien

Chancen für bayrische Mittelständler gäbe es aber reichlich: Für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi wird gerade kräftig gebaut, genauso für die Fußball-WM 2018. Auch bei Hightech, Umwelttechnik und erneuerbaren Energien gäbe es viel zu tun: „Die Ereignisse in Japan haben auch Russen zum Nachdenken angeregt“, deutet der bayrische Botschafter an.

Nach der Veranstaltung seien in der Bayrischen Repräsentanz etliche Anfragen von mainfränkischen Mittelständlern eingegangen: „Die werde ich über unsere Datenbank direkt an die russischen Unternehmen in den Regionen weiterleiten“, verspricht Khorokhordin. Für Ende des Jahres sei eine Reise in „eine wirtschaftlich führende russische Region“ geplant.

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