China schiebt im Fernen Osten an

Chinesische Minenarbeiter bei der Eröffnung eines russisch-chinesischen Bergwerks bei Chabarowsk. Foto: Reuters/Vostock-Photo

Chinesische Minenarbeiter bei der Eröffnung eines russisch-chinesischen Bergwerks bei Chabarowsk. Foto: Reuters/Vostock-Photo

China hat einen enormen 
Bedarf an Rohstoffen. Im 
Fernen Osten der Russischen Föderation gibt es sie reichlich. Die ersten bilateralen Verträge sind unterschrieben.

Russlands Ferner Osten besitzt Tausende Quadratkilometer 
unerschlossenen Waldes und 
verschneiter Tundra, hat aber nur 6,7 Millionen Einwohner, das ist genau ein Mensch pro Quadratkilometer. Auf der anderen Seite des russisch-chinesischen Grenzflusses Amur, in der Provinz Heilongjiang, leben 84 Menschen pro Quadratkilometer.

Doch bald schon könnte auch 
Sibirien stärker bevölkert sein, denn es ist reich an Bodenschätzen. Es gibt mächtige Eisenerzflöze, Seltene Erden, Gold und Kohle, alles Rohstoffe, die China für den Ausbau seiner rasch wachsenden Wirtschaft benötigt.

„Wir wissen, dass Russland mit einem anderen Land kooperieren muss, um sich im Osten zu öffnen, und der natürliche Partner ist China, das über weit mehr 
finanzielle Ressourcen verfügt als Japan oder Südkorea“, sagt Boris Krasnojenow von der Investmentbank Renaissance Capital.

Die andere Seite des Amur

Die asiatischen Investoren haben vier chinesische Sonderwirtschaftszonen im russischen Fernost eingerichtet: den Amur, 
die Regionen Primorje und Chabarowsk sowie das Jüdische 
Autonome Gebiet - und drei Milliarden Dollar investiert. Aus 
Moskau fließt in diesem Jahr 
lediglich eine Milliarde Dollar. Doch das soll sich in Zukunft 
ändern. In den nächsten fünf Jahren will die Regierung ihr Budget auf 100 Milliarden Dollar aufstocken. China wird beim Bau von Straßen, Eisenbahnlinien und Häfen wichtigster Handelspartner sein.

Das K&S Eisenerz-Projekt im 
Jüdischen Autonomen Gebiet von Birobidschan ist exemplarisch für die gut funktionierende russisch-chinesische Zusammenarbeit: 
Auf beiden Seiten der Grenze 
verläuft ein Eisenerzflöz mit Titan- und Vanadiumgehalt. Chinas 
Erzminen sind dort mittlerweile erschöpft, doch seine Hüttenwerke sollen weiterlaufen. Nun treibt die in Hongkong notierte Gesellschaft IRC, eine Tochter des Bergbauunternehmens Petropavlovsk, den Bau von neuen Erzminen auf der russischen Seite voran.

Die Kimkan-Mine, erste Phase des K&S-Projekts, fördert heute 
1,2 Millionen Tonnen Eisenerz für den russischen Markt. Von IRC geplant sind jährlich zehn Millionen Tonnen, sobald Birobidschan mit dem chinesischen Amur-Ufer verbunden ist.

Die neue Brücke, an deren Realisierung sich die IRC beteiligen möchte, würde die Transportkosten von zwölf Dollar pro Tonne um die Hälfte senken. Pläne liegen bereits auf dem Tisch, mit dem Bau soll in den nächsten Monaten begonnen werden.

Doch zwischen Russland und China herrscht seit dem Grenzkrieg von 1969 ein unterschwelliges Misstrauen. Viele chinesisch finanzierten Projekte in der Grenzregion kommen deshalb nur schleppend in Gang. Eine Brücke von der Stadt Blagoweschtschensk über den Amur nach Heihe ist seit 2008 angedacht. Damals einigten sich die Länder über einen genauen Grenzverlauf. Trotzdem ist das Vorhaben noch weit von seiner 
Realisierung entfernt.

„Das überrascht kaum, wenn man bedenkt, was damals in Blagoweschtschensk los war. Russischen Veteranen sind in der Stadt Denkmäler gesetzt, die 1969 im chinesischen Artilleriefeuer ums Leben kamen“, sagt Charles Kernot, verantwortlich für Bergbau und Metalle bei den Londoner Evolution Securities. Seiner Meinung nach werde durch intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit eine solide menschliche Vertrauensbasis geschaffen.

Die Wirtschaftskrise von 2008 führte dazu, dass China die verschiedenen Möglichkeiten seiner Rohstoffversorgung von Eisen bis zu verkokbarer Kohle, die es bisher aus Australien und Brasilien importiert hatte, neu auslotete. Und Russland war die nächstliegende Wahl. Die Krise hatte auch die Russische Föderation im selben Jahr erreicht und machte umgekehrt russischen Unternehmen klar, dass sie auf ausländische 
Investitionen angewiesen sind.

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