Siemens und Hyundai wollen Moskauer Metro betreiben

Die neue Metrostation Delowoi Zentr soll besser ans Netz angeschlossen werden. Foto: ITAR-TASS

Die neue Metrostation Delowoi Zentr soll besser ans Netz angeschlossen werden. Foto: ITAR-TASS

Siemens und der südkoreanische Konzern Hyundai sind bereit, nicht nur neue Metro-Linien in Russland zu bauen, sondern sie auch zu betreiben. Das geht aus einem Pressebericht hervor.

Die Pläne der Moskauer Stadtregierung sind gewaltig wie eh und je: In diesem Jahr sollen drei neue Stationen eingeweiht werden, 2012 ist die Eröffnung mindestens einer weiteren Station geplant. Bis 2017 sollen insgesamt 82,5 Kilometer Schienenweg unter der Erde verlegt werden.

Zum Vergleich: Selbst zu Sowjetzeiten, als die Moskauer Metro mit Hochdruck vorangetrieben wurde, lag das Bautempo bei durchschnittlich acht Kilometer pro Jahr. Zudem will die Metro in fünf Jahren praktisch ihren gesamten Fuhrpark erneuert haben und immerhin 64 Rolltreppen – bei laufendem Betrieb wohlgemerkt.

Für die Modernisierung sind 562 Mrd. Rubel (14 Mrd. Euro) nötig, teilt die Tageszeitung „Wedomosti" mit, davon kommen aus dem Stadtsäckel 410 Mrd. Rubel (10,25 Mrd. Euro), 90 Mrd. Rubel (2,25 Mrd.) fließen aus dem Haushalt. Für etwa 70 Mrd. Rubel (1,75 Mrd. Euro) müssten andere außerbudgetäre Finanzierungsquellen gefunden werden, heißt es.

Nach Angaben von Alexander Owanessow, Partner der Consultingagentur Strategy Partners, reichen zudem die Kapazitäten russischer Unternehmen für das große Bauvorhaben unter Tage nicht aus. Man müsse also einige Teile der Metro Konzessionsnehmern überlassen, folgert er.

Siemens und Hyundai interessiert am Bau

Interesse haben Siemens und Hyundai angemeldet: „Wir sind bereit, in Moskau bis zu 15 Kilometer pro Jahr zu bauen", erklärte der Leiter des Moskauer Hyundai-Büros für Zugtechnik Konstantin Gologrudow. Hyundai hat bereits in Seoul beim Bau der U-Bahn Erfahrung gesammelt.

„Wir sind an der Lieferung von Zügen interessiert, in unserem Portfolio sind aber auch Systeme für Eisenbahn-Automatisierung, Elektrifizierung und automatische Sicherheitssysteme für U-Bahn-Stationen", heißt es bei der Pressestelle von Siemens. Weitere Aussagen machte der Technologiekonzern dazu nicht.

Hyundai sei bereit, mehrere neue Linien zu bauen und die Finanzierung durch südkoreanische Banken zu stellen, teilte Gologrudow mit. Im Gegenzug wollen die Koreaner diese Linien dann auch betreiben, d.h. sie verdienen am Ticketverkauf und an der Vermietung von Plätzen in den Metro-Stationen (z.B. durch die Eröffnung von Geschäften dort).

Bislang ist die Metro ein rein städtisches Unternehmen. Der Fahrkartenpreis wird von der Moskauer Stadtregierung festgelegt und liegt weit unter westeuropäischem Niveau – derzeit kostet eine Einzelfahrkarte (mit der man den ganzen Tag fahren kann, wenn man die Metro nicht verlässt) 28 Rubel (0,70 Euro).

Die Moskauer Metro gilt als defizitär, Milliarden flossen jährlich aus dem städtischen Haushalt in die U-Bahn. Gewinn mit der Moskauer Metro machte nur deren ehemaliger Chef Dmitri Gajew, dem Veruntreuung in Millionenhöhe vorgeworfen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Russland-Aktuell.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland