Ein toller Zug und Madrid, die andere große spanische Stadt

Plaza de Colón in Madrid

Plaza de Colón in Madrid

Es gibt diverse Arten von Clubs, die mit Verkehr im engeren oder weiteren Sinne zu tun haben. Gestern Abend lernten wir einen weiteren kennen: Die erste Klasse des 
Hochgeschwindigkeitszugs AVE (Alta Velocidad Española). Dieses Geschoss legt die 630 Kilometer von Barcelona nach Madrid mit bis zu 300 km/h so schnell zurück, als würde man sie fliegen, die Wartezeit am Flughafen eingerechnet. (Entsprechend scharf ist die Sicherheitskontrolle am Bahnhof Barcelona). Und an den Wagentüren prangt tatsächlich das Emblem »C« für Club. 

Nicht übertrieben. Der Zug an sich ist vergleichbar den deutschen ICEs, nur deutlich luxeriöser: Holzoptik, ausladende Sitze, Extra-Lampen an den Tischen, Schuhputzmaschine (!). Das Beste aber ist der Service. Kaum hat man Platz genommen nähert sich der Steward mit einem Getränketablett in der Hand. Ich wiederhole, für alle, die schon einmal in der ersten Klasse eines deutschen ICE auf Service hofften (und für alle, die diesen Blog zum Fremdsprachenlernen nutzen): Der Steward nähert sich sofort, noch ehe der Zug losgefahren ist!!! Dann bringt er heiße Frotteetücher, mit denen man das vom Kofferpendeln verschwitzte Gesicht erfrischen kann. Offeriert Zeitungen, auch englischsprachige, und Getränke, auch Wein, Martini und 12-jährigen Whisky. Es gibt Tapas, und wer will kann per Kopfhörer dem Film folgen, der auf den Monitoren läuft. 

Ich verfolge lieber, wie Beppe seinen Blog für heute schreibt, augenscheinlich über uns, und dabei vor sich hinkichert. Die spanische, noch nicht so alte Senora hinter uns sucht sicherheitshalber mehrfach die Bordtoilette auf, um sich zu parfümieren. 
Gut, die Benutzung dieses Clubs kostet, sie kostet sehr viel (jaha, deutlich mehr als die erste Klasse im deutschen ICE). Aber die Zugbegleiter hier sind dafür sehr zurückhaltend: Bislang wurde in keinem spanischen Zug unsere Fahrkarte kontrolliert. 

Ich habe den Eindruck, unter den Lesern dieses Blogs gibt es eine klare Antwort auf die Frage, was die schönste Großstadt Spaniens ist. Und ich finde auch Madrid schön, das alte Habsburgerviertel, den laufgeeigneten Stadtpark, die Taberna El Mollet, in die uns die hiesige Goethe-Chefin Margareta Hauschild führte und wo es die besten Tapas gab, die Soledad jemals aß (was wirklich etwas zu sagen hat). Wir lernten hier auch sehr erfreut Maurine Eppinger kennen, die unseren Blog allabendlich ins Spanische übersetzt. Aber trotzdem: Schade, dass Madrid keinen Strand hat wie Barcelona! 

Es hat zeitweise auch kein Internet, zumindest nicht unser Hotel Hospes. Leute wie wir benötigen indes das Internet wie Babys die Muttermilch. Schließlich verwies uns der Rezeptionist entschuldigend an den Zeitungskiosk vor der Tür, dort gebe es W-Lan. 
Da hatte Beppe schon die Idee, an der Universität ein paar Studenten zu Europa zu befragen. Wir fuhren zur journalistischen Fakultät um sicher zu sein, angehimmelt zu werden. Beppe setzte noch eins drauf: Als er auf dem Parkplatz Studenten mit einem Fußball entdeckte bemächtigte er sich des Balles und forderte mich mit glühenden Augen auf, ihn mit ihm um die Wette in die Luft zu kicken. Außerdem näherte sich ein junger Student Soledad und beharrte verlegen darauf, sie aus dem Fernsehen zu kennen (Kunststück: Gianni stand mit der Kamera hinter uns). 

Übrigens, die Umfrage überraschte mich positiv. Der journalistische Nachwuchs befürchtete zwar, die nördlichen Länder könnten es langsam satt haben, die südlichen so massiv zu unterstützen wie bisher. Aber erteilte Europa sehr durchdacht erstaunlich gute Noten dafür, wie es sich zur Zeit benimmt.

Vielleicht ist es auch ein Vorteil, dass Madrid keinen Strand zum Faulenzen hat.

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