Feueralarm für die Regionen

Russische Feuerwehrleute bei der Waldbrandbekämpfung im Sommer 2010. Letztes Jahr sind in Russland 16 Mio. Hektar Wald komplett abgebrannt. Foto: RIA-Novosti

Russische Feuerwehrleute bei der Waldbrandbekämpfung im Sommer 2010. Letztes Jahr sind in Russland 16 Mio. Hektar Wald komplett abgebrannt. Foto: RIA-Novosti

Der russische Stellvertretender Ministerpräsident Wiktor Subkow erörterte am 11. Mai im Rahmen einer Beratungsrunde, wie die Regionen auf die Waldbrandsaison vorbereitet sind. Das Ergebnis der Sitzung ist alarmierend, in ungefähr zehn Föderationssubjekten mangelt es an Einsatzressourcen, um die Brände effektiv bekämpfen zu können. Zugleich wurden im Ural und in Fernem Osten auf einer Fläche von über 5000 Hektar bereits Brände registriert. Die örtlichen Regierungen haben dort ein Brandschutzregime eingeführt, das den Einwohnern den Zugang in bestimmte Waldstreifen verbietet.

Der Leiter des Katastrophenschutzministeriums Sergej Schoigu informierte per Telefonkonferenz, dass die Regierung für die Bekämpfung der Waldbrände im Jahr 2011 eine 929.400 Mann starke Einsatzgruppe aufstellen wird. Sie soll Einheiten der Ministerien für Katastrophenschutz, Verteidigung, Verkehr und Energie sowie der Föderalen Forstwirtschaftsagentur RosLesChos (192.000 technische Einheiten der Bodentruppen sowie 90 Löschflugzeuge) umfassen. Nach Aussage von Subkow werden den Regionen finanzielle Hilfe für die Anschaffung von Löschtechniken in Höhe von 3 Mrd. Euro bereitgestellt. Insgesamt umfasst das Budget für die Brandbekämpfung 232 Mio. Euro.

Jedoch könnten sich alle diese Maßnahmen als unzureichend erweisen. Etwa zehn Regionen sind nach gestriger Einschätzung von Wiktor Subkow und Sergej Schoigu nicht hinlänglich für die Katastrophenabwehr gerüstet. Auf dem Beratertreffen wurden im einzelnen genannt: das Gebiet Archangelsk Jakutien, Region Krasnojarsk, sowie die Gebiete Iwanowo , Kostroma, Wologda  und Swerdlowsk.

„Die Waldbrandsaison setzt dieses Jahr später als gewohnt ein, weil der Boden sehr feucht ist“, schätzt der Chef des russischen Wetterdienstes Rosgidromet Alexander Frolow die Lage ein. Wiktor Subkow und der Leiter von RosLesChos Wiktor Masljakow berichteten demgegenüber von 5.800 Bränden seit Saisonbeginn. Nach Angaben des Ministeriums für Katastrophenschutz waren am 11. Mai, 6.00 Uhr, 406 Brandherde in der Natur registriert, von denen 275 gelöscht werden konnten und 131 weiter brennen.

Der traurige Spitzenreiter ist die Republik Tuwa, in der am 10. Mai bereits 10.900 Hektar Wald in Flammen standen. Es lodert auch kräftig im Ural und in Sibirien, wo während der zurückliegenden Feiertage eine erhebliche Ausweitung von Flächenbränden zu verzeichnen waren. Betroffen sind hier der Bezirk Chanty-Mansijsk, wo die von Bränden heimgesuchte Fläche um das 5-fache anstieg. Nun führten die Regierungsbehörden im Südural ein Sonderregime ein : Waldgebiete dürfen nur noch eingeschränkt betreten werden, jegliches Feuermachen ist verboten. Dieses Verbot bezieht sich sogar auf private landwirtschaftliche Grundstücke. Wer gegen die Regelungen verstößt, wird bestraft.

Geradezu glücklich erscheinen im Vergleich dazu die Verhältnisse im Moskauer Gebiet. Dort sind, wie Vertreter von Greenpeace Russland bekundeten, derzeit 10 Brände zu vermelden. Man hat ein Programm zur Bewässerung der Torfböden aufgelegt, die Projektkosten werden derzeit dokumentiert und sollen der Regierung bis zum 30. Mai vorgelegt werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Tageszeitung Kommersant.