Russen uneins über eigenes Image in Europa

Dmitri Medwedjew beim EU-Russland-Gipfel im December. Foto: www.kremlin.ru

Dmitri Medwedjew beim EU-Russland-Gipfel im December. Foto: www.kremlin.ru

Über die Hälfte aller Russen befürwortet einen grundsätzlichen Beitritt Russlands zur EU. Darüber wie das eigene Land in Europa gesehen wird, scheiden sich aber die Geister. So eine neue repräsentative Umfrage.

Über die Wahrnehmung Russlands in Europa herrschen in Russland sehr verschiedene Auffassungen vor. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Markt- und Meinungsforschungsinstitut IFAK im Auftrag der Russischen Redaktion der Deutschen Welle im April 2011 nach repräsentativen Methoden unter 1000 Einwohnern in Russland erhoben hat.

Fast ein Drittel der Russen (30 Prozent) glaubt, dass Russland in Europa als Quelle für billige Rohstoffe und Arbeitskräfte gesehen wird. 22 Prozent der Befragten sehen das eigene Image als einen verlässlichen strategischen Partner für andere Länder. Weitere 18 Prozent der Befragten beschreiben das Image Russlands als einen Global Player, der seine Interessen systematisch durchsetzt. Ebenso 18 Prozent befürchten, dass Russland als ein unberechenbares Land mit Großmachtsansprüchen wahrgenommen wird.

Russen wünschen EU-Beitritt

Während über das Image Russlands in Europa keine Einigkeit herrscht, sieht dies bei der Frage nach einem russischen EU-Beitritt anders aus. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) befürwortet grundsätzlich einen EU-Beitritt Russlands. Lediglich 19 Prozent sprachen sich ausdrücklich gegen einen EU-Beitritt aus. Damit ist die Zustimmung für einen EU-Beitritt binnen eines halben Jahres um vier Prozentpunkte gestiegen (siehe DW-Trend vom Dezember 2010).

Interessanterweise wünscht sich rund ein Viertel der Befragten (24 Prozent) einen möglichst schnellen EU-Beitritt Russlands binnen ein bis zwei Jahren. 17 Prozent befürworten einen Beitritt binnen zwei bis fünf Jahren und weitere 17 Prozent streben eine EU-Mitgliedschaft später als in fünf Jahren an. Somit bestätigt sich das Bild, dass die russische Bevölkerung in die Europäische Union strebt.

Gute europäisch-russische Beziehungen

Entsprechend positiv ist die Bewertung der Beziehungen zwischen Russland und der EU. Rund die Hälfte der Befragten (52 Prozent) sieht die Beziehungen als freundschaftlich oder eher freundschaftlich an. Lediglich 17 Prozent der Befragten bewerten die russisch-europäischen Beziehungen als negativ.

Noch positiver schätzen die Befragten die russisch-deutschen Beziehungen ein. Zwei Drittel der Russen (66 Prozent) empfinden die Beziehungen zwischen den beiden Ländern als freundschaftlich oder eher freundschaftlich. Lediglich vier Prozent werten die deutsch-russischen Beziehungen als belastet, während 23 Prozent diese als neutral einschätzen. Somit bleibt aus Sicht der russischen Bevölkerung Deutschland weiterhin der wichtigste Partner Russlands.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Deutschen Welle.


Mehr zum Thema auf DW-World.de:

Merkel in Russland bekannter als Sobyanin

Ukrainer für EU und Russland als Partner

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland